Mountainbiker
Oberstenfeld | 10. November 2018

Künftig auf drei Trails legal durch den Wald

Mountainbiker können künftig in Oberstenfeld legal durch den Wald düsen. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend drei Trails genehmigt, die auf einem 13,7 Kilometer langen Rundkurs liegen.

Wem der 13,7 Kilometer lange Rundkurs in Oberstenfeld nicht reicht, kann noch eine Tour in Beilstein dranhängen. Foto: Patrick Seeger/dpa
Wem der 13,7 Kilometer lange Rundkurs in Oberstenfeld nicht reicht, kann noch eine Tour in Beilstein dranhängen. Foto: Patrick Seeger/dpa

Bisher hatte es durch den Oberstenfelder Wald keine legalen Mountainbikestrecken gegeben, was allerdings nicht heißt, dass nicht gefahren worden wäre, illegal, querwaldein – und zum Ärger von Naturschützern, Förstern, Jägern und Archäologen. Dem Beilsteiner Vorbild folgend, wollte Oberstenfeld deshalb legale Trails schaffen, und zwar in Absprache mit allen Waldnutzern, das heißt auch mit den Mountainbikern, die sich unter dem Namen Trailsurfer organisiert haben. Das scheint nun gelungen zu sein.

Mitte vergangenen Jahres hatte es ein Treffen mit allen Beteiligten gegeben, zwei Termine vor Ort im Wald und am Ende stand ein Kompromiss, der dem Gemeinderat nun vorlag. Von acht Vorschlägen der Mountainbiker waren drei übrig geblieben und zwar an Stellen, wo sie am wenigsten stören, weil – wie zum Beispiel bei der Krugeiche – ohnehin schon Freizeitverkehr herrscht. Die Vorgabe hatte gelautet: Keine Trails in Wildrückzugsgebieten, keine in Fauna-Flora-Habitat-Gebieten und vor allem keine eingebauten Anlagen wie Schanzen oder ähnliches. Das sei kein einfacher Prozess gewesen, sagte Bürgermeister Markus Kleemann im Gemeinderat, aber ein wertvoller. Jeder habe Verständnis für die jeweils andere Seite gezeigt, niemand habe dem anderen Steine in den Weg gelegt, sondern fair um einen Kompromiss gerungen.

Das sahen die Gemeinderäte genauso auch wenn Günter Perlinger (SPD) prophezeihte, es werde durch die Trails mehr Verkehr im Wald geben. „Super, aber sicher nicht perfekt für jeden“, urteilte Andreas Fender (Freie Wähler) und sein Fraktionskollege Michael Meder freute sich, dass es gelungen ist, einen Rundkurs anzulegen; er werde ihn sicher auch mal testen, kündigte er an.

Einig waren sich alle Redner in einem: Nun müsse man verhindern, dass die illegalen Trails weiter genutzt werden. „Außerhalb der Trails darf der Wald nicht befahren werden!“, forderte Wolfgang Streufert (CDU), was auch der Rechtslage entspricht: Radfahren im Wald auf Wegen, die schmaler sind als zwei Meter, ist verboten und wird mit einem Bußgeld belegt, das allerdings kaum abschrecken dürfte: 35 Euro zahlen Biker in diesem Fall – falls sie überhaupt erwischt werden. „Das ist keine befriedigende Situation“, sagte Dr. Michael Nill, der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Forsten beim Landratsamt Ludwigsburg, der in den gesamten Findungsprozess eingebunden war. Seine Behörde muss dem Projekt nach dem Ja des Gemeinderats ebenfalls noch zustimmen, erst dann sind die Trails wirklich legal. Die drei Funktionen des Waldes – Erholungsraum, wirtschaftliche Nutzung und Naturschutz – in Einklang zu bringen sei nicht einfach gewesen, aber „es ist gut geworden“, fand der Mann vom Forst und nannte es einen Glücksfall, dass die Trailsurfer bei der Planung dabei waren: „Da konnten wir auf bestehende Strukturen zurückgreifen.“ Die Trailsurfer, die in großer Zahl die Gemeinderatssitzung auf den Zuschauerrängen verfolgten, dürften es mit Genugtuung gehört haben.

Dennoch: „Was kommt denn da an Mehrverkehr auf uns zu?“, wollte Karl-Heinz Massa wissen, CDU-Gemeinderat und Ortsvorsteher von Gronau; schon jetzt komme man am Sonntag als Fußgänger kaum noch über die Hauptstraße. Schwer zu sagen, meinte Nill, aber „Heerscharen werden sich nicht ins Auto setzen“, vermutete er, dazu seien die Oberstenfelder Trails nicht spektakulär genug. Am Anfang werde der Verkehr – bei der Anfahrt und im Wald – zunehmen, sich dann aber auf ein verträgliches Maß einpendeln.

Und wie sieht es mit den Kosten und der Sicherheit aus? Unterhalten werden die Trails von den Trailsurfern und was die Haftung bei Unfällen angeht, ist die Gemeinde auf der sicheren Seite. „Es gibt keinerlei Verkehrssicherungspflicht“, beruhigte Nill, „wer den Wald betritt, tut es auf eigene Gefahr.“ Anders sähe es aus, wenn es irgendwelche Einbauten gäbe.

Was das Verbot von Anlagen und die illegalen Trails angeht, setzen der Mann vom Forst und die Gemeinde auf die Vernunft und die gute Vernetzung der Biker-Community: „Das ist ein Auftrag an die Trailsurfer!“

Andrea Nicht-Roth
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