Bürokratie
Ludwigsburg | 17. Juli 2017

Strengere Auflagen für Vereinsfeste

Für Feiern unter freiem Himmel gibt es immer mehr Vorschriften. Vor allem beim Lärm- und Brandschutz haben die Organisatoren eine Menge zu beachten.

Schon bevor die Bratwürste auf dem Grill brutzeln, müssen Festorganisatoren eine Vielzahl von Regelungen einhalten.Archivfoto: Martin Schutt/dpa
Schon bevor die Bratwürste auf dem Grill brutzeln, müssen Festorganisatoren eine Vielzahl von Regelungen einhalten.Archivfoto: Martin Schutt/dpa

Ein anstrengendes Wochenende liegt hinter den aktiven Mitgliedern so mancher Vereine im Landkreis. Doch bis so eine Hocketse gefeiert werden kann, dauert es mittlerweile länger als früher. Denn es gibt immer mehr – oder strengere – Vorschriften, die Organisatoren beachten müssen, wenn sie Feste im Freien feiern, die es gerade jetzt ja zuhauf gibt.

Ein aktuelles Beispiel ist Vaihingen. Dort war eine Anwohnerin wegen Ruhestörung durch ein Fest gegen die Stadt vor das Verwaltungsgericht gezogen (wir berichteten). Folge des dort geschlossenen Vergleichs ist ein Lärmschutzkonzept, das nun zum 1. Juli für die Kernstadt und den Grillplatz Kappelsteig in Kraft getreten ist. Darüber sind unter anderem bestimmte Veranstaltungen definiert, die traditionell und selten sind, und die einen besonderen Schutzstatus bekommen. Insgesamt 18 Mal im Jahr darf es dabei überdurchschnittlich laut sein, so die Auskunft. Besagte Veranstaltungen dürfen allerdings an nicht mehr als zwei Wochenenden hintereinander stattfinden. Zudem weisen die Auflagen, die im Allgemeinen für „Gestattungen nach Paragraf 12 des Gaststättengesetzes“ gelten und die die anfragenden Vereine erhalten, zahlreiche andere Punkte auf. Unter anderem müsse immer ein Ansprechpartner anwesend sowie genügend und geschlechtergetrennte Toiletten sowie Platz zwischen Ständen und Stuhl- und Tischreihen vorhanden sein – ebenso ausgebildete Sicherheitskräfte, wenn es ein Konzert geben soll. Zudem müssen Getränkeschankanlagen und Ähnliches von einem Sachkundigem abgenommen sein. Das gelte auch für die im Bürokratendeutsch sogenannten fliegenden Bauten, also Zelte.

Dazu kommen allein unter dem Stichwort Brandschutz 17 weitere Anforderungen, die gegebenenfalls bei den jeweiligen Festen erfüllt werden müssen, wie Mindestabstände von Heizgeräten, Scheinwerfern sowie eine nötige Anzahl von Feuerlöscher-Typen. Ergänzend gibt es in Vaihingen noch ein Merkblatt zum Umgang mit Flüssiggas. Und man weise die Vereine auch auf weitere Vorschriften hin, etwa wenn Gema-pflichtige Musik gespielt werde, heißt es im Ordnungsamt.

Immer mehr zu beachten gebe es auch beim Punkt Hygiene, weiß die Bietigheimer Stadtsprecherin Anette Hochmuth. Zuständig sei aber eine übergeordnete Behörde, wenn es um die richtige Kühlung von Lebensmitteln und Abdeckung von Kuchen, Brötchen und Co. gegen Fliegen, Staub oder Regen sowie nötige Möglichkeiten zum Händewaschen gehe. Kurioserweise ist es das Veterinäramt, mit dem es unlängst wegen des anstehenden Arkadenfests des Bietigheimer Sängerkranzes Kontakt gegeben hat, berichtet der Vereinsvorsitzende Karl-Heinz Menrath. „Aber das ist zu bewältigen“, sagt er mit Blick auf den Bereich Hygiene und die nötigen Aufgaben, um eine Platzgenehmigung zu bekommen. Es seien aber vor allem die Sicherheitsmaßnahmen, die die Vereine beschäftigen, so Menrath, der auch Vorsitzender des Dachverbands Kultur der Großen Kreisstadt ist. „Das ist ein Thema, das in jüngster Zeit sensibler betrachtet wird.“ Er wisse zwar nichts davon, dass es strengere Vorgaben gebe oder darüber diskutiert werde, aber die Vereine müssten beim Brandschutz ohnehin einiges erfüllen. In der Vergangenheit habe kein Hahn danach gekräht, aber heute sei schon der genaue Gerätetyp des Feuerlöschers vorgeschrieben. Dazu kommen nötige Absperrungen, wenn es etwa Umzüge gibt, wie sie zum Beispiel Faschingsvereine veranstalten. „Die Absperrungen kosten Geld, auch der Bauhof rechnet ordentlich ab“, so Menrath. Ganz zu schweigen davon, wenn die Stadt nicht genügend eigene Absperrgitter habe, und man diese bei Unternehmen leihen müsse. Teurer wird es auch, wenn es ein Konzert auf einer Bühne ansteht und ausgebildete Sicherheitskräfte beauftragt werden müssen, so der Hinweis aus Remseck.

Alles in allem fallen also je nach Veranstaltungsart hohe Kosten an. „Wir rechnen das immer um in die Würstleswährung. Also: Wie viele Würste müssen wir verkaufen, damit es sich lohnt, die Veranstaltung wie geplant zu organisieren“, sagt Karl-Heinz Menrath. In Bietigheim-Bissingen funktioniere das noch. Kein Verein habe wegen hoher Auflagen einen Termin absagen müssen, sagt auch Stadtsprecherin Hochmuth, wenngleich sie wegen des größer werdenden Personalaufwands immer wieder Klagen zu hören bekomme.

Nicht verwunderlich also, dass die Ehrenamtlichen froh sind, wenn sie Hilfe von den Verwaltungen der Kommunen erhalten. Neulich habe er einen Anruf aus dem Bietigheimer Rathaus bekommen mit der Frage, ob man die Toiletten in den Marktplatz-Arkaden – dort sind Geschäfte, und Amtszimmer untergebracht – während des Festes länger geöffnet lassen solle. „So etwas ist dann einfach toll“, sagt Menrath.

von Julia Schweizer
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