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Sauberkeit

15 intelligente Mülleimer im Test

Ein Mülleimer sollte nicht überquellen, zum Zeitpunkt der Leerung aber möglichst voll sein. Um diesen Balanceakt hinzubekommen, testet die Stadt Ludwigsburg jetzt intelligente Abfallgefäße. Gestern wurden sie der Presse präsentiert.

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Moritz Pfeiffer (links) von der Firma Binando und Hans-Jürgen Schroff von den Technischen Diensten schauen sich einen intelligenten Mülleimer an. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Wirklich denken können diese intelligenten Mülleimer zwar nicht. Immerhin liefert ein in den Deckel eingebauter Sensor jedoch die benötigten Informationen. Ist das Müllgefäß voll, heißt es dann „Bitte leeren“ für die Mitarbeiter der Technischen Dienste Ludwigsburg.

Ob und wie das in der Praxis funktioniert, darüber soll ein Modellprojekt Auskunft geben, das bis Dezember angesetzt ist. Bei einem Pressetermin gestern Nachmittag ist anhand eines Müllbehälters an der Wilhelmstraße gezeigt worden, wie die Aufrüstung funktioniert.

Die Montage ist recht einfach: Vier Schrauben reichen aus, um den batteriebetriebenen Sensor an der Innenseite des Deckels zu befestigen. Kleine Ursache, große Wirkung: Stündlich misst der Sensor per Ultraschall, wie viel Müll sich in dem jeweiligen Gefäß befindet. Zweimal täglich werden die Daten mit dem Füllstand in eine Datencloud verschickt. Per PC oder Smartphone können sich die Mitarbeiter der Technischen Dienste auf der Homepage von Binando einloggen und sich die Werte anschauen. So haben sie auch von unterwegs Zugriff auf die aktuellen Daten und können ihre Routen entsprechend planen. Die Reinigungswagen der Technischen Dienste fahren im Idealfall künftig nur noch die Gefäße an, die geleert werden müssen.

„Darin steckt viel Potenzial“, ist Hans-Jürgen Schroff, Leiter des Fachbereichs Technische Dienste, überzeugt. Die Stadt sauber zu halten und den Müll in den Griff zu bekommen, das sei angesichts der steigenden Bevölkerungszahl und vieler Besucher eine große Herausforderung. Intelligente Müllgefäße könnten hier eine große Hilfe sein. Schroff ist im Rahmen des Innovationsnetzwerkes Living Lab auf das Startup Unternehmen Binando aufmerksam geworden. Der Softwareentwickler mit Sitz in Stuttgart ist auf die Entwicklung digitaler Lösungen im Bereich der Abfallentsorgung spezialisiert.

Wären in Ludwigsburg alle 1400 städtischen Müllbehälter mit Sensoren ausgestattet, ließe sich mit digitaler Unterstützung sogar der optimale Einsatzplan mit möglichst kurzen Streckenführung berechnen, zeigte Binando-Gründer Niko Baltsios mögliche Lösungen auf. Das soll Kosten reduzieren und Zeit sparen, die für andere Aufgaben genutzt werden kann. Baltsios hält Einsparungen von bis zu 40 Prozent für realistisch.

Ob das funktioniert, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. Besondere Herausforderungen sind Großveranstaltungen wie das Marktplatzfest, Minusgrade und der Faktor Mensch. „Wie reagiert der Sensor auf einen sperrigen Pizzakarton, der im Schacht stecken bleibt?“, nannte Hans-Jügen Schroff eine dieser möglichen Probleme. Gespannt ist er darauf, wie sich der Einsatz intelligenter Mülleimer im Außenbereich – Stichwort Hundekotbehälter – auswirkt, wo die Strecken besonders lang sind. Fällt die Bilanz für Füllstandsmesser und Routenplaner positiv aus, möchte Schroff das System auch in Containern mit Streugut einsetzen. Hier lässt sich bislang der richtige Zeitpunkt für das Nachfüllen nur schlecht prognostizieren.

„Das Modellprojekt zeigt, dass die technische und digitale Innovation Chancen eröffnet, in unterschiedlichen Bereichen nachhaltiger und effektiver zu werden“, so Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec. „Das ist ein tolles Beispiel für Living Lab“, zeigte sich Andrea Bräuning, Leiterin der Geschäftsstelle Living Lab im Referat Nachhaltige Stadtentwicklung, angetan von diesem Modellprojekt. „Wenn sich das bewährt, kann die größere Umsetzung folgen“, sagte sie.

Andere Städte sind schon in diesem Bereich aktiv: Die Stadt Reutlingen hat als Smart-City-Projekt bereits seit einiger Zeit in der Innenstadt die Müllbehälter mit Sensoren ausgestattet und damit gute Erfahrungen gemacht.

In der Testphase werden in Ludwigsburg 15 unterschiedliche Müllgefäße – jeweils fünf Unterflurcontainer, Hundekotbehälter und Papierkörbe – sowohl in der Innenstadt als auch im Außenbereich mit Ultraschallsensoren ausgestattet.