Versteigerung
Ludwigsburg | 22. Februar 2017

Luther-Brief sucht einen Spender

Auktionshaus will Schreiben des Reformators möglichst an Museum vermitteln – Mindestgebot liegt bei 100 000 Euro

Auktionator Christoph Gärtner mit dem Luther-Brief aus dem Jahre 1543.Foto: Alfred Drossel
Auktionator Christoph Gärtner mit dem Luther-Brief aus dem Jahre 1543.Foto: Alfred Drossel

Ein zweiseitiger Brief Martin Luthers, den er am 1. November 1543 an den Berliner Probst Georg Buchholzer geschrieben hat, steht zum Verkauf. Angeboten wird er zum Mindestgebot von 100 000 Euro bei einer Briefmarkenauktion bei Christoph Gärtner in Bietigheim-Bissingen.

Eine Woche lang geht es in dem Auktionshaus um Briefmarken. Sammler aus 20 Ländern – nämlich dem Iran, Russland, den USA, China und aus europäischen Ländern – bieten rund 30 000 Objekte im Wert von rund zehn Millionen Euro an. Unter den Marken befinden sich auch Exemplare aus Mauritius, von denen eine mit 75 000 Euro im Katalog steht. Nach Angaben von Christoph Gärtner werden zwei komplette Sammlungen angeboten, die weltweit zu den wertvollsten Sammlungen zählen.

Das größte Interesse gilt jedoch einem Originalbrief Martin Luthers, den der Reformator im Alter von 60 Jahren, drei Jahre vor seinem Tod, geschrieben hat. Der zweiseitige Brief mit Echtheitszertifikat wurde in der Weimarer Ausgabe von Luthers Werken veröffentlicht. Zuletzt war er 1983 in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Der Besitzer des Schriftstücks berichtet, dass er den Brief 1983 bei einer Spezialauktion der Autographenhandlung J. A. Stargardt in Marburg erworben habe. Der Brief war davor nie in einer Auktion gewesen und wird jetzt quasi zum zweiten Mal im Kontext einer Versteigerung angeboten.

Das gut erhaltene und sauber lesbare Schriftstück befasst sich mit Luthers problematischem Verhältnis zum Judentum. Luther schreibt aus Wittenberg an Georg Buchholzer (1503-1566), den Probst von St. Nicolai in Berlin, und behandelt das Verhältnis und die Einstellung zum Judentum von Luther, Buchholzer und dem brandenburgischen Hofprediger Johann Agricola. Das Schriftstück ist unterzeichnet mit „Martinus Lüther D“. Zum Brief gibt es ein 64-seitiges Heft „Luther und die Juden“, seines Zeichens das erste Heft der Reihe „Geschichte der Judenmission“, erschienen im 400. Reformationsjahr 1917.

Luther ermuntert in dem Brief Buchholzer, weiterhin gegen die Juden zu predigen und diesen Standpunkt auch gegenüber dem Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg zu behaupten. Luther schreibt wörtlich: „Yhr habt recht daran gethan. Haltet feste und faret fort.“ Luther wandte sich gegen den „Unglauben“ der Juden aufgrund der Schriftzeugnisse; seine drei Kampfschriften gegen das Judentum erschienen 1543, also im selben Jahr wie der Brief.

Christoph Gärtner ordnet das Schriftstück als sehr wichtig für Luther und seine Epoche ein. Einen Luther-Brief dieses Umfangs gebe es sehr selten. Dass er ausgerechnet zum Reformationsjubiläum an die Öffentlichkeit gelangt, bezeichnet Gärtner als einen Glücksfall. Das Mindestgebot liegt bei 100 000 Euro. Eine Summe darunter akzeptiere der Besitzer nicht.

„Jetzt gilt es, einen Käufer zu finden“, sagt Christoph Gärtner. Ein solches Dokument gehöre in ein Museum in Deutschland. Doch leider hätten Museen kein Geld. Deshalb, so Gärtner, soll versucht werden, einen Spender zu finden, der den Brief dann einem Museum seiner Wahl überlasse. Dazu wolle er sich vier Wochen Zeit lassen, sagt Gärtner.

Kaufinteressenten gebe es, auch in den USA. Schön wäre es, wenn der Luther-Brief noch im Jubiläumsjahr der Reformation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könne. Gärtner hielt es von vornherein für unwahrscheinlich, dass der Brief schon beim ersten Aufruf in der gestrigen Auktion einen neuen Besitzer finden würde. Für das Schriftstück seien gestern die falschen Sammler gekommen.

Alfred drossel
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