Wespen
Kreis Ludwigsburg | 21. August 2018

Ungebetene Gäste am Gartentisch

Kein Essen im Freien ohne Wespen. In diesem Jahr scheint es besonders viele zu geben – ein warmer und trockener Frühling sorgte dafür. Derzeit ist die Wespenpopulation auf ihrem Höhepunkt, Ende September werden es weniger. Wer im Landkreis Fragen zu den Insekten hat, kann das Wespentelefon des Landratsamtes anrufen.

Reife Früchte, Marmelade und süße Getränke sind ein gefundenes Fressen für Wespen. Die schwarz-gelben Insekten naschen aber auch gerne von Fleisch oder Wurst.Foto: Patrick Pleul/dpa
Reife Früchte, Marmelade und süße Getränke sind ein gefundenes Fressen für Wespen. Die schwarz-gelben Insekten naschen aber auch gerne von Fleisch oder Wurst.Foto: Patrick Pleul/dpa

Wer im Sommer draußen isst, kann sich auf eines verlassen: Schnell werden sich schwarz-gelbe Gäste am Gartentisch oder auf der Picknickdecke einfinden. Sie wollen nur ein kleines Stückchen vom Frühstücksschinken naschen, einmal an der süßen Cola schlecken und ein bisschen vom saftigen Zwetschgenkuchen probieren. In diesem Sommer, in dem es so trocken und heiß ist wie schon lange nicht mehr, scheint es besonders viele Wespen zu geben. „Wir gehen davon aus, dass es mehr Wespen sind als sonst“, sagt Frank Handel, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Ludwigsburg. Die Lage sei aber nicht außergewöhnlich oder dramatisch.

Grund für die vielen Wespen ist ein warmer und relativ trockener Frühling. Das sind optimale Bedingungen für die unbeliebten Insekten. „Im Winter war es kurz sehr kalt, aber das hatte keine Auswirkungen auf die Wespenpopulation“, so Handel. Im August und September hat die Population ihren Höhepunkt erreicht. „Die Völker sind derzeit auf ihre maximale Größe angewachsen“, sagt Handel.

Aggressiv sind zwei Arten

Insgesamt sind acht Wespenarten in Deutschland heimisch. Die werden aber nicht alle vom Essen auf dem Gartentisch angezogen. Das machen nur zwei Arten. „Die Deutsche und die Gemeine Wespe stürzen sich gerne auf Süßes oder Fleisch“, sagt Handel. Sie beißen sich ein Stück des Lebensmittels heraus und füttern damit ihre Larven. Die beiden Arten seien es auch, die stechen, sobald sie sich bedroht fühlen. Andere Arten, wie zum Beispiel die Waldwespe oder die Rote Wespe seien sehr viel weniger aggressiv, aber auch nicht so häufig. Sie ernähren sich viel lieber von Insekten und Nektar. Ganz nebenbei bestäuben sie dabei Blüten und sind dank ihres großen Bedarfs an Insekten – ein Wespenvolk kann an einem Tag bis zu zwei Kilogramm Insekten fressen – nützlich für Gärtner.

Bei Fragen zum Thema Wespen, Wildbienen und Hornissen hilft das Wespentelefon des Landratsamtes Ludwigsburg. Verwaltungsmitarbeiter aus dem Fachbereich Umwelt werden dazu von Imkern und Fachkräften besonders geschult. „Die Hauptaufgabe ist es, die Anrufer zu beruhigen“, erklärt Carsten Scholz, Leiter des Fachbereichs Umwelt. Im Schnitt klingelt das Wespentelefon fünf Mal am Tag. Im Moment sind es deutlich mehr Anrufer: In den zwei bis drei Stunden, in denen das Telefon pro Tag freigeschaltet ist, führen die Mitarbeiter 15 bis 20 Telefonate. So viele wie in den vergangenen Jahren nicht.

