verkehr
Ludwigsburg | 17. April 2018

Widerstand aus der Südstadt wächst

Verkehr, Parkdruck, Lärm, Feinstaub: Mit dem Ausbau von Wüstenrot auf Kornwestheimer Areal geht die Südstadt in direkter Nachbarschaft in Abwehrhaltung. Die Gründung eines Bürgervereins ist geplant, auch die Lokalpolitik hat die Südstadt als Thema entdeckt.

Die Richard-Wagner-Straße wird laut Verkehrsgutachten auch in Zukunft von „Zielverkehren wie bereits heute“ genutzt, um weiter im Süden Wüstenrot zu erreichen. Dasselbe gelte für die Elmar-Doch-Straße von der B 27 aus in Richtung Hohenzollernstraße.Archivfoto: Ramona Theiss
Die Richard-Wagner-Straße wird laut Verkehrsgutachten auch in Zukunft von „Zielverkehren wie bereits heute“ genutzt, um weiter im Süden Wüstenrot zu erreichen. Dasselbe gelte für die Elmar-Doch-Straße von der B 27 aus in Richtung Hohenzollernstraße.Archivfoto: Ramona Theiss

„Wir wehren uns gegen die morgendlichen und abendlichen Staus, die durch die einseitige Verkehrsführung schon vorhanden sind und verstärkt werden.“ Als ehemaliger Baubürgermeister nutzt Albrecht Bogner sein Wissen, um erneut gegen einen Bebauungsplan der Stadt Kornwestheim Einspruch zu erheben. Wie berichtet, baut das Unternehmen Wüstenrot&Württembergische auf einer Sieben-Hektar-Fläche auf Kornwestheimer Gemarkung eine Zentrale und erweitert dort bis 2023 von 3200 auf 4700 Mitarbeiter.

Einspruch gegen den neuen

Kreisel als Zufahrt zum Campus

Waren es zuvor die Neubauten zwischen Ludwigsburger Straße und Zubringer zur B 27, geht es diesmal um den neuen Kreisel an der Zufahrt zum Autokino. Bogner als Anwohner hat, wie er sagt mittlerweile mit zehn weiteren Südstädtern, gegen das Vorhaben Einspruch erhoben. Er will zudem erneut eine Zufahrt zum Campus von der Ludwigsburger Straße aus. Der zusätzliche Verkehr, so Bogner, würde einseitig zulasten Ludwigsburgs gehen.

Die Anwohner befürchten mehr Verkehr in dem derzeit schon durch Parkdruck und Staus geplagten Viertel. Ein Verkehrsgutachten der Stadt Kornwestheim beginnt lediglich an der Kreuzung Hohenzollern-/Erich-Schmid-Straße. Ab dort in Richtung Wüstenrot beträgt die Verkehrszunahme an jeder Kreuzung mit der Hohenzollernstraße bis zu 43 Prozent in den Zeiten von 6 bis 10 Uhr sowie bis zu 23 Prozent nachmittags von 15 bis 19 Uhr.

Ludwigsburg hatte in einer ersten Stellungnahme angemahnt, auch den Knoten Friedrich-/Hohenzollernstraße einzubeziehen, eine Engstelle im Berufsverkehr. Hier nimmt Kornwestheim per Gutachten Stellung: Dieser spiele nur eine „untergeordnete Rolle“, heißt es, weil er wegen der langen Wartezeiten nur selten genutzt werde. „Zielverkehre aus Richtung Norden werden wie bereits heute über die B 27 fahren und entweder über die Richard-Wagner- oder Elmar-Doch-Straße in Richtung der Hohenzollernstraße fahren.“

Diese Verkehrsbelastung steht in einem gewissen Gegensatz zu den Äußerungen in der jüngsten Sitzung des Ludwigsburger Bauausschusses. Für die Südstadt ist laut Vorlage „die qualitätsvolle Entwicklung der vorhandenen Bebauung, verbunden mit einer Aufwertung des gesamten Wohnumfelds“ geplant. Bei einer Bürgerversammlung im Dezember 2017, nach dem Aufruhr um die Bebauung des ehemaligen US-Areals an Stuttgarter-/Elmar-Doch-Straße mit Holzhäusern, hatte Spec einen neuen Stadtentwicklungsplan mit Stadtteilbeauftragten zugesagt.

Die Stelle mit 40 Prozent wird laut Baubürgermeister Michael Ilk nun mit einem Mitarbeiter besetzt. Themen sind laut Ilk ein Parkraumkonzept, die Unterbringung von Flüchtlingen und „vernünftige und sinnvolle Lösungen“ für den Verkehr.

Den Parkdruck im Quartier kennt auch Wüstenrot. Für künftig 4700 Mitarbeiter sollen 2850 Stellplätze zur Verfügung stehen. Die Anwohner klagen über Parkplatzsuchverkehr. Kürzlich beschädigte ein Wüstenrot-Mitarbeiter ein geparktes Auto, beging Fahrerflucht, wurde aber von Nachbarn beobachtet und von der Polizei belangt. Die Rede ist außerdem von Überschreitungen von Tempo 30, Hupen, Streitigkeiten und Staus. „Die mitunter durchaus angespannte Parkplatzsituation vor Ort ist uns sehr wohl bewusst“, so eine Pressesprecherin von Wüstenrot auf Anfrage unserer Zeitung. Diese Probleme „allein den W&W-Mitarbeitern zuzuschreiben, wird der Situation nicht gerecht, da auch andere Einrichtungen dazu beitragen“, schränkt sie ein. Größtes Unternehmen in der Nachbarschaft ist Wüstenrot. Die Carl-Schaefer-Schule zieht Schüler mit Auto an. Wüstenrot will den Anteil am ÖPNV mit neuem Radweg und Busverbindung zum Campus erhöhen. Ein Shuttle vom Parkplatz Autokino zu den Wüstenrot-Gebäuden werde zudem von 800 Mitarbeitern täglich genutzt.

Neuer Bürgerverein für die

Themen im Südstadtquartier

Jetzt will sich die Südstadt organisieren: Noch diese Woche findet ein erstes Treffen statt, um eine Veranstaltung zur Gründung eines neuen Südstadtvereins zu organisieren. Dazu sollen laut Bogner alle Südstädter eingeladen werden. Und auch die Gemeinderatsfraktionen. So hat die FDP Anfang März beantragt, Maßnahmen gegen die Zunahme des Verkehrs zu ergreifen, die CDU legte jetzt nach: Sie würde gerne die Eisenbahnstraße westlich der Bahnlinie verlängern und durch den Domertaltunnel auf Kornwestheimer Gemarkung zum neuen Kreisel führen, um die Hohenzollernstraße vom Verkehr zu entlasten. Die Eisenbahnstraße wird via Eisenbahnbrücke und Hohenzollernstraße jetzt schon von Mitarbeitern genutzt. „Das wäre eine attraktive Lösung“, so Ilk. Dies setzt jedoch die Bereitschaft Kornwestheims voraus, den Tunnel aufzuweiten.

Man sei „in ständigen Gesprächen mit Kornwestheim“, betont Michael Ilk. Über die laut Kornwestheim avisierte Aufweitung des Knotens Hohenzollernstraße/Salonallee werde Ludwigsburg diskutieren, so Ilk. „Wir werden nicht akzeptieren, dass der Verkehr so zunimmt.“

von janna werner
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