bezirkssynode
DITZINGEN | 13. November 2017

Vier Pfarrstellen werden gestrichen

In einer Kampfabstimmung hat die Bezirkssynode der Streichung von vier Pfarrstellen im evangelischen Kirchenbezirk Ditzingen mehrheitlich zugestimmt.

Der evangelische Kirchenbezirk Ditzingen wird vier Pfarrstellen verlieren. Viele Synodale auf Bezirksebene wollten bei ihrer Versammlung am Freitagabend diese Vorgabe der Landeskirche nicht ohne weiteres akzeptieren. Foto: Benjamin Stollenberg
Der evangelische Kirchenbezirk Ditzingen wird vier Pfarrstellen verlieren. Viele Synodale auf Bezirksebene wollten bei ihrer Versammlung am Freitagabend diese Vorgabe der Landeskirche nicht ohne weiteres akzeptieren. Foto: Benjamin Stollenberg

Für mächtig Wirbel hatte die geplante Streichung von vier der 19 Pfarrstellen im Kirchenbezirk Ditzingen schon im Vorfeld der Bezirkssynode gesorgt, die nun am Freitagabend im evangelischen Gemeindehaus Ditzingen stattgefunden hat. Offener Protest hatte sich in Korntal geregt. Und noch am Abend davor war eine Delegation um Dekan Friedrich Zimmermann beim Oberkirchenrat zwecks Reduzierung der Kürzung vorstellig geworden: vergeblich. Zwar war laut Zimmermann bei der Gelegenheit „eine bewegliche Pfarrstelle in Aussicht gestellt“ worden, „an der Zielvorgabe ließ sich aber nicht rütteln“. Demnach verlieren Ditzingen, Schöckingen, Gerlingen und Kallenberg eine ganze Stelle, Hemmingen und Schwieberdingen jeweils eine halbe. Die Landessynode hatte den „Stellenstrukturplan“, von dem der Bezirk Ditzingen mit über 20 Prozent Stellenverlust so stark betroffen ist wie kein anderer Flächenbezirk, bereits abgesegnet.

So glatt ging die Sache auf Bezirksebene dann aber nicht durch. Dafür sorgte der Distrikt 3 mit Korntal, Münchingen und Kallenberg mit diesem Antrag: „Die Synode möge solidarisch beschließen, die Kürzungsvorgabe von vier Stellen als untragbar zurückzuweisen.“ Als einziger der vier Distrikte hatten sie auch noch keinen Umsetzungsplan vorgelegt, was zum Vorwurf der „Verweigerungshaltung“ führte. Dagegen verwahrte sich Pfarrer Ulrich Wiedenroth. Unangemessen sei auch, dass den Korntalern im Vorfeld gesagt worden sei, „dass wir demokratisch untergehen und demokratisch hingerichtet werden“. Stattdessen wolle er „in die sachliche Spur unserer Einsicht zurückführen“. Dazu erläuterte er den zweiten Antrag, der in der Folge über drei Stunden hin- und her gewendet wurde: Die dem Dekan zugeordnete ganze Stelle für Vertretungen solle halbiert und die frei werdende halbe Stelle in eine bewegliche umgewandelt werden, die Härten abmildern könne: „Damit wäre der Friede in der Synode und im Distrikt wieder hergestellt“, fand Wiedenroth.

Dann aber wurde vor allem deutlich, wie heftig der Plan in den Gemeinden einschlägt: Von „harten Einschnitten“ und „drastischen Maßnahmen“ sprachen selbst Delegierte, die bereit waren, dem Plan zuzustimmen. Andere meinten, so werde „die Notsituation zur Regel gemacht“, das sei nicht tragbar, Kirche schaffe sich ab. Gar von Unsinn und Schwachsinn war die Rede. Offen sprang den Delegierten aus Korntal und Münchingen Matthias Sigmund aus Gerlingen bei. Er halte die Richtung für „grundfalsch“. Man rede hier wie in „Zweckverbänden“, in der Art der „geräuschlosen Abwicklung von kleinen Gemeinden“.

Verständnis zeigte die Landessynodale Angelika Klingel. „Sie haben gezeigt, dass Ihnen Ihre Gemeinden so wichtig sind, dass sie die Vorgabe nicht kampflos hinnehmen wollen.“ Gleichzeitig mahnte sie „ein Stück Realitätssinn“ an: „Wenn wir das aufschieben, kracht es 2030 erst richtig rein. Lassen Sie uns gemeinsam ringen, wir sitzen im selben Boot!“

Längst aber ging es nicht mehr allein um die Stellenstreichung und Verteilung der Reststellen, sondern darum, wie man sich als Synode dazu zu stellen hätte. „Es brodelt auch im landeskirchlichen Umfeld“, befand Bettina Rath aus Korntal. Pfarrer Martin Hirschmüller wunderte sich, das bei fast 100 Delegierten auf Landesebene „nur drei dagegen gestimmt haben“. So könne man „mit Gemeinden nicht umgehen“. Zur Versammlung sagte der Korntaler: „Sie werden sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, dem zugestimmt zu haben“ und schloss: „Auch eine Synode kann irren!“

Im Grunde wehrten sich die Korntaler über die Streichung von anderthalb Stellen hinaus auch gegen die offen geäußerte und mit Druckszenarien versehene Erwartung, sich einem Diktat zu unterwerfen. So wehte ein Hauch von Wittenberg und Luther-Jahr in den Saal, als Bettina Rath kundtat: „Es wäre ein großer Mut, hier aufzustehen.“

Das Ergebnis der Abstimmung sah dann wie folgt aus: Für die „solidarische Ablehnung der Kürzungsvorgaben“ gab es 14 Ja- und 37 Nein-Stimmen. Abgelehnt wurde nach vier Stunden kontroverser Debatten auch der Vorschlag zur Halbierung der Aushilfsstelle. Damit war der Kürzungsplan von der Bezirkssynode mehrheitlich angenommen.

VON Georg Linsenmann
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