Krankenhäuser
Kreis Ludwigsburg | 10. September 2018

RKH schwimmt gegen den Strom

Die Zahl der stationär behandelten Krankenhaus-Patienten hat in Baden-Württemberg erstmals seit elf Jahren leicht abgenommen. Gegen den Trend schwimmt die Regionale Kliniken-Holding RKH: Sie hat erneut mehr Patienten aufgenommen als im Vorjahr. 114 992 Kranke wurden 2017 in einem der acht RKH-Häuser stationär behandelt. Ein neuer Höchststand,

Überdurchschnittlich: die Bettenauslastung in den Häusern der RKH. Archivfoto: Patrick Seeger/dpa
Überdurchschnittlich: die Bettenauslastung in den Häusern der RKH. Archivfoto: Patrick Seeger/dpa

Baden-Württembergs größte kommunale Krankenhausgesellschaft hält Kurs: Während landesweit bei einer stagnierenden Verweildauer von 7,3 Tagen pro Kopf die der Zahl der Patienten leicht (minus 0,3 Prozent) und die der Behandlungstage deutlich (minus 9,6 Prozent) zurückging, verzeichnete die RKH auch 2017 weiter Zuwächse: Sie steigerte die Zahl ihrer Patienten um 1989 Männer und Frauen, ein Plus von 1,8 Punkten. Damit wurden im vergangenen Jahr 5,3 Prozent aller stationären Krankenhaus-Patienten Baden-Württembergs von der RKH betreut. Auch die Zahl der Behandlungstage ging in der RKH nach oben: Sie erhöhte sich um 0,9 Prozent auf 718 835 Tage. Das sind 4,6 Prozent des Gesamtaufkommens im Land – erbracht in drei Prozent der Kliniken.

Möglich wurde das auch durch eine kürzere Verweildauer pro Patient: Im Durchschnitt wurden die RKH-Patienten nach 6,25 Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen – aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine abermalige geringfügige Effizienzsteigerung gegenüber 2016 sowie ein Mittelwert, der im Landesvergleich weit unter dem Durchschnitt liegt. Denn im Landesmittel bleiben die Patienten einen vollen Tag länger im Spital als in den RKH-Kliniken. Die Auslastung der Betten steigerte sich in der RKH auf 79,7 Prozent, der landesweite Wert liegt bei nur 77 Prozent. Als weiterer, wirtschaftlich positiver Faktor kommt in der RKH ein im Landesvergleich recht hoher Case-Mix-Index hinzu – das ist der Gradmesser für die Schwere der behandelten Fälle. Dabei gilt die Faustregel: Je schwerer ein Fall, desto höher die Einnahmen für das Krankenhaus. Ein Haus, das kurze Verweildauern mit hohen Case-Mix-Punkten verbinden kann, ist also besonders wirtschaftlich.

Interessante Details offenbart deshalb ein Blick auf die beiden großen RKH-Häuser im Kreis Ludwigsburg: Das Ludwigsburger Klinikum und das Krankenhaus Bietigheim versorgten laut Jahresabschluss 2017 zusammen 62 351 Patienten stationär – über die Hälfte aller RKH-Patienten wurden also in diesen zwei Häusern behandelt. Dabei ging die Zahl der „Fälle“ in Bietigheim mit 18 176 gegenüber dem Vorjahr leicht zurück – das Minus von 0,4 Prozent liegt auf Landesniveau. Ludwigsburg hingegen „lieferte“ der RKH-Bilanz 44 175 stationäre Patienten, ein Plus von 2,8 Prozent. Das große Haus Ludwigsburg sorgte mit seinem Plus von 1214 Fällen zugleich für zwei Drittel des Anstiegs der Patientenzahlen in der Holding insgesamt. Dass Ludwigsburg wegen der komplizierteren Fälle zudem rund dreimal so viele Case-Mix-Punkte sammeln konnte wie Bietigheim, machte die längere Verweildauer – durchschnittlich 6,77 Behandlungstage in Ludwigsburg stehen 5,82 in Bietigheim gegenüber – mehr als wett: Unterm strich erwirtschaftete Ludwigsburg 2017 im laufenden Betrieb einen Überschuss von 4,8 Millionen Euro, während das Haus in Bietigheim mit einem minimalen Defizit von 30 000 Euro abschloss.

RKH-Geschäftsführer Professor Jörg Martin kann sich also in seiner an einer Konzentration der Standorte und dem Ausbau der Hochleistungsmedizin orientierten Therapie für die finanziell weiterhin angeschlagenen Krankenhaus-Gesellschaften der drei RKH-Landkreise bestätigt sehen. Die landesweiten Zahlen zeigten, „dass wir gut aufgestellt sind und effizient arbeiten“, sagte Martin mit Blick auf die aktuellen Berechnungen des Statistischen Landesamtes. Besonders erfreut äußerte er sich über den weiteren Anstieg der Patientenzahlen, der Vertrauen in die Häuser der RKH beweise.

Allerdings hat Martins Sanierungskurs auch einen Preis, den nicht alle Patienten und Beschäftigten begrüßen werden: Der Personalbestand in der RKH ist unterdurchschnittlich. Im Landesmittel betreut ein Krankenhausarzt knapp 110 Patienten, in der RKH sind es 133. Nicht besser sieht es bei den Pflegekräften aus: Landesweit kommen auf eine gelernte Pflegekraft 56 Patienten, in der RKH sind es 74. Während sich das Verhältnis bei den Ärzten leicht verbessert hat, tut sich bei den Pflegekräften wenig. Martin hat den Kampf um gutes Personal längst als Devise ausgegeben.

Steffen Pross
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