Orthopädische Klinik
Markgröningen | 14. Juli 2018

Privates Unternehmen nimmt Verkehrssünder ins Visier

Die Orthopädische Klinik in Markgröningen hat mit Falschparkern zu kämpfen. Eine Firma schaut deshalb nach dem Rechten – und teilt auch Strafzettel aus. Die Praxis wirft Fragen auf.

Der Mann ist extra vom Bodensee an die Orthopädische Klinik nach Markgröningen (OKM) gekommen. Für das Spezialkrankenhaus sind solche Visiten keine Seltenheit. Die Chirurgen flicken hier Kreuzbänder oder setzen neue Hüften für Menschen aus ganz Süddeutschland ein. Während seines Aufenthalts im Juni hatte der Mann sein Auto allerdings in der Zone am Wasserturm abgestellt – auf einem reservierten Parkplatz. Als er zurückkommt, fischt er ein Knöllchen von der Windschutzscheibe. Der Aussteller ist nicht etwa die öffentliche Hand, sondern die HIB Parkraum Nürtingen, ein privates Unternehmen. Es fordert für den Verstoß 15 Euro, zahlbar auf ein Konto bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen.

Das Vorgehen sorgt in Markgröningen und darüber hinaus für Irritationen. Der Falschparker vom Bodensee fragt sich, ob der Akt der Parkraum Nürtingen rechtmäßig ist. Ein Anruf bei Alexander Tsongas, dem Sprecher der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim, zu der auch das Markgröninger Spezialkrankenhaus gehört. „Wir haben uns mit der Stadt abgestimmt“, sagt Tsongas. „Die Ressourcen im Rathaus sind knapp. Die Stadt Markgröningen schafft es nicht, die Parkraumüberwachung an der Klinik sicherzustellen.“ Daher sei die Aufgabe der Klinik übertragen worden – die wiederum auf das Nürtinger Unternehmen zugegangen sei.

Die beiden Parteien arbeiten auch an anderen Krankenhausstandorten im Kreis zusammen – etwa in Bietigheim oder Vaihingen, frei nach dem alten Verwaltungsgrundsatz: bekannt und bewährt. „Diese Praxis ist rechtlich einwandfrei“, sagt der Klinikensprecher Tsongas. „Wir verdienen an der Parkraumüberwachung auch kein Geld.“

Das Problem mit Falschparkern haben die Kreiskliniken nach eigenen Angaben an so gut wie jedem ihrer Standorte. Es komme beinahe täglich vor, dass Behindertenstellplätze zugeparkt, die Beschilderung ignoriert oder Parkzeiten überschritten werden.

An der Orthopädischen Klinik in Markgröningen ist die Situation besonders sensibel. Hier sind die Patienten nach Rückenmarkverletzungen, Eingriffen am Knie oder Knorpeloperationen besonders häufig gehandicapt und auf Krücken oder Rollstühle angewiesen. Außerdem ist in der Nachbarschaft ein Behindertenheim angesiedelt, das offenbar ebenfalls unter Falschparkern leidet.

Eine Begehung mit dem Landratsamt, der Stadt und der Klinik hat es längst gegeben. Daraufhin wurden Flächen festgelegt, auf denen geparkt werden darf – oder nicht. „Daran müssen sich auch alle Anwohner halten“, sagt Tsongas.

Die Kliniken haben vor einiger Zeit ein Parkhaus in Markgröningen gebaut. Darüber hinaus gibt es unterhalb der OKM einen Parkplatz. Der Krankenhaussprecher sagt: „Gerade im Parkhaus gibt es jederzeit genügend freie Plätze.“

Philipp SChneider
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