Onlinebetrug
Ludwigsburg | 15. August 2018

Wenn das Angebot zu gut klingt

Wer in Ludwigsburg einen Studienplatz oder eine Arbeit gefunden hat, für den beginnt die mühsame Suche nach bezahlbarem Wohnraum. Nach langem Durchforsten der Onlineportale erscheint so manche Anzeige wie ein Lichtblick – günstig, voll eingerichtet und sofort verfügbar. Klingt gut? Vielleicht zu gut. Denn in den Onlineportalen tummeln sich auch Betrüger.

Wenn die Anzeige zu gut aussieht, um wahr zu sein, ist sie es wahrscheinlich auch nicht. Foto: weerapat1003/stock.adobe.com
Wenn die Anzeige zu gut aussieht, um wahr zu sein, ist sie es wahrscheinlich auch nicht. Foto: weerapat1003/stock.adobe.com

Die Anzeigen wirken ganz normal, berichtet Ann-Kathrin Dahms. Sie ist für eine neue Arbeitsstelle nach Ludwigsburg gezogen. Schon seit Mai dieses Jahres ist sie auf Wohnungssuche. Immer wieder durchforstet sie die Mietanzeigen in den großen Onlineportalen für Immobilien. Beinahe hätte die Falle von Betrügern bei ihr zugeschnappt, doch als sie Kaution und Miete bis zum nächsten Tag überweisen sollte, wurde sie skeptisch. Um andere zu warnen, hat sie Bildschirmfotos der Anzeigen ins Internet gestellt.

Die Geschichte, die die angeblichen Vermieter erzählen, ist dabei immer eine ähnliche. Sie haben ein Haus, eine Wohnung geerbt oder vermieten die Wohnung eines Verwandten. Sie selbst befinden sich jedoch im Ausland und könnten daher nicht persönlich erscheinen. England, aber auch Italien sind beliebt. Den Schlüssel würden die Interessenten per Post zugesandt bekommen, jedoch erst, nachdem die Kaution und die erste Monatsmiete überwiesen wurden.

Um Vertrauen zu erwecken, wird zudem angeboten, man könne sich die Wohnung einige Tage anschauen, und dann entscheiden. Bei Nichtgefallen, so wird versprochen, würde das Geld zurücküberwiesen. „Ich bekomme immer dieselben Geschichten aufgetischt“, sagt Dahms. Mehr als zehn Anzeigen seien ihr inzwischen aufgefallen, danach habe sie aufgehört zu zählen.

„Oft sind es die gleichen Texte.“ Nur der Name und die Adresse werden geändert. Wenn man sich auf eine Anzeige meldet, berichtet Dahms, sind sie nach einer Stunde wieder aus den Onlineportalen verschwunden. Manchmal bekomme man dann auch eine Nachricht von den Portalen selbst, die vor Betrugsversuchen warnen und dazu raten, den Kontakt sofort abzubrechen, wenn ein Anbieter Geld für die Schlüsselübergabe oder ein Vorrecht fordert.

Die erste falsche Anzeige, die sie entdeckte, war unter dem Namen Peter Holsand inseriert, der eine Wohnung in der Justinus-Kerner-Straße in Ludwigsburg anbot. Das Angebot klang gut. All die Punkte, mit denen Dahms sonst bei der Wohnungssuche aneckt, waren kein Problem. Sie ist Musikerin, hat Haustiere. Erst als sie die Aufforderung bekommen hatte, das Geld bis zum nächsten Morgen zu überweisen, kam ihr das komisch vor. „Als ich die Mail bekommen habe, war ich skeptisch.“ So nett die Kommunikation auch gewesen sei. „Ich dachte, da zieht mich jemand über den Tisch.“ Dennoch war sie bereit, das Geld zu überweisen. Eine bezahlbare Wohnung in Ludwigsburg zu finden, ist schwer. Laut dem Mietatlas von immobilienscout24.de sind die Mietpreise für Wohnungen seit 2014 um 24,7 Prozent gestiegen. Wer dennoch eine günstige Mietwohnung entdeckt, hofft natürlich, dass das Angebot real ist.

Als Dahms sich in der Sparkasse in ihrem Heimatort in Nordrhein-Westfalen über die Möglichkeiten einer so kurzfristigen Überweisung informierte, wurde eine Mitarbeiterin stutzig. Sie überprüfte die angegebene Kontonummer und stellte fest, dass diese zu einem privaten Konto in Griechenland gehört und nicht wie angegeben zu einem Unternehmen in den USA. Die Sparkassenmitarbeiterin begleitete Dahms daraufhin zur örtlichen Polizeistation. Die Polizei habe ihr mitgeteilt, man könne nichts machen, solange sie nicht gezahlt habe, berichtet Ann-Kathrin Dahms. Dennoch hätte sie Glück gehabt, sagt sie über die Antwort der Beamten, denn wäre das Geld überwiesen gewesen, hätte die Polizei zwar ermitteln können, doch das Geld wäre weg. „Ich bin Kauffrau im Einzelhandel“, sagt die 29-Jährige. „Ich weiß, wenn das Geld einmal im Ausland ist, bekommt man es nicht wieder.“

Auch beim Polizeipräsidium Ludwigsburg kennt man mehrere solcher Betrugsfälle in der Stadt und im Kreisgebiet. Wenn man einmal überwiesen hat, ist es schwierig, sein Geld zurückzubekommen. „Wenn die Kontonummer zu einer Bank im Ausland führt, muss um Rechtshilfe ersucht werden“, erklärt Tatjana Wimmer, Sprecherin der Polizei Ludwigsburg. Das sei aber meist nicht zielführend, da die Kontoinhaber oft nicht direkt in den Betrug verwickelt seien. Diese würden das Geld sofort abheben und den Betrügern übergeben.

von Andreas Schmaltz
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