Verkehr
Ludwigsburg | 23. Juni 2018

Höllenlärm aus dem Auspuffrohr

Immer öfter sind in der Ludwigsburger Innenstadt und den Ausfallstraßen aufheulende und knatternde Motoren zu hören. Für die Anwohner ein Ärgernis. Mit einem mobilen Dezibelmessgerät will die Stadt gegen den Lärm ankämpfen.

Oftmals sind bei den Fahrzeugen der Poser illegale Teile verbaut.Foto: Uwe Anspach/dpa
Oftmals sind bei den Fahrzeugen der Poser illegale Teile verbaut.Foto: Uwe Anspach/dpa

„Poser oder Protzer“, diese „Lärmleute“, nennt der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried diejenigen, die er für den Lärm verantwortlich macht. Alle paar Minuten sind in der Stadt röhrende Motoren zu hören, am prominentesten in der Wilhelmstraße, aber auch in der Friedrichstraße und der Solitudestraße oder den Ausfallstraßen wie der Schwieberdinger Straße. Wer sich und sein Auto präsentieren möchte, fährt im Quadrat, vorbei an der Außengastronomie und am Publikum. Für die Anwohner ist das schwer zu ertragen. Nun hat die SPD im Ausschuss für Bildung, Sport und Soziales die Anschaffung eines Messgeräts beantragt, um die Lautstärke zu überwachen.

Hintergrund ist eine vorhergehende Messung der Lärmbelastung Ende September 2017. Damals wurde mit einem Schalldruckmessgerät am Rathaus in beiden Richtungen untersucht, ob und wie viele Fahrzeuge die für die Wilhelmstraße festgelegte Grenze von 80 Dezibel überschreiten und damit als zu laut gelten. 88 464 Fahrzeuge fuhren in den zwölf Tagen der Messung auf der Spur in Richtung der Sternenkreuzung, 2143 davon waren Motorräder. 1223 Autos überschritten die Dezibel-Grenze ebenso wie 197 Motorräder. Das Ergebnis für die Gegenfahrbahn fiel ähnlich aus. Damit ist klar: Ludwigsburg hat ein Autoposer-Problem. Die Stadtverwaltung erklärte auf Anfrage, dass „in Ludwigsburg bislang keine örtliche und zeitliche Konzentration von ‚Autoposern‘ erkennbar“ sei und spricht von „einzelnen sporadisch auftretenden Fahrern“. Und tatsächlich überschreiten nur knapp drei Prozent der Fahrzeuge die Dezibelgrenze. Auch das Polizeipräsidium sieht in Ludwigsburg noch keine vergleichbare Szene von Autoposern wie in anderen Großstädten. Doch für die Anwohner der Wilhelmstraße lässt sich bei durchschnittlich 120 zu lauten Fahrzeugen pro Tag auf nur einer Fahrbahnseite kaum von Einzelfällen sprechen. Ungefähr alle 20 Minuten müssen sie das Dröhnen und Knattern der Motoren ertragen, zusätzlich zum normalen Straßenlärm.

Heinz Mayer, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, erklärte im Ausschuss, man werde ein Dezibelmessgerät mit Anzeige anschaffen, das ähnlich wie bei Geschwindigkeitsmessungen den vorbeikommenden Fahrern signalisiert, wenn sie zu laut sind. Damit könne man ein Gespür für die Situation bekommen. In Absprache mit der Polizei sollen dann gezielt Kontrollen stattfinden. „Für den fließenden Verkehr ist die Polizei zuständig“, sagte Mayer.

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Dort nimmt man die Beschwerden der Bürger ernst, wie die Sprecherin des Präsidiums, Tatjana Wimmer, betont. „Die Polizei wird den Innenstadtverkehr in Absprache mit der Stadt gezielt überwachen.“ Ziel der Kontrollen sei die Sanktionierung und Unterbindung typischer Verkehrsverstöße wie das unnötigen Laufenlassen von Motoren, unnötiger Lärm, unnützes Hin- und Herfahren sowie von Veränderungen an den Fahrzeugen, die zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen.

Dass verstärkte Polizeikontrollen durchaus Ergebnisse liefern können, hat sich bereits in anderen Städten Baden-Württembergs gezeigt. In Mannheim wurde dafür die Ermittlungsgruppe „Poser“ eingerichtet (siehe Infobox), die gezielt in der Poser-Saison im Frühjahr und Sommer den Verkehr überwacht. In Ludwigsburg soll zunächst mit Hilfe des Dezibelmessgeräts, das wechselweise an von der Bevölkerung mitgeteilten Lärmstellen installiert wird, das Problem eingedämmt werden. „Mit ähnlichen Anzeigetafeln im Geschwindigkeitsbereich hat die Stadtverwaltung sehr gute Erfahrungen gemacht“, teilte eine Sprecherin der Stadt mit.

Die Fraktionen im Ausschuss stimmten einstimmig für den Antrag und begrüßten, dass etwas unternommen wird, um dem Lärm zu reduzieren – doch es herrscht Skepsis, wie erfolgreich die Maßnahme sein wird. So wurden mehrfach Bedenken geäußert, die Anzeige könnte die Poser noch zusätzlich motivieren, lauter zu sein. Andreas Kasdorf (Grüne) hofft, dass die Stadt das Dezibelmessgerät möglichst bald angeschafft. „Es könnte die erste Maßnahme des Lärmaktionsplans sein, die vielleicht Erfolg haben wird.“

von Andreas Schmaltz
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