Umweltschutz
Strohgäu/Stuttgart | 25. Oktober 2017

Ungünstige Neuregelung für Tickets

Um den Umstieg auf Busse und Bahnen zu fördern, gibt es in der aktuellen Feinstaub-Saison vergünstigte Tickets. Doch ganz kostenlos, wie im vergangenen Winterhalbjahr, können einige Menschen dieses Mal bislang nicht fahren.

Anzeigetafeln rufen zum Umstieg auf – doch wegen einer Neuregelung tun das diesmal wohl weniger Bosch- und Porsche-Mitarbeiter.Foto: dpa
Anzeigetafeln rufen zum Umstieg auf – doch wegen einer Neuregelung tun das diesmal wohl weniger Bosch- und Porsche-Mitarbeiter.Foto: dpa

Wenn vom heutigen Mittwoch an der zweite Feinstaub-Alarm in dieser Saison gilt, hoffen die Verantwortlichen darauf, dass möglichst viele Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Doch für eine große Gruppe ist zumindest bislang ein Anreiz aus der vergangenen Alarmperiode ausgeblieben: für Mitarbeiter von Porsche und Bosch. Die durften im Winterhalbjahr 2016/17 mit ihrem Firmenausweis kostenlos zwischen Wohn- und Arbeitsort fahren, wenn Feinstaubalarm ausgerufen worden war. Doch weil es in diesem Jahr ein für alle Bürger günstigeres Ticket nicht nur an den Tagen mit erhöhten Feinstaubwerten, sondern durchgängig im Zeitraum von Mitte Oktober bis 15. April gibt, ist auch das Angebot für die Mitarbeiter zunächst gestrichen worden.

Allerdings: „Wir sind noch in Gesprächen“, sagt ein Sprecher von Bosch, der auf Nachfragen immer wieder vertröstet. Michael Kattau bezeichnet es als „sehr schade“, dass es vonseiten des Verkehrsverbundes (VVS) bislang eine Absage gegeben habe. „Wir hätten unseren Mitarbeitern gerne wieder das Angebot gemacht“, sagt er. Zumindest denen, die in Stuttgart arbeiten oder Termine haben. Denn schon in der Vergangenheit galten die Ausweise nur dorthin – dabei hat Bosch seinen Hauptsitz in Gerlingen, weiterer großer Standort ist Schwieberdingen.

Flexiblere Zeiten an Alarmtagen

Für alle Beschäftigten in der Region aber gelten während des Feinstaubalarms besondere Regelungen. Wenn es der Arbeitsplatz und die Aufgaben erlauben, können sie komplett von zu Hause aus arbeiten oder aber die Arbeitszeiten flexibel gestalten. „Damit können sie dem Berufsverkehr ausweichen und so die Bahnen und Busse entlasten, die bei Feinstaubalarm voller sind als sonst“, so die Beobachtung von Kattau. Auch zu anderen Zeiten versuche man, Mitarbeiter zum Umsteigen zu bewegen, wichtigstes Mittel sei das Firmenticket, das allein 3000 der rund 12 500 Beschäftigten in Feuerbach nutzten.

„Wo immer es geht, versuchen wir etwas zu finden, damit die Mitarbeiter umsteigen“, heißt es auch bei Porsche. Die Firmenausweise als Fahrscheinersatz seien in der vergangenen Saison in seinem Kollegenkreis „fleißig genutzt“ worden, so ein Pressesprecher. Zudem gebe es gerade zu den etwas außerhalb gelegenen Standorten, allen voran Weissach, Shuttlebusse von den nächstgelegenen S-Bahnhöfen aus. Und das ganze Jahr über könne der Firmenausweis zwischen den Standorten in Zuffenhausen und Weilimdorf als Fahrscheinersatz genutzt werden.

Dauerhaft für alle zuschießen wollen die beiden Unternehmen aber offenbar nicht. Und auch beim VVS sind offenbar die Kosten der Grund, weshalb es nun nicht mehr das Angebot gibt. Denn angesichts von am Ende 85 Tagen mit Feinstaubalarmen hatte man sich wohl ein wenig verkalkuliert. Umgerechnet konnten die Menschen an etwa jedem zweiten Tag mit dem Kinderticket günstiger fahren.

Auf elf Millionen Euro wurden die Einbußen durch geringere Ticketeinnahmen beziffert. Gerade im Dezember und Januar, als fast durchgängig Alarm geherrscht habe, sei es günstiger gewesen, mit Kindertickets zu fahren statt ein Monatsticket zu kaufen, hatte VVS-Chef Horst Stammler gesagt, als er im Juni die Ticketpläne für die aktuelle Feinstaubsaison vorstellte. Und es war damit auch vermutlich zu wenig Geld, das von den großen Unternehmen als Pauschale an den VVS überwiesen wurde – denn genaue Zahlen, wie viele Mitarbeiter von Bosch und Porsche nun allein ihren Ausweis als Fahrschein genutzt haben, gibt es nicht. Zumindest bei Porsche aber überlegt man, dies vielleicht in einer internen Umfrage zu erheben, heißt es.

Julia Schweizer
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