Stadtjubiläum
Ludwigsburg | 12. März 2018

Ludwigsburg als eine wandelbare Stadt

Der Startschuss für das große Stadtjubiläum ist gestern gefallen. Im Scala wurde eine fast zweistündige multimediale Gala überwiegend für geladene Gäste gefeiert, bevor es ins MIK ging zur Eröffnung der Jahresausstellung „hin und weg“ und zur Besichtigung des Mikrohofhauses.

Blick in das Innere des Mikrohofhauses an der Sternkreuzung, das gestern zum Jubiläumsauftakt besichtigt wurde. Fotos: Ramona Theiss
Blick in das Innere des Mikrohofhauses an der Sternkreuzung, das gestern zum Jubiläumsauftakt besichtigt wurde. Fotos: Ramona Theiss

Mit einer Hommage von Bas Böttcher an Ludwigsburg startete der, von Kulturchefin der Stadt Wibke Richert moderierten, Mittag mit einem Gedicht. Wortgewaltig lobte der mittlerweile bekannte Poetry Slammer die Stadt, in der seine Karriere begann. Mitte der 1990er als die Karlskaserne noch Baustelle war. Der Filmkomponist Jörg Lemberg sorgte mit Band für die Musik.

„Ludwigsburg ist eine typisch europäische Mittelstadt“, analysierte Dr. Annette Spellerberg von der technischen Universität Karlsruhe. Und doch sei sie anders als andere, so die Professorin für Stadtsoziologie in ihrem Vortrag zum Leitthema der 300-Jahrfeierlichkeiten „Stadt werden“. Als durchgeplante Residenz- und Garnisonsstadt habe sie eine besondere Gestalt. Das würde den Bürgern intensivere Identität geben. Stetig hätten sich die Häuser und Schlösser, die Straßen und Anlagen dem Wandel angepasst. Auch wenn sich die meisten Bewohner über einen der zwölf Stadtteile definierten und weniger über den Marktplatz.

In Ludwigsburg sei außerdem der Übergang von einer absolutistischen Staatsform zu einem demokratisch-selbst verwalteten Gemeinwesen ablesbar. So seien die Zukunftswerkstätten ein Markenzeichen Ludwigsburgs. Mit 42 Jahren Durchschnittsalter sei die Stadt vergleichsweise jung. Prägend sei seit jeher die Internationalität der Stadt, die ihr immer wieder maßgebliche Impulse gegeben hätten. Ludwigsburg habe Einwohner aus 200 Nationen. Ein Viertel seien Ausländer und 43 Prozent hätten Migrationshintergrund. Deshalb sollten in Ludwigsburg kulturelle, ethnische oder rassische Merkmale keine Rolle spielen. „Wohl eine Utopie“, wie Spellerberg bedauert. Dem stehe das verbreitete Gefühl der Ungerechtigkeit gegenüber.

„Eine starke Stadt ist notwendig, um die Kräfte der Investorenmärkte einzuhegen“, warnte Spellerberg vor weiter steigenden Immobilien- und Mietpreisen. Immer mehr Interessenten konkurrierten um den gleichen Wohnraum: Studenten und Senioren, Alleinerziehende und Singles. Und Familien würden bei den großen Wohnungen nicht zum Zug kommen, weil die „Leisen“ den Zuschlag bekommen würden, kritisierte sie „Rosinenpickerei“ der Vermieter. Hier für mehr Ausgleich zu sorgen sei eine der größten Herausforderung für die Stadt. Es sei notwendig, Einkommens- und Bevölkerungsgruppen zu durchmischen, wobei Abgrenzungen nie völlig auszuschließen seien. Ihr Fazit: „Ludwigsburg präsentiert sich unverwechselbar, attraktiv und geistig stimulierend“. Es sei Beispiel gelungener Urbanität. Vielleicht bald auch als kleine Großstadt.

In der von Anna Weiland, der Projektleiterin der Stadtjubiläums, und Elisabeth Meier, der Macherin der Jahresausstellung „hin und weg“ im MIK, geführten Podiumsdiskussion betonten der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried und Stadtplaner Martin Kurt, wie wichtig es sei, die Nachbarn bei Neubauvorhaben mit ins Boot zu holen. Die Ansage war aber klar: Es muss dichter und höher gebaut werden. „Mit Einfamilienhäusern wird die Wohnungsnot im wachsenden Ludwigsburg nicht gelöst. Das ist ein Traum.“ Faule Kompromisse dürften nicht eingegangen werden.

Auch Oberbürgermeister Werner Spec wurde deutlich. Bürgerbeteiligung dürfe nicht ausgenutzt werden, nur um Einzelinteressen durchzusetzen. Er hob die Verantwortung hervor, auch künftigen Generationen den Weg für die selbst bestimmte Zukunft zu ebnen. Wibke Richert betonte, dass Ludwigsburg damals wie heute vom Gestaltungswillen jedes Einzelnen lebe und profitiere. „Das Bewusstsein der Stadt geschieht in den Köpfen seiner Bewohner.“

Thomas Faulhaber
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