Weihnachtsmarkt
Ludwigsburg | 10. November 2018

Juristischer Streit statt Hüttengaudi

In 17 Tagen startet der Weihnachtsmarkt, alle 183 Stände sind gesetzt. Doch geht es nach Heiko Laur, kommt noch einer dazu: seine Schweizer Berghütte, in der er vier Jahre Raclette und Glögg serviert hat. Die Stadt hat ihm eine Absage erteilt, jetzt klagt er gegen seine Verbannung. Und wirft dem Veranstalter vor, nicht objektiv zu sein.

Auch die Kuh auf Hugos Berghütte erhitzt die Gemüter: 2016 genehmigt, ist sie laut Stadt nun unpassend, weil „absolut nicht barock“.Foto: privat
Auch die Kuh auf Hugos Berghütte erhitzt die Gemüter: 2016 genehmigt, ist sie laut Stadt nun unpassend, weil „absolut nicht barock“.Foto: privat

Die Absage an Heiko Laur und seine Schweizer Berghütte hatte sich die Stadt deutlich einfacher vorgestellt, wie man dem schlichten, einseitigen Brief vom Juni entnehmen kann. Man müsse eine Auswahl aus der „Vielzahl von sehr guten Bewerbungen“ treffen, ist da zu lesen, ihm werde allerdings kein Standplatz angeboten. Die Begründung: Man habe ihn 2016 und 2017 bereits wegen „Beleidigungen“ und „aufwiegelndem Verhalten“ verwarnt.

Mit der besinnlich-vorweihnachtlichen Stimmung ist es seitdem vorbei. Der Schriftwechsel ist auf Buchdicke angeschwollen, die Zahl der Beteiligten ist von Tourismus&Events und Standbetreiber mit Justiziar, Stadträten und Verwaltungsrichter sprunghaft angestiegen. Argumente wurden ausgetauscht, Gespräche geführt und Akten gewälzt. Denn Heiko Laur legte Widerspruch ein, beschwerte sich beim Gemeinderat über seine Nichtzulassung und zog letztendlich vor das Verwaltungsgericht. Er hat einen Eilantrag auf Zulassung zum Weihnachtsmarkt gestellt.

„Ich halte das System für falsch“, sagt Heiko Laur, der Tourismus&Events vorwirft, die Bewertung sei „hingedreht worden“. Sein Stand Hugos Berghütte hatte 55 Punkte erzielt, die nach einem Klärungsgespräch auf 60 erhöht wurden – zu wenig für die 75 Punkte, die er hätte erreichen müssen, um überhaupt für einen der 183 Standplätze dieses Jahr berücksichtigt werden zu können (siehe Bericht rechts).

Das System, das Laur kritisiert, war vor einem Jahr eingeführt worden, nachdem 2016 der damalige Marktorganisator entlassen worden war. Ausgerechnet diese Punkteskala, die Objektivität herstellen soll, stößt Laur auf. Er nimmt für sich in Anspruch, mit seinen Beschwerden Auslöser für die Affäre um die subjektive Vergabepraktik des Veranstaltungsleiters von Tourismus&Events gewesen zu sein, die zu dessen Kündigung führte. Er wisse zuviel. „Jetzt haben sie kalte Füße bekommen.“

Davon hat Mario Kreh, Geschäftsführer von Tourismus&Events, noch nichts gemerkt. „Ich sehe das recht gelassen.“ Er verweist auf den Punktekatalog: „Er ist nicht schlecht bewertet worden“, sagt Kreh, andere seien einfach besser gewesen. Und hätten sich besser benommen: Die Vorfälle beziehen sich auf einen Mitarbeiter, der betrunken eine Kontrolleurin rüde beschimpft haben soll, als diese seine laute Musik unterbinden wollte.

Dafür habe er sich entschuldigt, sagt Heiko Laur. Er will wissen, dass ihn ein Konkurrent angeschwärzt habe. Und: „Der Stadt gefällt nicht, dass ich sie jedes Jahr darauf aufmerksam mache, was auf dem Weihnachtsmarkt nicht funktioniert.“ Die Stadt indes listet auf: 2017 habe er Besucher „belästigend angesprochen“ und sie versucht, abzuwerben, habe nach 21 Uhr Alkohol verkauft und für einen „unverhältnismäßigen Kommunikationsaufwand“ gesorgt, da bei seiner Zulassung 2017 ständig die Geschäftsführung und der Justiziar hätten eingebunden werden müssen.

Kreh verteidigt die Benotung: eine glatte Null für Zuverlässigkeit. Auch die rote Schweizer Kuh, 2016 genehmigt, soll vom Dach: Diese sei „absolut nicht barock“. Laur, der die Hütte eigens für den Weihnachtsmarkt gebaut hat, würde notfalls sogar darauf verzichten. Laut Verwaltungsgericht Stuttgart wird nächste Woche schriftlich entschieden, wer nun Recht bekommt. Ist es Laur, würde das bedeuten, dass auch der Kriterienkatalog – vom Justiziar geprüft und vom Gemeinderat verabschiedet – neu aufgelegt werden müsste. Mario Kreh („Es gibt kein Recht auf Teilnahme“) geht nicht davon aus: „Herr Laur kann sich aber gerne bis März 2019 wieder für einen Standplatz bewerben.“

von janna werner
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