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Marbach | 26. Juli 2017

Sorge um Zukunft des Wochenmarkts

Der Wochenmarkt gehört zweifelsfrei zu den belebenden Elementen der Marbacher Nahversorgung. Stadtrat Dieter Zagel warnt nun aber vor einem Ausbluten des Angebots. Eine Entwicklung, die symptomatisch für die Situation in der Innenstadt zu sein scheint.

Die Zahl der Händler, die samstags auf dem Marbacher Wochenmarkt ihre Waren anbieten, ist für manchen Stadtrat Anlass zur Sorge. Vor einem Ausbluten des Angebots wird gewarnt.Foto: Ramona Theiss
Die Zahl der Händler, die samstags auf dem Marbacher Wochenmarkt ihre Waren anbieten, ist für manchen Stadtrat Anlass zur Sorge. Vor einem Ausbluten des Angebots wird gewarnt.Foto: Ramona Theiss

„Der Wochenmarkt ist ein Kleinod. Wenn der schrumpft, muss das unsere Besorgnis erregen“, fasst der SPD-Stadtrat seine Beobachtungen zusammen. Die gipfeln in der Erkenntnis, dass zumindest am Samstag die Zahl der Marktbeschicker zurückgegangen ist. Doch sowohl samstags als auch mittwochs sind die Stände mit Gemüse, Obst, Blumen, Käse oder Wurst ein wichtiger Frequenzbringer für die anderen Geschäfte der Innenstadt. Wenn das Angebot des Marktes kleiner wird, die Kunden ihre bevorzugten Händler nicht mehr finden und wegbleiben, dann hat das auch gravierende Auswirkungen auf alle anderen Einzelhändler.

Die Stadtverwaltung will den Schwarzen Peter allerdings nicht in ihren Reihen sehen. Zagel spricht davon, dass sich manche Marktbeschicker „schikaniert“ fühlten und bittet, ohne konkret zu werden, vorsichtshalber darum, „gnädiger“ zu verfahren. Man müsse die Händler „zärtlich“ behandeln.

Von Schikane will Ordnungsamtsleiter Andreas Seiberling freilich nichts wissen. Er bestätigt, dass es ein Problem mit einem Beschicker gebe. Es gebe „verschiedene Gründe“, warum dieser tatsächlich vor dem Ausschluss stehe. Deutlicher wird er nicht. Als Ursache dafür, dass der eine oder andere Händler nicht mehr nach Marbach kommt, sieht er eher die wachsende Konkurrenz im Einzelhandel, die Tatsache, dass selbst die Discounter mittlerweile ein umfangreiches Angebot frischer Lebensmittel haben.

Der Ordnungsamtsleiter weiß aus Gesprächen mit den Beschickern, dass ihnen der Mindestlohn zu schaffen macht. Auch deshalb gäbe es in letzter Zeit kaum Anfragen von neuen Interessenten. „Und wenn, dann wird genau nach der Frequenz gefragt, nach der Zahl der Parkplätze in der Nähe. Wir bieten den Händlern ja schon an, den Standort erst zu testen, können sie aber erfahrungsgemäß kaum halten. Wir sind bemüht, aber es ist echt schwierig.“

Das von Zagel ebenfalls ins Feld geführte Argument eines fehlenden Ausweich-standorts, wenn die Innenstadt und somit auch die Marktstraße wegen einer Veranstaltung samstags gesperrt werden muss, sieht Seiberling ebenfalls nicht als K. -o. -Kriterium. Zagel hatte kritisiert, dass der Festplatz an der Poppenweilerstraße als Alternative nicht tauge, weil zum Beispiel bei großer Hitze dort mangels Schatten die Ware verderbe oder umgekehrt bei starken Regengüssen Händler wie Kunden knöcheltief im Matsch stünden.

„Wir versuchen zum einen, Verlegungen immer rechtzeitig zu kommunizieren, und wir haben zum anderen nun mal nicht so viele Möglichkeiten“, hält Seiberling dagegen. Zudem habe es eine Umfrage zu anderen Standorten bei den Beschickern gegeben, „aber keine verbindlichen Antworten.“

Arnegunde Bärlin (CDU) springt ihrem SPD-Kollegen jedenfalls zur Seite. Die Vielfalt des Marktes müsse unbedingt erhalten werden, an den Markttagen herrsche immer ein besonderes Flair in der Stadt. Vielleicht könne man ja über eine Senkung der Standgebühren nachdenken, so ihre Anregung.

Die Sorge um die Innenstadt treibt die Marbacher Stadträte immer wieder um. Jüngst hatte sich zum Beispiel Ute Rößner (SPD) erkundigt, ob die Stadt Einfluss auf Öffnungszeiten nehmen könne. Dass ein Café in zentraler Lage am späten Nachmittag schließe, könne doch – auch mit Blick auf den Tourismus – nicht angehen.

Ob es um Einkaufsmöglichkeiten für die Marbacher oder um Angebote für Besucher geht – die Innenstadt, vor allem aber die Marktstraße ist als Sorgenkind längst ausgemacht. Schon vor Jahren haben Gemeinderat und Stadtverwaltung hier Handlungsbedarf erkannt. Zeitgemäßer müsse die Fußgängerzone werden, attraktiver. Das Geld für die als notwendig erachteten Investitionen soll nicht zuletzt über die Neuauflage des Sanierungsprogramms Altstadt fließen. Das Land hat mittlerweile eine Förderung von 1,3 Millionen Euro zugesagt, allerdings stehen zunächst andere Projekte oben auf der Prioritätenliste. Die Sanierung des seit Jahren baufälligen Pfundhauses zum Beispiel, oder die Anbindung der Altstadt an den Neckar.

Konkrete Pläne, wie die Marktstraße aufgehübscht werden soll, gibt es jedenfalls noch nicht.

von sabine frick
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