eglosheim
Ludwigsburg | 27. Februar 2017

Von Lärmschutz weiter keine Spur

Eigens eingesetzte AG Lärm und Mobilität stellt die Sinnfrage – „Fest zugesagte Maßnahmen wurden nie verwirklicht“

Eglosheim wird von der Bundesstraße 27 zerschnitten und wartet seit Jahrzehnten auf eine Entlastung.Foto: Benjamin Stollenberg
Eglosheim wird von der Bundesstraße 27 zerschnitten und wartet seit Jahrzehnten auf eine Entlastung.Foto: Benjamin Stollenberg

Sabine Laartz übt sich in Höflichkeit: „Es ist für die Mitglieder der AG und den Stadtteilausschuss unter diesen Umständen schwierig, die Motivation beizubehalten.“ Die Eglosheimerin, die im Stadtteilausschuss sitzt, ist seit der Gründung im Mai 2016 Mitglied der sogenannten AG LuME (Lärm und Mobilität Eglosheim), die mehrere Maßnahmen erarbeitet hat, die insbesondere auf der B 27 eine Entlastung von Verkehr, Feinstaub und Lärm bringen sollen. Verzögerungen und neue Unsicherheiten in der Zusammenarbeit mit der Stadt sorgen jetzt für Frust.

Konzentriert hat sich das Gremium vor allem auf drei Punkte, die kurzfristig Entlastung bringen können: ein lärmoptimierter Asphalt (LOA), Tempo 30 in der Nacht und grüne Lärmschutzwände. „Für uns sind das Maßnahmen, die eher in der Realität angesiedelt sind als eine Stadtbahn in ferner Zukunft“, betont Beate Mitschele von AG LuME und Stadtteilausschuss. Bisher jedoch „wurden fest zugesagte Maßnahmen nie verwirklicht“.

So hatte die AG LuME zugestimmt, als es darum ging, statt der Eglosheimer B 27 zunächst die Schwieberdinger Straße im Zuge einer Sanierung mit LOA zu belegen. Im Ausgleich dafür, dass Eglosheim damit erst 2018 an der Reihe ist, habe die Stadt zugesagt, schnell Tempo 30 in der Nacht einzuführen. „Uns wurde gesagt und suggeriert, dass das unproblematisch sein sollte“, so die Mitglieder der AG. Als Termin sei das erste Quartal 2017 genannt worden. „Getan hat sich bisher gar nichts.“

Denn so unproblematisch ist die Maßnahme offenbar doch nicht, wie Baubürgermeister Michael Ilk, der für die Stadt an mehreren AG-Sitzungen teilgenommen hat, auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. Das Regierungspräsidium Stuttgart als Genehmigungsbehörde verlange nicht nur die Unterscheidung von Pkw und Lkw ab 2,8 Tonnen, sondern auch die Lärmbelastung pro Haus und Geschoss. Eine rechnerische Komponente, die nicht neu vermessen werden muss, aber zeitaufwendig ist. Derzeit beschäftige sich damit der Lärmgutachter, so Ilk, er rechnet aber nicht damit, dass das Regierungspräsidium die Zahlen vor Mitte April erhält. Ob und wann eine Genehmigung für Tempo 30 eintreffe, sei unklar.

Während die Temporeduzierung im Gemeinderat umstritten ist, gibt es einen breiten Konsens für den LOA auf der B 27, samt Beschluss im Juli 2015 (siehe rechts). Der LOA wird laut Ilk für 2018 erneut diskutiert, spätestens im Laufe der Haushaltsberatungen. Irritiert zeigt sich die AG Lume allerdings über die schriftliche Auskunft der Stadt auf Nachfrage, dass der Einbau von LOA vom Fachbereich Tiefbau und Grünflächen aus „rein fachlicher Sicht weiterhin kritisch gesehen“ werde, weil marode Straßen wie Bismarck- oder Wernerstraße dringend saniert werden müssten.

Zudem, ergänzt Ilk, müsse der LOA nach sechs oder acht Jahren erneuert werden, weil die Wirksamkeit nachlasse. Unbenommen, dass dies auch für die teils LOA-sanierte Friedrichstraße wie auch die Schwieberdinger Straße gilt. „Da gibt es neue Erkenntnisse.“ Für die AG, die bereits für die Schwieberdinger Straße zurückstehen musste, sind das alarmierende Formulierungen. Da steht bei Sabine Laartz dann doch Klartext vor Höflichkeit: „Wenn sich nichts tut, ist die AG sinnlos. Wir sind kein Feigenblatt für die Stadt.“

Hintergrund ist, dass Oberbürgermeister Werner Spec die AG im Oktober 2015 bei einer Versammlung gegen die umstrittene Südwestumfahrung zugesagt hatte – diese war wegen massiven Widerstands aus Eglosheim, Weststadt und Asperg gescheitert. Die AG aus Eglosheimern und Stadt sollte Maßnahmen gegen Lärm und Verkehr erarbeiten – in einer Art Kompensation für den von den Eglosheimern favorisierten Tunnel, den Spec am selben Abend für obsolet erklärt hatte.

Wie berichtet, verzichtete die Stadt trotz Gemeinderatsbeschlusses vom Juni 2016 wegen der Kosten von 100 000 Euro auf eine aktualisierte Untersuchung des Tunnels. Einziger sichtbarer Fortschritt damals: die AG LuME. Sichtbar werden sollten bald auch die grünen Mooswände, die das Unternehmen Züblin gemeinsam mit dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik entwickelt und als Pilotprojekt in Ludwigsburg an der B 27 installieren will. Die Förderanträge für die Mooswände, die Feinstaub wie Lärm schlucken sollen, sind aber noch nicht genehmigt. Hier ist seitens Züblin von bis zu sechs weiteren Wochen Wartezeit die Rede.

Für Jürgen Schreiner, ebenfalls in AG und Stadtteilausschuss zu Hause, ist es dabei fast lächerlich, dass die alte Lärmschutzwand am Friedhof für 250 000 Euro ohne große Diskussion saniert wird. „Woanders bräuchten wir es dringender.“ Die 50 bis 60 Meter lange grüne Probewand zu stellen, wäre ein sichtbares Zeichen, dass sich nach 35 Jahren Stillstand doch etwas tue. Ulrich Bauer, Mitglied in AG und Stadtteilausschuss, formuliert es so: „Diese drei Maßnahmen waren der Lackmus-Test, ob die AG und die Zusammenarbeit mit der Stadt überhaupt funktioniert. Davon gehen wir gerade nicht aus.“

Dass eine weitere Maßnahme, ein neuer Radweg auf der Markgröninger Straße, laut Ilk gute Chancen hat, noch dieses Jahr verwirklicht zu werden, ist für die AG LuME ein schwacher Trost. Auch er war für das erste Quartal zugesagt. Ilk sieht die AG trotzdem als ein gutes Instrument der Zusammenarbeit, Laartz sieht das anders: „Wir verlieren langsam die Geduld.“

von janna werner
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