Yoloma
Ludwigsburg | 15. September 2018

Zweite Chance für die Superbox

Yoloma sollte am Ludwigsburger Bahnhof ein Ort für alle Erledigungen werden. Morgens schmutzige Hemden und den leeren Pedelec-Akku abgeben und abends die schrankfertige Wäsche samt Akku und den Einkäufen fürs Abendessen abholen. Aus der Idee wurde nichts, doch die Box selbst hat überlebt. Ein Besuch in der Weststadt.

Von Purpur auf Schwarz lackiert und auf die Nutzer des Urban Harbours in der Weststadt angepasst: Aus Yoloma wurde die Urban Lockerbox. Die Mieter im Urban Harbour sind die Nutzer und auch Manager Andreas Naumann macht regen Gebrauch vom Schließfachsystem.Foto: Oliver Bürkle
Von Purpur auf Schwarz lackiert und auf die Nutzer des Urban Harbours in der Weststadt angepasst: Aus Yoloma wurde die Urban Lockerbox. Die Mieter im Urban Harbour sind die Nutzer und auch Manager Andreas Naumann macht regen Gebrauch vom Schließfachsystem.Foto: Oliver Bürkle

„Ständig am Pendeln? Wenig Zeit? Viel zu erledigen? Dann nutze die erste Yoloma-Box am Bahnhof Ludwigsburg, um einfach und flexibel deine alltäglichen Dinge zu erledigen!“ So lautete die Werbung im Internet auf der eigens für das Projekt erstellten Seite. Das Geld für Yoloma kam überwiegend aus Berlin, denn es war Teil des Förderprogramms „Schaufenster Elektromobilität“. Ingenieure von der Universität Stuttgart sollten herausfinden, wie Pendlern mit einer Superbox das Leben erleichtert werden könnte. Yoloma war eine Abkürzung für „your local market“ (dein Markt vor Ort), das Produkt sollte den Bahnhof attraktiver machen und Geschäftsleuten neue Absatzmärkte erschließen. 2014 waren nicht nur die Tüftler noch zuversichtlich. Auch im Rathaus war man begeistert von sich selbst als Innovationstreiber, wollte in Sachen Zukunftsmusik den Ton angeben. Die Ludwigsburger Innenstadthändler um Luis wollten ebenfalls mitspielen.

Hinter einer Bretterwand in der Bahnhofsunterführung jedoch hat die Superbox vergeblich auf ihren Einsatz gewartet. Ein Testbetrieb kam nicht zustande, es fehlte an Interessenten aus Handel und Dienstleistungssektor. „Hinter den Dauerbetrieb am Bahnhof haben wir einen Haken gemacht“, sagte Baubürgermeister Michael Ilk Anfang 2016 im Gespräch mit unserer Zeitung. Man sei auf der Suche nach einem neuen Einsatzort.

Tatsächlich ist die Maßanfertigung nicht auf dem Müll gelandet, sondern findet einige Hundert Meter weiter westlich mit neuem Anstrich Verwendung.

„Die Idee war gut, doch die Logistik dahinter unbezahlbar“, sagt Andreas Naumann, Manager des Urban Harbour in der Weststadt. „Wir haben die Box zweckentfremdet.“ Im Urban Harbour gibt es keine Zufallsnutzer, wie es ursprünglich gedacht war. Die Mieter benutzen die Box, die nun Urban Lockerbox heißt, als Schließfächer. Beispielsweise um Paketlieferungen zu empfangen oder um Schlüssel für Poolfahrzeuge zu hinterlegen. Das sei auf jeden Fall sicherer, als die Schlüssel für einen Porsche einfach in einen Briefkasten zu werfen. „Zu Beginn haben wir eine eigene App entwickelt“, so Naumann. Doch den meisten Beschäftigten sei es aus Sicherheitsgründen überhaupt nicht gestattet, Apps aufs Firmenhandy zu laden. Jetzt hat jedes Fach eine eigene Telefonnummer, über die registrierte Nutzer Fächer öffnen können. „Das kommt bei unseren Mietern sehr gut an“, bestätigt Naumann, auch, weil es auf dem weitläufigen Areal lange Wege ersparen hilft. In der Nutzung seien die Mieter sehr kreativ, da wird die Box schon mal zum Fundbüro für einen Geldbeutel umfunktioniert. „Theoretisch könnte man sich eine Pizza ins Fach liefern lassen“, scherzt Naumann.

Ursprünglich waren die Boxen auch für die Aufbewahrung von Lebensmitteln konzipiert. Neben rund 30 Fächern, die mit Kamera und Steckdose ausgestattet sind, gibt es auch eine Kühlversion. Die findet zwar aktuell im Urban Harbour keine Anwendung, doch an dem Gedanken wird weitergearbeitet. Schließlich steht Unternehmer Max Maier hinter dem Urban Harbour, zu dessen Imperium auch die Reutlinger Firma Rieber gehört.

„Jeder denkt, die Entwicklung einer passenden App ist kompliziert, dabei sind die frischen Lebensmittel die eigentliche Herausforderung“, sagt Markus Lang, IT-Leiter von Rieber Küchen aus Reutlingen. Es geht um Hygienevorschriften, die Einhaltung von Kühlketten und Dokumentationspflichten in der Gastronomie. Die Firma Rieber stellt sich diesen Herausforderungen seit Jahrzehnten und hat entsprechende Lösungen im Portfolio. Gekühlte Schließfächer haben aus der Sicht von Markus Lang einen entscheidenden Vorteil: „Sie entkoppeln Lieferanten, Caterer und Abnehmer.“ Parallel zu technischen Fragen werden neue Geschäftsmodelle entwickelt. Und wer weiß, wo die gekühlten Boxen demnächst stehen werden – mit neuem Anstrich versteht sich.

Stephanie Bajorat
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