Industrie
Stuttgart/Ludwigsburg | 14. März 2018

Lapp über Milliardengrenze

Familienunternehmen wächst und bereitet den Generationswechsel an der Spitze vor

Zweite und dritte Generation der Lapp-Dynastie: Vorstandschef Andreas Lapp (links) mit seinem Neffen Matthias, der den wichtigsten Markt von der neuen Europazentrale aus (Bild oben) des Kabelherstellers leitet.Fotos: Jürgen Schmidt
Zweite und dritte Generation der Lapp-Dynastie: Vorstandschef Andreas Lapp (links) mit seinem Neffen Matthias, der den wichtigsten Markt von der neuen Europazentrale aus (Bild oben) des Kabelherstellers leitet.Fotos: Jürgen Schmidt

Erstmals in seiner Firmengeschichte hat der Stuttgarter Kabelhersteller Lapp mehr als eine Milliarde Umsatz erzielt. Im zurückliegenden Geschäftsjahr, das am 30. September 2017 zu Ende ging, erlöste das Familienunternehmen 1,03 Milliarden Euro, fast 14 Prozent mehr als 2015/16, wie der Vorstandschef der Lapp Holding, Andreas Lapp, gestern in Stuttgart sagte. Lapp betreibt in Ludwigsburg ein Logistikzentrum mit 169 Mitarbeitern.

Dass die Milliardengrenze übersprungen wurde, hat der Konzern allerdings auch einer günstigen Entwicklung des Kupferpreises zu verdanken. Der Preis von Kupferkabeln richtet sich nach dem jeweils aktuellen Kurs des Metalls. Und der Preis sei um 21 Prozent im Laufe des Geschäftsjahres gestiegen, wie Finanzvorstand Ralf Zander erklärte. Das brachte 51 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz.

Allerdings zeigte sich Lapp auch ohne diesen Bonus mit der Geschäftsentwicklung zufrieden. Wenn man Währungs- und Kupferpreiseffekte herausrechne, liege der Umsatz immerhin noch um 8,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Und der Gewinn vor Steuern habe sich um fast ein Drittel auf über 55 Millionen Euro erhöht.

Die Entwicklung sei in allen Regionen positiv gewesen, am besten in Europa, zu dem bei Lapp auch Afrika, Süd- und Mittelamerika zählt, wo der Umsatz um 15,8 Prozent wuchs. Die Zahl verdeckt allerdings, dass auch bei Lapp nicht alle Bäume in den Himmel wachsen. So hat der Stuttgarter Konzern im vergangenen Jahr sein 2014 eröffnetes Werk in Brasilien wieder geschlossen. „Wir haben in Brasilien alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, räumte Lapp selbstkritisch ein. Man habe am falschen Ort das falsche Produkt produziert. Wie viele Millionen Lapp in Brasilien in den Sand gesetzt hat, wollte der Konzernchef allerdings nicht sagen.

Besser soll es bei den aktuellen Expansionsplänen laufen. Anfang Januar hat der Stuttgarter Kabelspezialist die finnische SKS-Gruppe übernommen, die mit 280 Mitarbeitern rund 40 Millionen Jahresumsatz erwirtschaftet. Damit stärke man die eigenen Positionen in den Bereichen Automation und Kabelkonfektionierung, die in der Lapp-Strategie 2020 eine zentrale Rolle spielten. „Wenn Lapp so gut aufgestellt wäre wie SKS, müsste der Umsatz doppelt so hoch sein“, umriss der Vorstandschef die Qualitäten der Finnen plastisch. Und auch am anderen Ende der Welt hat das Familienunternehmen einen neuen Markt erschlossen. Gemeinsam mit einem neuseeländischen Partner wurde die Lapp Australien gegründet, um den fünften Kontinent als neuen Markt zu erschließen.

Doch nicht nur dieser Expansion wegen geht Andreas Lapp für das laufende Jahr von steigenden Umsätzen aus. Auch der Gewinn werde wohl über dem des vergangenen Geschäftsjahres liegen. Wichtige Impulse erwartet Lapp vom Geschäft mit Datenübertragungssystemen für industrielle Anwendungen. Und auch der Bereich Elektromobilität kann in absehbarer Zeit zu einem wichtigen Geschäftsfeld werden, wie Technik-Vorstand Georg Stawowy sagte. Man bereite derzeit den Hochlauf für die Produktion eines Ladekabels für einen namhaften Autohersteller vor. Trotz Wachstum und weiteren Expansionsplänen will Lapp auf jeden Fall das bleiben, was der Konzern, mit inzwischen fast 3800 Mitarbeitern weltweit, stets war: ein familiengeführtes Unternehmen. Die Weichen, dass das auch in Zukunft so bleibt, hat die Familie in den vergangenen Monaten schon gestellt. Der 35-jährige Matthias Lapp, Sohn des Aufsichtratsvorsitzenden Siegbert Lapp, ist seit Mitte 2017 Chef der U.I. Lapp GmbH, die für das Europageschäft und damit 70 Prozent des Lapp-Umsatzes verantwortlich ist. Und dessen jüngerer Bruder Alexander (33) ist weltweit für die Digitalisierung und die Weiterentwicklung des E-Business zuständig.

Wann es an der Konzernspitze zu einer Wachablösung kommen wird, ließ Andreas Lapp gestern allerdings offen. „Man kann die Jungen schon etwas machen lassen, aber nicht alles“, meinte er lapidar.

Jürgen Schmidt
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