Ludwigsburg | 25. Februar 2017

Zierkürbis gefressen: Junger Jagdhund stirbt

Melonengewächse auf Acker in Besigheim entsorgt – Bitterstoffe verätzen Schleimhäute und Magen des kleinen Vierbeiners

Anton wurde gerade einmal neuneinhalb Monate alt. Er ist gestorben, nachdem er auf Besigheimer Markung Fruchtfleisch von Zierkürbissen gefressen hatte, die auf einem Acker entsorgt wurden. Sein Besitzer Wolfgang Weissinger aus Freiberg hat sich nun an unsere Zeitung gewandt, um Hundehalter und Landwirte für diese Gefahr zu sensibilisieren.

Es war an einem Samstag Ende Januar, als Weissinger mit dem keinen Anton auf Wiesen und Baumgrundstücken unterwegs war. Der Hund der Rasse „Kleiner Münsterländer“ wurde von seinem Herrchen auf die Verbandsjugendprüfung für Jagdhunde vorbereitet – ein sehr zeitintensives Vorhaben. Anton streifte durch das Gelände und verweilte eine gewisse Zeit hinter einem Gestrüpp auf einer Baumwiese, erzählt Wolfgang Weissinger. Ein Pfiff genügte, und der junge Hund kam zu seinem Führer zurück. Gemeinsam sind die beiden dann an ebendiese Stelle zurückgegangen. Dort sah Weissinger viele Zierkürbisse liegen, die meisten von ihnen zermatscht. „Normalerweise frisst ein Hund keinen Kürbis. Aber es waren Spuren von Wildschweinen zu erkennen, die sich zuvor über die Früchte hergemacht haben“, erklärt der Freiberger. Der Geruch der Wildschweine habe Anton wohl zum Fressen des Fruchtfleischs animiert. Im Gegensatz zum Mensch hat ein Hund weniger Geschmacksorgane. Das heißt: „Er merkt die Bitterstoffe nicht.“ In diesem Fall war es der Bitterstoff Cucurbitacin, den Anton durch das Kürbisfleisch aufgenommen hat.

Wie gefährlich dieser Stoff sein kann beziehungsweise wie tödlich für einen Hund, ist häufig nicht bekannt. Auch im Kreise von Weissingers Jagdkameraden sei dies nahezu nicht bekannt gewesen. Anton verhielt sich ganz normal, Hund und Herrchen gingen weiter. Später, als die beiden wieder zu Hause waren, hatte der junge Vierbeiner etwas weniger Appetit als üblich, aber für Hundebesitzer ist das in der Regel keine Situation, die Unbehagen bereitet. Doch gegen 2, 2.30 Uhr ließ der kleine Anton einen Schrei los. Weissinger ging sofort mit ihm nach draußen in den Garten, „dort hat er lange genässt“. Am nächsten Morgen hat der Hund seinen Wassernapf leer getrunken und dann gleich gespuckt. Später hat er sein Fressen nicht angerührt. Zur Mittagszeit wurde Anton sehr apathisch. Das war so gänzlich untypisch: „Er war ein unglaublich lebhafter Hund“, sagt Weissinger. Er hat Anton dann in die Tierklinik gebracht, weil der Vierbeiner nun auch kein Wasser mehr aufnahm.

Der Hund hatte mittlerweile hohes Fieber, über 40 Grad. Die Ärzte vermuteten einen Fremdkörper. Anton kam an den Tropf und blieb über Nacht in der Klinik. „Er hat leichte Besserung gezeigt“, erinnert sich Wolfgang Weissinger. Doch alles Hoffen war umsonst: Anton starb an Kreislaufversagen. „Der Bitterstoff hat seine Schleimhäute in der Speiseröhre und im Magen verätzt“, sagt Weissinger. Magen und Speiseröhre, so habe es die endoskopische Untersuchung kurz vor Antons Tod ergeben, seien violett/schwarz verfärbt gewesen.

Die auf dem Feld entsorgten Zierkürbisse seien wenige Tage später verschwunden gewesen, nachdem ein Jagdpächter den Landwirt auf den Vorfall hingewiesen habe. „Die Entsorgung von Kürbissen im Feld ist verboten“, betont Wolfgang Weissinger. Es sei eine Ordnungswidrigkeit. Erlaubt sei es nur, wenn die Kürbisse umgeackert würden.

Dorothee Kauer
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