Nahverkehr
Ludwigsburg | 12. Juli 2018

Stadtbahn bleibt ein Streitthema

Vorstoß der SPD für Gespräche über eine Hochflurbahn läuft bei den anderen Gemeinderatsfraktionen ins Leere

Es bleibt unklar, wohin die Debatte über den Schienenverkehr führt. Foto: sap/stock.adobe.com
Es bleibt unklar, wohin die Debatte über den Schienenverkehr führt. Foto: sap/stock.adobe.com

Alle umliegenden Kommunen und der Landkreis bedrängen Ludwigsburg, doch noch auf eine Stadtbahnlinie mit der Stuttgarter Hochflurbahn umzusteigen. Die SPD hat sich nach dem ÖPNV-Gipfel vom vergangenen Freitag gesprächsbereit erklärt (wir berichteten gestern) – und steht damit aber alleine da. Eine Umfrage unserer Zeitung bei den anderen Gruppierungen im Gemeinderat zeigt, dass diese von ihren Positionen nicht abrücken wollen. Die Positionen zur Stadtbahn sind zwar im Detail ganz unterschiedlich ausgerichtet, in der Ablehnung einer Hochflurbahn aber allesamt eindeutig.

Grundlage der neu entflammten Debatte ist die sogenannte Doppelstrategie für den Ausbau des Nahverkehrs. Es geht um drei Bausteine: die Reaktivierung der Bahnlinie Ludwigsburg-Markgröningen, die Entwicklung eines Systems mit beschleunigten BRT-Bussen sowie den Bau einer Niederflurstadtbahn. In Ludwigsburg wurde beim Beschluss für diese Doppelstrategie eine Hochflurbahn explizit ausgeschlossen.

Unterschiedlich ausgelegt wird die Verbindlichkeit einer Niederflurbahn. Oberbürgermeister Werner Spec hatte schon früh zu erkennen gegeben, dass dieser dritte Baustein für ihn eine Zukunftsoption und damit noch nicht gesetzt ist. Andere pochen auf die Beschlussvorlage, in der unter anderem über die drei Bausteine zu lesen ist: „Die Realisierung soll über getrennte Förderanträge und getrennte Beauftragungen schrittweise erfolgen.“

CDU: Die größte Fraktion im Gemeinderat will von der Doppelstrategie mit einer Niederflurbahn nicht abweichen. „Das ist ein Kompromiss, und dazu stehen wir“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Herrmann. Daran ändere auch die neu ins Gespräch gebrachte zusätzliche Schienenverbindung von Markgröningen über Schwieberdingen und Korntal-Münchingen an das Stuttgarter Straßenbahnnetz nichts. Diese hat hat nach Ansicht der CDU mit den Plänen für eine Doppelstrategie nichts zu tun und sollte getrennt davon betrachtet werden.

Für die CDU bedeutet die Doppelstrategie keine Verpflichtung zum Bau einer Niederflurbahn. Sie sieht ein zweistufiges Verfahren: Erst soll die Bahnstrecke Ludwigsburg-Markgröningen reaktiviert werden und auch die BRT-Busse fahren. „Und dann sieht man, ob die Niederflurbahn gebaut wird“, so Herrmann. Es sei der Landrat, der jetzt mit dem Vorstoß für die Hochflurbahn diesen Kompromiss aufgekündigt habe. Es bleibe dabei, dass eine Hochflurbahn für die CDU grundsätzlich nicht infrage komme, auch auf einer Verbindung von Remseck durch die Oststadt zum Bahnhof. Bei einer Niederflurbahn gebe es den Vorteil, dass diese in Ludwigsburg auch nach Oßweil und ins Schlösslesfeld fahren könnte.

Grüne: „Unsere Meinung hat sich nicht geändert“, sagt der Fraktionsvorsitzende derGrünen, Dr. Michael Vierling. „Das Fahrgastpotenzial im Osten und Nordosten der Stadt wäre prädestiniert für einen Schienenanschluss und das bedeutet in diesem Fall nun einmal Niederflur.“ Hochflur schaffe unnötig viele Barrieren im Straßenraum. In jedem Fall sei die Niederflurbahn moderner und ortsbildverträglicher. „Ich kann auch die Nachteile der anderen Kommunen in der Niederflurvariante nicht erkennen. Die Doppelstrategie ist eine gute Grundlage, um weiterzukommen.“

BRT sollte die Stadt schnell in Angriff nehmen. Außerdem sei es wichtig, die Linie nach Markgröningen zu reaktivieren. Seine Erkenntnis nach der Sitzung am vergangenen Freitag im Landratsamt: „Wir müssen deutlicher machen, dass die Stadtbahn kein Lippenbekenntnis ist.“

Freie Wähler: „Wir bleiben dabei: Die Doppelstrategie gilt!“, sagt Reinhardt Weiß, Fraktionsvorsitzender der FreienWähler. „Ludwigsburg wäre bekloppt, eine Hochflurbahn zu bauen. Da wären die Millionen zum Fenster hinausgeworfen.“ Die Freien Wähler setzen auf die Reaktivierung der Bahnverbindung nach Markgröningen und ein BRT-System. „Wenn die umliegenden Kommunen eine Hochflurbahn haben möchten, können sie das gern weiterverfolgen. Ludwigsburg macht dann eben ein Inselsystem.“

FDP: Nur schwer nachvollziehen kann die FDP die Aussage der SPD, eine Hochflurbahn doch ins Kalkül zu ziehen. „Das ist ja ein salto mortale“, sagt Johann Heer. Seine Fraktion hält nichts von einer Hochflurbahn, „die macht keinen Sinn“. Stattdessen favorisiert die FDP die Reaktivierung der Bahnlinie nach Markgröningen in Kombination mit BRT-Bussen. Erst als dritten und letzten Schritt möchte sich Heer auf eine Diskussion um eine Niederflurbahn einlassen. Jetzt aber über eine Hochflurbahn zu reden, würde die Debatte in Ludwigsburg „auf Jahre behindern“.

Ökolinx: Claudia Dziubas kann sich mit der Hochflurbahn nicht anfreunden. „Wir brauchen auch innerstädtisch etwas“, sagt sie. Ihre Hoffnung: „Wir müssen die Busse, die wir haben, mit Busspuren beschleunigen“, das sei aus ihrer Sicht auch besser als ein neues BRT-System. Sie befürchtet, dass sich kurz- und mittelfristig nichts ändert. (map/sts/je)

von peter Maier-stein
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