Fragen zum Verhalten gegenüber Wespen

Die meisten Anrufer haben Fragen zum richtigen Verhalten, wenn Wespen ihren Essenstisch umschwirren. „Ich habe das Gefühl, dass die Menschen heutzutage nicht mehr richtig mit den Wespen umgehen können“, sagt Scholz. Viele bekämen beim Anblick von Wespen Panik und begännen, wild um sich zu schlagen. Dadurch werden die Insekten aber erst recht aggressiv. Am Wespentelefon wird ihnen erklärt, dass die Wespen nichts tun, wenn man sich ruhig verhält. „Uns ist es wichtig, dass den Tieren kein Leid zugefügt wird“, so Scholz. Deshalb weisen sie ihre Anrufer immer wieder darauf hin, dass Wespen und auch Hornissen Nützlinge sind, weil sie zum Beispiel Schädlinge fressen.

Sehr oft wird die Nummer des Wespentelefons bei Fragen zur Beseitigung von Nestern gewählt. Dafür sind die Mitarbeiter des Landratsamtes jedoch nicht zuständig. Stattdessen sollte man sich zum Beispiel an Naturschutzexperten oder Schädlingsbekämpfer wenden. „Die Deutsche und die Gemeine Wespe können ohne Rücksprache mit uns entfernt werden“, so Scholz. Bei den anderen Wespenarten, Hornissen und Bienen sehe es aber anders aus: Diese Insekten stehen unter besonderem Schutz und können nicht ohne die Erlaubnis des Landratsamtes beseitigt werden. „Wenn das Nest nicht stört, raten wir immer dazu, es einfach hängen zu lassen“, sagt Scholz. Denn bis Ende September sind alle Bewohner ausgestorben und das Nest kann ohne Gefahr beseitigt werden. Viele Anrufer seien so zu beschwichtigen, sagt Scholz. Ein Wespennest auszuräuchern oder anderweitig zu zerstören, ist keine gute Idee. Denn laut dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, wildlebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Bei Nichtbeachtung droht ein Bußgeld – in Baden-Württemberg sind das bis zu 15 000 Euro. „Um eine Strafe zu verhängen, muss der Fall natürlich erst einmal bei uns aufschlagen“, sagt Scholz. Bei Hornissen ist die Behörde pingeliger. Denn diese Tiere sind besonders geschützt.

Hornissen fliegen nicht auf das Essen

Auch die Hornissen zählen zu den Wespen – und erleben in diesem Jahr gute Bedingungen. Am Sonntagabend sind acht Rentner auf einem Wanderweg an der Elbe mehrmals von Hornissen gestochen worden. Das teilte die Polizei am Montag mit. Der Zugang zu einem Hornissennest in der Nähe wurde laut Polizei bereits Tage zuvor gesperrt. Wie es zu dem Angriff kam, ist derzeit noch unklar. Hornissen sind eigentlich friedliebende Insekten und interessieren sich nicht für das Essen der Menschen wie ihre kleineren Artgenossen. Einen Stich riskiert, wer einem Nest zu nahe kommt oder ihre Flugbahn blockiert.

Im August ist der Höhepunkt der Wespenbevölkerung erreicht. „In der nächsten Zeit werden es immer weniger Wespen“, sagt Frank Handel. Die Königin stellt ihre Produktion von Nachkommen ein. In den ersten kalten Nächten sterben alle Wespen. Nur die junge Königin überlebt. Die sucht sich einen frostsicheren Ort zum Überwintern und sorgt im nächsten Sommer für ungebetene Gäste am Gartentisch.

Info: Montags bis mittwochs von 13.30 bis 15.30 Uhr, donnerstags von 14 bis 17 Uhr und freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr ist das Wespentelefon unter (0 71 41) 1 44 22 55, zu erreichen.

Carolin Schneider
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Mein Ort
Wählen Sie Ihren Ort
GerlingenDitzingenKorntal-MünchingenHemmingenSchwieberdingenEberdingenVaihingen an der EnzMöglingenLudwigsburgAspergKornwestheimRemseck am NeckarMarkgröningenOberriexingenSersheimTammFreiberg am NeckarBenningenMarbach am NeckarErdmannhausenAffalterbachSteinheim an der MurrMurrPleidelsheimIngersheimBietigheim-BissingenSachsenheimFreudentalLöchgauBesigheimHessigheimMundelsheimGroßbottwarOberstenfeldPrevorstGemmrigheimWalheimErligheimBönnigheimKirchheim am NeckarOttmarsheim
Nachrichten und mehr aus Ihrer Region!
Kinoprogramm
Schnellsuche

Wählen Sie eine oder mehrere der folgenden Suchoptionen aus:

Anzeige