Medienoffensive
Ludwigsburg | 08. Januar 2018

Stadt rüstet alle Schulen digital auf

Schnelles Internet und neue Medientechnik im Klassenzimmer: Seit einem Jahr stattet Ludwigsburg seine 23 Schulen für den digitalen Unterricht aus. Wie viel dieser zeitgemäße Multimedia-Ausbau jedoch kostet, ist noch nicht greifbar.

Die meisten Lehrer setzen digitale Medien im Unterricht nur wenig ein: 37 Prozent ab und zu, 48 Prozent sogar nur selten, wie eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung ergeben hat. Zugleich ist die Mehrheit der Lehrer der Meinung, dass diese Medien die Arbeit mit den Schülern erleichtern könnten. Damit das aber Realität wird, braucht es Schulen mit angemessener technischer Ausrüstung, digital kompetente Lehrkräfte und gutes digitales Lernmaterial.

Während es Aufgabe des Landes ist, die Lehrer fortzubilden und den Lehrplan zu gestalten, sind die Kommunen als Schulträger für die Internet- und Medientechnik in den Bildungseinrichtungen zuständig. „Oft ist die digitale Ausstattung derzeit noch nicht vorhanden – auch in Ludwigsburg nicht“, sagt Daniel Wittmann. Der Leiter der städtischen Abteilung Schulen ist für das Projekt „Medienoffensive“ zuständig, das 2017 startete. Ziel ist es, die Schulen in der Stadt so auszurüsten, dass ein digitaler Unterricht stattfinden kann. „Digitalisierung ist nicht der Heilsbringer“, betont Wittmann, „aber es kann ein Mehrwert sein.“

Passende technische Ausstattung

Dazu gehört vor allem: eine leistungsfähige Internetanbindung. Viele der 23 Schulen haben noch DSL/Kabel, diese sollen an das Glasfasernetz der wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes oder an jenes der Stadtwerke angeschlossen werden. „Wir wollen die Schulen so ausrüsten, dass alle Schüler ins Wlan könnten“, so Wittmann. Das sei derzeit noch nicht möglich. „Wir wollen den Anschluss aller Schulen 2018 schaffen.“ Ende 2017 wurde bereits das Bildungszentrum West angeschlossen.

Der zweite Punkt: einheitlich ausgestattete Unterrichtsräume. „Es gibt schon Schulen, die Beamer und Smartboards haben, aber ohne Strategie dahinter“, erklärt Wittmann. Pro Jahr will die Stadt bis zu 50 Zimmer ausrüsten. Damit habe man bereits 2017 begonnen. „Es sollen immer zwei bis drei Räume pro Schule angegangen werden.“ Das notwendige Geld, 200 000 Euro, kommt aus dem städtischen Haushalt. Bei Neubauten wie in der Schlösslesfeldschule und Friedensschule werde der Standard direkt umgesetzt. So auch im Neubau des Goethe-Gymnasiums, der morgen eingeweiht wird. „Das soll der Mindeststandard in allen Klassenzimmern in Ludwigsburg werden“, sagt Wittmann. Als Grundlage für die Ausstattung diene die Multimedia-Empfehlung des Landtags und Städtetags.

Zunächst müsse die Grundinfrastruktur in den Schulen geschaffen werden: Server, Wlan, Netzwerkkabel, Steckdosen. Dann kommen noch die Endgeräte hinzu – einen Beamer an der Decke samt Bedienpanel, eine Dokumentenkamera (ersetzt den Tageslichtprojektor), Aktivboxen für den Sound und einen Laptop für den Lehrer. „Der digitale Unterricht ist nicht mehr nur die Ausnahme, sondern soll zum Regelfall in allen Räumen werden. Man will weg vom PC-Raum, hin zu mehr Flexibilität“, so Wittmann. Dazu gehören auch Laptopwagen, in denen 30 Laptops sind, die man von Zimmer zu Zimmer schieben kann. „Wir haben die Schulen entsprechend ihrer Größe ausgestattet.“ So steht zum Beispiel im Goethe-Gymnasium pro Stockwerk ein Wagen.

Darüber hinaus befinde sich derzeit noch vieles in der Testphase, sagt der Projektleiter. Es gibt zwei Musterräume Medientechnik am Friedrich-Schiller-Gymnasium und an der Oststadtschule. „Wir testen dort auch andere Geräte wie einen interaktiven Beamer.“ Andere Schulen könnten sich dort zeigen lassen, wie man die Geräte einsetzen kann. „Wie eine Schule letztlich ausgestattet wird, hängt von deren Konzept ab. Wir möchten schließlich, dass die Technik genutzt wird.“ So müsse es ein pädagogisches Konzept geben, um Tablets einzuführen. Diese seien schon in der Eberhard-Ludwig-Schule und im Goethe-Gymnasium im Einsatz.

Darüber hinaus startet im Frühjahr das Pilotprojekt Bio-Book am Friedrich-Schiller-Gymnasium. „Wir arbeiten mit einem Verlag zusammen, der ein digitales Biobuch herausgebracht hat“, erklärt Wittmann. Das Grundproblem sei, dass es die meisten Bücher noch gar nicht digital gebe. „Die Herausgeber von Lehrmaterial stehen noch am Anfang.“

Auch sonst noch sind einige Fragen offen, etwa wie der Gerätesupport und die Finanzierung der Digitalisierung funktionieren. „Wir prüfen derzeit, wie eine Betreuung der Schul-IT aussehen könnte“, sagt Wittmann. Support, Wartung, Ersatzbeschaffung – das alles drücke auf den Haushalt. Vom Land werde man im Regen stehen gelassen, bedauert der Stadtmitarbeiter. Von den fünf Milliarden, die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) im Oktober 2016 den Ländern für Computer und Wlan an Schulen versprochen hatte, sei noch immer nichts in Sicht.

2,6 Millionen Kosten laut Stiftung

Wie hoch die jährlichen Gesamtkosten der Digitalisierung ausfallen, ist laut Daniel Wittmann noch schwer greifbar. Die Bertelsmann Stiftung rechnet zwar mit 2,8 Milliarden Euro Kosten, die auf die Kommunen bundesweit zukommen. Für Ludwigsburg heruntergerechnet würde dies bedeuten, dass die jährlichen Kosten für Grundschulen 0,69 Millionen und für weiterführende 1,91 Millionen betragen. Allerdings stecken in diesen Summen auch Landesaufgaben sowie die Wartung und die Ausstattung aller Schüler mit Tablets, erklärt Wittmann. „Nicht jeder braucht ein Tablet“, sagt er. Viel wichtiger sei zunächst die Basisausstattung.

von Martina Peao
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