Frankenbahn
Besigheim | 08. Juli 2017

Pendler-Frust wird immer größer

Der Frust wegen ausgefallener Züge und Verspätungen auf der Strecke der Frankenbahn wächst unter Bahnkunden. Das Verkehrsunternehmen nennt technische Störungen wegen der hohen Temperaturen in den vergangenen Wochen und Krankmeldungen von Mitarbeitern als Gründe. Doch spielen wohl noch andere Aspekte eine Rolle.

Seltene Begegnung: Zwei Züge auf der Strecke zwischen Besigheim und Walheim.Archivbild: Drossel
Seltene Begegnung: Zwei Züge auf der Strecke zwischen Besigheim und Walheim.Archivbild: Drossel

Die Bahn kommt – auf der Strecke der Frankenbahn, die über Heilbronn zwischen Würzburg und Stuttgart verkehrt – oftmals nur laut Fahrplan. Denn die Realität sieht anders aus, wie Karin Freese aus eigener Erfahrung weiß. Sie ist eine von vielen Pendlern in der Region, welche die Verbindung für den täglichen Weg zur Arbeit nutzen. Bereits im Sommer vorigen Jahres hat sie unserer Zeitung von den Zuständen auf der Strecke berichtet. Zwischenzeitlich hätten diese sich im Frühjahr zwar gebessert gehabt, doch nun seien sie noch schlimmer als je zuvor, meint die Besigheimerin, die seit 19 Jahren mit der Bahn zu ihrer Arbeitsstelle in Stuttgart-Feuerbach fährt.

Vergangene Woche habe sie an mehreren Tagen in Folge um 6.21 Uhr vergeblich auf dem Bahnsteig in Besigheim gestanden. Auch davor sei es ihr bereits so ergangen und jetzt gehe es gerade so weiter, verschafft sie ihrem Ärger über die Deutsche Bahn (DB) gegenüber unserer Zeitung Luft. Der Folgezug um 6.38 Uhr sei zudem regelmäßig verspätet, weil er natürlich die Halte des ausgefallenen Vorzugs mitbedienen müsse. Außerdem sei es „gesundheitsbedrohlich heiß“ in den Zügen gewesen, weil diese nicht klimatisiert seien. Auch ein Problem, über das sich viele Pendler bei den derzeit heißen Temperaturen beschweren. „Von fehlenden Ansagen, kaputten Anzeigetafeln am Bahnhof Ludwigsburg ganz zu schweigen.“

„Die Pendlerseele kocht“, sagt Karin Freese – und nicht nur ihre, wie Einträge auf der Facebook-Seite der DB zeigen. Nicolai Frank hat demnach dieselben Erfahrungen gemacht. „Abgesehen von den Verspätungen ist die Fahrt mit dem derzeitigen Material auf der Schiene eine Zumutung“, schreibt er. Die Züge seien nicht nur unklimatisiert, auch die Fenster ließen sich nicht öffnen.

Die Frankenbahn wird offensichtlich zum Dauerpatienten. Daran haben bislang weder Strafzahlungen, welche die DB für Vertragsbrüche an das Land bereits zahlen musste, noch die Abmahnungen, die der Verkehrsminister wegen Verspätungen und Zugausfällen im Regionalverkehr ausgesprochen hat, etwas dauerhaft zu ändern vermocht (siehe zweiter Text).

Die Bahn begründete die jüngsten Zugausfälle gegenüber Nicolai Frank mit technischen Störungen und Defekten.

Unserer Zeitung gegenüber nennt man verschiedene Gründe. Unter anderem hätten die äußerst hohen Temperaturen in jüngster Zeit für eine Häufung an Fahrzeugstörungen gesorgt, erklärt ein Bahnsprecher: „Außerdem verschärften kurzfristige Krankmeldungen von Triebfahrzeugführern die ohnehin angespannte Personalsituation.“ Ganz ähnlich hat die Begründung für Zugausfälle im vorigen Sommer bereits gelautet. Damals hatte es bei den Zugbegleitern nach Auskunft eines Unternehmenssprechers einen hohen Krankenstand gegeben.

Von einem Personalschwund indes spricht man in der Landesregierung. So jedenfalls hatte sich der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen bei einer Infoveranstaltung in Kirchheim zum Thema im Februar geäußert (wir berichteten). Die Bahn hat für die problembehaftete Strecke einen Übergangsvertrag, nach dessen Auslaufen ab 2019 die Töchter ausländischer Konzerne, Abellio und Go-Ahead, die Strecke übernehmen. Die Bahn sei offenbar nicht in der Lage, ihren Mitarbeitern eine Perspektive zu bieten, und diese hätten auch keine 100-prozentige Sicherheit, für das Nachfolgeunternehmen zu arbeiten. Zudem habe die Bahn aus wirtschaftlichen Kalkulationen heraus altes Wagenmaterial aufgekauft.

Die DB Regio setze während der Zeit des Übergangsvertrages, wie mit dem Land vereinbart, Züge mit neueren, aber gebrauchten Doppelstockwagen anstelle der bisherigen einstöckigen Nahverkehrswagen ein, sagt dazu der Bahnsprecher. Diese seien teilweise klimatisiert. „Dass wir die Frankenbahn Ende 2019 übergeben, heißt nicht, dass wir uns jetzt schon langsam zurückziehen. Ein guter Nahverkehr auf der Schiene ist bei aller wettbewerblicher Konkurrenz gemeinsames Anliegen aller Eisenbahnverkehrsunternehmen.“

Luitgard Schaber
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