Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule
Ludwigsburg | 25. Juli 2017

In der Backstube für’s Leben lernen

Schülerfirma erfreut sich seit zehn Jahren großer Beliebtheit – Jugendliche übernehmen auch Einkauf und Buchführung

Lehrer Joachim Goller (rechts) mit seinen Schülern Sara, Lara, Ömer, Oguzhan und Mirjam (von links) in der Backstube der Kornwestheimer Gemeinschaftsschule.Foto: Benjamin Stollenberg
Lehrer Joachim Goller (rechts) mit seinen Schülern Sara, Lara, Ömer, Oguzhan und Mirjam (von links) in der Backstube der Kornwestheimer Gemeinschaftsschule.Foto: Benjamin Stollenberg

Kornwestheim. In der Küche der Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule duftet es verführerisch nach Pizza: Die ersten Bleche sind schon im Backofen. Jetzt ist die zweite Fuhre an der Reihe. Die Schüler der Jahrgangsstufe acht kneten Teig, rollen ihn dünn auf Blechen aus und belegen diesen dann mit Tomatensoße, Pilzen, Mais und Schinken.

„Herr Goller, der Teig klebt“, ruft Mirjam, die vergebens versucht, den Teig mit einem Schaber aus der Schüssel zu kratzen. „Etwas Mehl, dann geht das“, sagt Joachim Goller, nachdem er einen fachmännischen Blick auf den Inhalt der Schüssel geworden hat. Nein, er ist nicht Bäcker von Beruf, sondern Lehrer für Sport und Technik. Durch gemeinsame Aktionen in einer Backstube mit einem Bekannten, einem Bäcker, kam der Lehrer auf die Idee, eine Backstube als Schülerfirma ins Leben zu rufen.

Das ist jetzt zehn Jahre her. Seitdem betreut Joachim Goller die Bio-Backstube. Diese wurde an der damaligen Uhlandschule als ein Element des berufsorientierten Unterrichts gegründet. Aus der Grund- und Werkrealschule ist inzwischen die Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule geworden – die Bio-Backstube ist geblieben.

In zwei Gruppen wird dort immer montags und dienstags gebacken. Das Besondere daran: Die Erzeugnisse in Bioqualität werden in der großen Pause zu moderaten Preisen an die Mitschüler verkauft. Die Auswahl ist groß und reicht von belegten Brötchen, Laugenstangen, Brezeln und Pizza bis hin zu Muffins und süßen Hefeteilchen. „Am beliebtesten ist das Fleischkäsebrötchen aus Putenfleisch“, so Goller. Das können auch die muslimischen Kinder essen.

Die Mitarbeiter der Firma backen nicht nur: Sie erledigen die Einkäufe, halten die Hygienemaßnahmen penibel ein, putzen die Schulküche und übernehmen die Buchführung. Nebenbei lernen sie, Aufgaben zuverlässig zu erledigen, mit Geld umzugehen, unter Zeitdruck zu arbeiten und manchmal auch Konflikte auszutragen. Die Firma trägt sich selbst, so dass ein professioneller Backofen, eine Knetmaschine und weitere Gerätschaften angeschafft werden konnten, die in keiner Backstube fehlen dürfen.

„Das ist besser als Mathe und macht richtig Spaß“, sagt die 15-jährige Sara. Eine Lehre als Bäckerin will sie trotzdem nicht machen. „Weil man früh aufstehen muss“, pflichtet ihr der 15-jährige Ömer bei. Auch der gleichaltrige Oguzhan will lieber eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich machen als in der Backstube zu arbeiten. Ganz am Anfang, so Joachim Goller, habe es durchaus einige Schüler gegeben, die anschließend eine Lehre als Bäcker gemacht hätten.

Dass sich die Mitarbeit in der Schülerfirma großer Beliebtheit erfreut, liegt für ihn auf der Hand: „Man bekommt sofort eine Rückmeldung, ob das Produkt gelungen ist oder nicht.“ Die leckere Pizza spricht für sich.

von marion blum
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