Nahversorgung
Ludwigsburg | 23. März 2018

Oststadt: Lidl-Neubau vorerst gescheitert

Der Lidl an der Ecke Ost-/Hindenburgstraße in Ludwigsburg bleibt vorerst, wie er ist. Da der Gemeinderat mehrheitlich verlangt, dass der Verkaufsraum im Erdgeschoss bleibt, hat das Unternehmen seine Neubaupläne zurückgestellt. Man müsse die Situation neu bewerten, heißt es bei Lidl.

Der Lidl-Markt in der Oststadt wird vorerst doch nicht abgerissen und durch einen größeren Markt ersetzt.Archivfoto: Holm Wolschendorf
Der Lidl-Markt in der Oststadt wird vorerst doch nicht abgerissen und durch einen größeren Markt ersetzt.Archivfoto: Holm Wolschendorf

Am Tag nach der Entscheidung können viele der Beteiligten noch immer nicht glauben, was sich am Mittwochabend im Gemeinderat abgespielt hat. „Wir können die Entscheidung hinsichtlich unserer Pläne nicht nachvollziehen“, lässt das Unternehmen Lidl auf Anfrage mitteilen. Das Ergebnis habe ihn „völlig überrascht“, sagt der Baubürgermeister Michael Ilk. Und die betroffenen Anwohner atmen auf. Nie und nimmer hätten sie damit gerechnet, dass sich der Gemeinderat noch umentscheidet, so ein Betroffener gegenüber unserer Zeitung.

Doch was war geschehen? Über die Neubaupläne von Lidl war in den vergangenen Monaten schon mehrfach kontrovers im Bauausschuss und im Gemeinderat diskutiert worden. Wie berichtet, möchte das Unternehmen seine Filiale an der Ecke Ost-/Hindenburgstraße abreißen und durch einen moderneren und größeren Neubau ersetzen. Da die Außenparkplätze künftig nicht mehr ausreichen, möchte Lidl den Markt in den ersten Stock verlegen und im Erdgeschoss ein offenes Parkdeck errichten.

 

Grüne setzen sich mit Antrag durch

 

Auf Vorschlag der Stadt sollten auf dem Dach außerdem Wohnungen entstehen. Für die Mitarbeiter, für die Bewohner und für angrenzende Unternehmen wollte Lidl zudem eine Quartierstiefgarage errichten. Der Umfang und die Höhe des Neubaus – bis zu 17 Metern – war in den umliegenden Wohngebieten aber auf Widerstand gestoßen.

Und offenbar nicht nur dort. Auch viele Stadträte hatten am Ende Bauchgrimmen bei diesem Projekt. Und so startete die Diskussion am Mittwoch zwar mit einem eindeutigen Votum aus dem Bauausschuss, in dem in der vergangenen Woche eine große Mehrheit für den großen Lidl-Neubau gestimmt hatte. Am Ende kam dann aber doch alles ganz anders. Denn die Grünen stellten unvermittelt den Antrag, dass der Markt auch weiterhin im Erdgeschoss bleiben muss.

Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung für die Beratung bekam dieser Antrag mit den Stimmen von Grünen, SPD, FDP, Ökolinx und Lubu dann auch noch die nötige Mehrheit. Im Ergebnis heißt das jetzt: Lidl könnte die Neubaupläne zwar weiter vorantreiben, der Markt muss aber im Erdgeschoss bleiben. Das hat Lidl von Anfang an abgelehnt.

 

Am Ende lobt nur die CDU die Pläne

 

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Zuvor hatten die Fraktionen erneut kurz Stellung bezogen. Maik-Stefan Braumann (CDU) lobte die Lidl-Pläne. Man sei den Anwohnern entgegengekommen, es gebe kein „Recht auf Aussicht“ und so ein Bauprojekt sei „kein Wunschkonzert“, lautete seine Einschätzung, mit der er am Ende ziemlich allein dastand.

Christine Knoß (Grüne), die auch den Antrag stellte, verwies auf den Gestaltungsbeirat, der einen Markt im Erdgeschoss empfohlen hatte. Dass dadurch ein zweites Tiefgaragendeck nötig wird, ist für sie kein Hinderungsgrund. „Lidl macht dort extrem gute Umsätze.“ Die SPD wäre zwar bereit gewesen, zumindest in Teilen zuzustimmen, forderte aber auch einen Markt im Erdgeschoss und fand: „Man hätte von Anfang an mehr auf die Nachbarn zugehen müssen“ (Dieter Juranek). Die Freien Wähler wiederum waren zufrieden mit dem Ergebnis, „der ein Kompromiss und ein gebauter Klotz sein wird“ (Andreas Rothacker). Am Ende stimmten sie als einzige mit der CDU gegen den Grünen-Antrag.

Erstaunlich war das flammende Plädoyer des FDP-Stadtrats Jochen Eisele. Man dürfe sich von einem Investor nicht alles aufzwingen lassen. Und: „Das geplante Gebäude würde sogar in einem Industriegebiet auffallen.“

Wie es mit den Neubauplänen jetzt weitergeht, ist derzeit noch offen. „Eine ebenerdige Verkaufsfläche kommt für uns weiterhin nicht infrage“, schreibt Lidl auf Anfrage. Eine weitere Tiefgaragenebene will das Unternehmen nämlich nicht bauen. „In Anbetracht der damit entstehenden hohen Kosten ist das Projekt aus wirtschaftlicher Sicht nicht umsetzbar.“ Das Unternehmen will die Situation jetzt neu bewerten und intern über die nächsten Schritte nachdenken.

Baubürgermeister Michael Ilk hat im Gemeinderat nichts unversucht gelassen, mit Argumenten doch noch eine Einigung im Sinne von Lidl und der Verwaltung zu erreichen. Ohne Erfolg. Besonders ärgerlich findet er, dass jetzt nichts aus den geplanten 38 Wohnungen auf dem Dach des Marktes wird. „Wir reden doch dauernd von Wohnungsnot.“ Die erarbeiteten Pläne hält er nach wie vor für richtig. Die Stadtverwaltung will weiter das Gespräch mit Lidl suchen.

Günter Butschbacher, einer der Sprecher der Anwohner, begrüßt die Entscheidung. In seiner Nachbarschaft, die vor allem Angst vor der Höhe des Gebäudes hatte, habe niemand mehr mit dieser Entwicklung gerechnet. Laut Butschbacher seien die Anwohner nach wie vor zu Gesprächen mit Lidl und der Stadtverwaltung bereit, um für die Zukunft „einen guten Lidl zu entwickeln“.

Christian Walf
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