Neckarschwimmen
Ludwigsburg | 17. Juli 2017

Wie ein harter Halbmarathon im kalten Wasser

Frühstart bei den Neckarschwimmern. Schon um 8.30 Uhr knallte dieses Jahr der Startschuss. 82 Teilnehmer stürzten sich in die Fluten des Schwaben-Mississippi. Das war ein neuer Teilnehmerrekord.

Vor zehn Jahren feierte der Schwimmverein 08 Ludwigsburg seinen 100. Geburtstag. Wie früher gingen die Sportler 2008 erstmals wieder im Neckar baden. 35 waren es bei diesem ersten Wettbewerb der Neuzeit. Aus einem Gag heraus haben sie eine Marktlücke getroffen, die immer mehr Naturschwimmfreunde aus ganz Süddeutschland anlockt. Zum diesjährigen Jubiläum wurde neben den 1,5 und 3,8 Kilometer langen Strecken erstmals auch die Distanz über zehn Kilometer angeboten. Am Badesteg des Vereins geht es erst hoch in Richtung Schleuse. Die Erfahrenen wissen, dass es besser ist, sich links von der Fischtreppe mit der starken Strömung zu halten. Nach der Wende an der Boje steigen nur einige an der Vereinsgaststätte wieder aus dem Wasser. Die durchtrainierte Mehrheit schwimmt durch. Runter bis zur Brücke und zurück.

Bei der Veranstaltung ist das Wetter zivil. Es ist zwar früh und es ist kalt. 16 Grad Außentemperatur zeigt das Thermometer. Da ist der Neckar mit seinen 21 Grad fast schon eine Badewanne. Trotzdem kriecht die feuchte Kälte mit der Zeit dann doch in den Körper – also im Ziel sofort ab unter die warme Dusche am Bootshaus, auch um mögliche Parasiten oder Bakterien loszuwerden. Früher erlebten die Neckarschwimmer schon empfindliche Kälte, strömenden Regen, Wind und schlagende Wellen sowie Strömung und Treibgut nach Unwetter. Nur von Hagel blieben sie bislang verschont und von Schneetreiben.

Zwölf Mutige und die zehn Kilometer

SVL-Präsident Volker Heyn war gespannt, wie viele sich für den „Halbmarathon des Schwimmsports“ überhaupt melden würden. Schließlich wagte sich bei den Württembergischen Meisterschaften vor zwei Wochen niemand an diese harte zehn Kilometer-Langstrecke. Er war positiv verblüfft: Zwölf Schwimmer trauten sich das zu.

Es brodelt beim Start aus dem Wasser heraus. Mit ihren roten, weißen und pinken Badekappen, je nach gewählter Entfernung, wirken die Teilnehmer wie extrem flinke Quietscheentchen, die zeitgleich loslegen. Die Semiprofessionellen kraulen sich sofort an die Spitze, andere lassen es gemütlich angehen.

Es gibt die Genießer und solche, die auf der Jagd nach der eigenen persönlichen Bestzeit sind. Die ersten sind nach 20 Minuten wieder angelandet, die letzten müssen nach vier Stunden aus dem Wasser geholt werden. Solange war der Neckar extra wegen der Veranstaltung für die Schifffahrt gesperrt. Eskortiert werden die Schwimmer stets von vier Booten des DLRG, der Wasserschutzpolizei und von den Kanuten des SVL, damit auch niemand verloren geht. Schlimmster Feind für den Schwimmer ist der Wind und nicht die Strömung. Der sorgt für Widerstand und Wellen, an denen sich die Sportler leicht verschlucken können. Die kommen dann mit ihren Zügen leicht aus dem Tritt, erklären die Profis. Von grasig im Abgang bis nachhaltig brackig geben die Neckarsommeliers ihre Bouquetbewertungen ab. Das ist ihnen aber allemal lieber als Chlorplörre. Sie schätzen, dass die „Bahn Neun“, Spitzname des Neckars am Freibad, ohne Begrenzung und permanente Wenden auskommt. „Aber bitte nicht im Alleingang und untrainiert“, warnt Veranstalter Martin Tschepe. Das könne sonst sehr schnell tödlich enden.

SVL will die Distanz wieder anbieten

Extremschwimmer Tschepe selbst ist enttäuscht. Wegen eines Sturzes mit dem Rad verbunden mit schmerzhaften Verletzungen konnte er selbst die zehn Kilometer nicht angehen. Dabei gehörte er zu den Miterfindern des Naturschwimmens vor zehn Jahren. „Schade drum, aber die nächsten Projekte warten.“ Zusammen mit Heyn hat er schon den Neckar von der Quelle bis zur Mündung durchschwommen und die zehn größten Seen Deutschlands. Als Nächstes hat er sich die Umrundung einiger nordfriesischer Inseln vorgenommen. 2018 wird er wieder Gelegenheit haben. Der SVL ist wild entschlossen, die zehn Kilometer wieder anzubieten.

Thomas Faulhaber
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