Nahverkehr
Ludwigsburg | 23. Februar 2017

Ton im S-Bahn-Streit verschärft sich

Wegen massiver Ausfälle und unpünktlicher Züge kassiert die DB Regio eine Warnung des Stuttgarter Regionalverbands

Vor einem Jahr keimt Hoffnung auf der Schiene. Die Manager der Stuttgarter S-Bahn sehen „messbare Erfolge“ bei dem Versuch, die seit langem chronisch unpünktliche rote Flotte zu verbessern. Die Regionaldirektorin Nicola Schelling spricht gar von einer Trendwende. Doch schon damals bremst der Stuttgarter OB Fritz Kuhn die Regionaldirektorin ein und wirft ihr „Beweihräucherung“ vor.

Im Februar 2017 ist klar: Das Eigenlob der Bahn hat gestunken. Weil fast 300 000 Zugkilometer im vergangenen Jahr ausgefallen sind und das Unternehmen den vereinbarten Pünktlichkeitszielen immer noch deutlich hinterherhinkt (wir berichteten). Wegen dieser miesen Bilanz hat der Verkehrsausschuss des Stuttgarter Regionalverbands VRS gestern beschlossen, die Bahn zu verwarnen. „Es hat sich keine nachhaltige Verbesserung eingestellt“, sagte der VRS-Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler. Was dem Konzern nach eigenen Angaben das Leben schwermacht, sind Bauarbeiten wegen Stuttgart 21, Instandhaltungsarbeiten, Menschen auf den Gleisen oder Luftballons in Oberleitungen.

Die Region scheint mittlerweile genug von solchen Einlassungen zu haben. „Unsere Hoffnung, dass es bei der S-Bahn besser wird, ist gestorben“, sagte der Freie Wähler und ehemalige Böblinger Landrat Bernhard Maier gestern. Die angeblich messbaren Erfolge aus dem Jahr 2015 nannte die grüne Regionalrätin Eva Mannhardt aus Korntal-Münchingen „eine Momentaufnahme“.

Die CDU machte am Mittwoch im Verkehrsausschuss deutlich, dass die ausgesprochene Warnung nicht ohne Folgen bleiben werde. Ihr verkehrspolitischer Sprecher Rainer Ganske wies darauf hin, dass der Vertrag, den die Region und die Bahn geschlossen haben, auch ein Kündigungsrecht beinhaltet. Realistisch erscheint die Durchsetzung aber nicht. Eine Alternative zum Monopolisten Bahn ist weit und breit nicht in Sicht, wie Ganske bekannte.

Die SPD fordert, dass zumindest über mögliche Strafzahlungen nachverhandelt werde. „Denn wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, so der Fellbacher Regionalrat Harald Raß. Damit meint er millionenschwere Investitionen in den Ausbau des Nachtverkehrs, in zusätzliche S-Bahn-Fahrzeuge und den durchgehenden 15-Minuten-Takt. Insgesamt kommt das Paket auf ein Volumen von mehr als 100 Millionen Euro.

Darüber hinaus beschloss der Verkehrsausschuss am Mittwoch, jedes Jahr knapp 800 000 Euro in längere Züge zu stecken, um so noch mehr Fahrgäste zu befördern. Denn die steigen trotz der Pannen trotzdem weiter fleißig in die roten Züge ein. Nach Wurmthalers Angaben ist die Zahl der Kunden in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen. Der Stuttgarter Sozialdemokrat Thomas Leipnitz: „Die S-Bahn ist noch immer das Rückgrat des ÖPNV.“

Problematisch ist, dass das System offenbar an seiner Kapazitätsgrenze angelangt ist, wie die Freien Wähler vermuten. Besonders die unterirdische Stammstrecke in Stuttgart, durch die auch alle drei S-Bahn-Linien des Kreises fahren, gilt als Nadelöhr. Abhilfe könnte ein elektronischer Lotse namens ETCS bedeuten, den der Ditzinger Technologiekonzern Thales entwickelt. Die Signaltechnik macht es möglich, dass mehr Züge die Tunnelstrecke passieren. Das Thema landet noch in diesem Jahr auf der Tagesordnung. Bahn und Region befürworten es grundsätzlich. Unklar ist jedoch, wer es bezahlen soll.

Philipp Schneider
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