Forum Diakonie
Ingersheim | 13. Oktober 2017

Wohnungen dringend gesucht

Immer mehr Menschen im Landkreis Ludwigsburg finden keinen bezahlbaren Wohnraum. Besonders hart trifft das Menschen mit psychischen, gesundheitlichen oder finanziellen Problemen. Der Versuch des Forums Diakonie, selbst als Vermittler aufzutreten, ist gescheitert.

In Ingersheim stehen seit Jahren acht Neubauten leer. Das Forum Diakonie hat das zum Anlass genommen, um bei einem Pressegespräch vor Ort über das Thema Wohnraumnot im Landkreis Ludwigsburg zu sprechen. Foto: Holm Wolschendorf
In Ingersheim stehen seit Jahren acht Neubauten leer. Das Forum Diakonie hat das zum Anlass genommen, um bei einem Pressegespräch vor Ort über das Thema Wohnraumnot im Landkreis Ludwigsburg zu sprechen. Foto: Holm Wolschendorf

Eine große Doppelhaushälfte in bester Lage, Kinder spielen im kleinen Garten, Mütter unterhalten sich über den Zaun hinweg, auf der Terrasse trinkt eine Familie gemütlich Kaffee: eine Wunschvorstellung. Die Realität im Neubaugebiet Brühl II in Ingersheim sieht anders aus. Statt fröhlich spielender Kinder herrscht Tristesse. Acht schicke, neue Doppelhaushälften in bester Wohnlage stehen dort seit mehr als fünf Jahren leer. Die Gärten sind gepflegt, die Rollläden der Gespensterhäuser – wie sie im Volksmund heißen – sind unten. Die Besitzerin, eine ehemalige Kornwestheimer Unternehmerin, will die Neubauten weder vermieten noch verkaufen (wir berichteten). Sie soll weitere ungenutzte Immobilien in Kornwestheim, Bissingen und Lauffen haben. Das Forum Diakonie im Landkreis Ludwigsburg, ein Zusammenschluss von 30 Trägern verschiedener diakonischer Angebote und Dienste, hat diesen Missstand gestern bei einem Pressegespräch vor Ort angeprangert und auf die Wohnraumnot hingewiesen. Dem Forum Diakonie gehe es nicht darum, einen Einzelfall zu skandalisieren, sagte Dekan Reiner Zeyher. Die leerstehenden Neubauten widersprächen aber in gravierender Weise der christlichen Sozialethik, fügte Michael Harr, Pfarrer in Ingersheim, hinzu. Sie seien eine Provokation und spalteten die Gesellschaft, meinte eine Ingersheimerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ihr Vorschlag: eine friedliche Besetzung der Doppelhäuser.

Heinrich Knodel von der Wohnungslosenhilfe Ludwigsburg berichtete dagegen von vielen verzweifelten Menschen, die buchstäblich auf der Straße stehen. Ende September habe die Wohnungshilfe etwa 100 Männer und Frauen betreut, die dringend eine Wohnung suchen. Angelika Tinter, Geschäftsführerin des Psycho-Sozialen Netzwerks Ludwigsburg, meinte, dass es für Menschen mit psychischen Erkrankungen besonders schwierig sei, Wohnungen zu finden. Seit zwei Jahren suche das Netzwerk ein bezahlbares Grundstück.

Seit Anfang des Jahres versuchen einige Träger aus dem Forum Diakonie zusammen mit den evangelischen Kirchengemeinden im Landkreis, selbst Wohnungen zu vermitteln und Menschen zu animieren, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Obwohl es eine „namhafte Zahl von Rückmeldungen“ gegeben habe, sei der greifbare Erfolg ausgeblieben, so Zeyher. „Entweder gibt es den Wohnraum tatsächlich nicht oder wir haben die Mittel als Kirche nicht, um an die Wohnungen heranzukommen“, sagte Projektmitarbeiterin Ute Friesen. Das Forum Diakonie hat die Reißleine gezogen. Das Projekt mit einem Budget von 20 000 Euro für die 25-Prozent-Stelle wird nicht verlängert.

Die Kirche bleibt aber an dem Thema dran. Martin Strecker, Geschäftsführer des Forums Diakonie und des Kreisdiakonieverbands Ludwigsburg, stellte beim Pressegespräch ein zweiseitiges Forderungspapier vor. Er rief Hausbesitzer dazu auf, Leerstände zur Verfügung zu stellen und ungenutzten Wohnraum zu vermieten – ob mit kirchlich-diakonischer Hilfe oder privatwirtschaftlich. Als positives Beispiel führte er Kornwestheim an. Dort konnte die Ludwigsburger Karlshöhe für zehn Jahre befristet ein Haus für die Unterbringung wohnungsloser Menschen mieten. Kirchengemeinden forderte Strecker dazu auf, gemeindeeigene Wohnungen zu vermieten und Häuser zu bauen. „Diakonische Träger stellen sich gerne als Partner oder als Bauträger zur Verfügung“, sagte Strecker. Positives Beispiel sei die nicht mehr benötigte Pfarrwohnung in Kleiningersheim, in der jetzt eine fünfköpfige Familie wohne.

An Politik und Verwaltung gewandt, sagte Strecker, dass unter anderem mehr Landesmittel für staatlichen Wohnungsbau zur Verfügung stehen, Nachverdichtung gefördert und Leerstand sanktioniert werden müsse. Aufgrund der verschärften Situation auf dem Wohnungsmarkt und steigenden Mieten sollten auch die Mietobergrenzen im Bereich des Jobcenters im Landkreis Landkreis überprüft werden.

VOn Inge HArtmann
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