Mehrweg
Ludwigsburg | 16. September 2017

Kaffeebecher im Pfandsystem

Einwegkaffeebecher sind zum neuen Symbol einer Wegwerfgesellschaft geworden, die nicht mehr zeitgemäß erscheint. Ein Start-up-Unternehmen will den Bechern den Kampf ansagen und vermarktet ein Mehrwegsystem – ab Oktober ist auch Ludwigsburg dabei.

Es klingt vielversprechend: Wer sich in Zukunft einen Kaffee zum Mitnehmen in der Stadt kauft, bekommt gegen einen Euro Pfand einen Mehrwegbecher und einen kleinen Rabatt auf den Kaffee. Der Becher könnte dann einfach bei allen teilnehmenden Händlern abgegeben oder wieder aufgefüllt werden. Wo sich diese befinden, kann mittels eigener App auf dem Handy nachgeschaut werden. So ließe sich das Problem der enormen Müllmenge, die jedes Jahr durch Einwegbecher entsteht, in den Griff bekommen.

Für den Kreis Ludwigsburg sind es immerhin rund 32 Millionen Einwegbecher pro Jahr, die bisher anfallen, wie Sandra Riedel von der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL) erklärt. Sie sieht die Entwicklung des Pfandsystems positiv. „Der beste Abfall ist der, den wir gar nicht machen“, sagt sie. Denn im Durchschnitt werde ein Kaffeebecher nur 15 Minuten lang genutzt, dann lande er im Müll. „Der Coffee-to-go-Becher ist ein Symbol für die Wegwerfgesellschaft“, betont Riedel. Diese Becher bestehen aus Pappe und einer Kunststoffschicht, die zusammenkleben. Dadurch seien sie nur sehr beschränkt recyclebar. „In der Regel werden sie verbrannt.“

Die Kunststoffbecher aus Polypropylen von Recup könnten dagegen bis zu 500-mal wiederverwendet werden, wie das im September vergangenen Jahres gegründete Start-up angibt. Das Ziel von Recup: Müllvermeidung durch ein flächendeckendes Pfandsystem. Bisher sind deutschlandweit 50 000 Becher im Einsatz, so die Mitarbeiterin Lisa Henze. Ihr Team konnte Händler aus München, Nürnberg, Dresden, Köln, Berlin und vielen weiteren Städten überzeugen, mitzumachen. Für jede Stadt ist eine eigene Edition mit aufgedruckter Silhouette der Stadt möglich. Damit es auch in Ludwigsburg losgehen kann, werden mindestens zehn teilnehmende Bäcker oder Cafés benötigt, sonst funktioniere das System nicht. „Es ist wichtig, eine ausreichende Anzahl zu haben“, betont Henzes Kollegin Laura Berner.

Beim Kastanienbeutelfest am 8. Oktober sollen die Mehrwegbecher erstmal in einem geschlossenen Kreis zum Einsatz kommen. Axel Müller vom Luis, dem Ludwigsburger Innenstadtverband, zeigt sich optimistisch, dass bis dahin zehn Händler gefunden sind, die mitmachen. Die Idee, wiederverwendbare Becher einzuführen sei ein Wunsch der Bevölkerung und der Mitglieder von Luis gewesen, sagt er.

Ein Euro pro Tag und Filiale kostet das System für die Händler. Wer zu wenig Becher vorrätig hat, weil die Kunden sie an einem anderen Ort abgeben, kann sie bei Recup nachbestellen. Wer zu viele Kaffeebecher hat, kann sie kostenlos an das Unternehmen zurücksenden. Bisher finanziert sich Recup über Sponsoren. Bis Mitte des nächsten Jahres hoffen sie jedoch, sich finanziell selbst tragen zu können, sagt Henze. Für die Händler könnte das System durchaus attraktiv sein, denn neben der Ersparnis der Kosten für Einwegbecher ist der Eintrag auf der Karte der App eine Art besonders günstiger Werbung. Henze hofft, dass sich die Idee von Recup durchsetzt. „Es gibt das System, nicht jede Stadt muss das Rad neu erfinden“, sagt sie.

von Andreas Schmaltz
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