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Gemeinderat

Ärger um Fällungen am Salonwald

Für eine neue Fernwärmeleitung mussten die Stadtwerke etliche Bäume im Salonwald fällen lassen. Das sorgt für Kritik einiger Stadträte. Denn öffentlich informiert wurde der Gemeinderat darüber nicht. Dabei hätten sie gerne über den sensiblen Eingriff im Vorfeld diskutiert.

Ein 2,50 Meter breiter Streifen wurde am Montag für die neue Fernwärmeleitung am Rand des Salonwalds freigeschlagen.Foto: Ramona Theiss
Ein 2,50 Meter breiter Streifen wurde am Montag für die neue Fernwärmeleitung am Rand des Salonwalds freigeschlagen. Foto: Ramona Theiss

„Wir haben von den Fällarbeiten gestern aus der Zeitung erfahren“, sagt Grünen-Stadträtin Christine Knoß. Das ärgert nicht nur sie. Die schlechte Informationspolitik stößt auch weiteren Stadträten bitter auf. „Ich finde das unmöglich. Es ist so ein sensibles Thema“, sagt etwa Margit Liepins (SPD-Fraktionsvorsitzende). Gerne hätten die Stadträte im Vorfeld darüber diskutiert, ob die Fällarbeiten in diesem Ausmaß nötig sind. „Jetzt kann man nichts mehr machen“, bedauert Knoß.

Stadträte wollen informiert werden

Grund dafür, dass etliche Bäume im Salonwald weichen müssen, ist eine Fernwärmeleitung, die die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim in der Königin-allee neu verlegen lässt. Sie schlagen einen 2,50 Meter breiten Streifen am Waldrand frei. Wie wir bereits berichtet haben, werden diese Leitungen normalerweise in der Straßenmitte verlegt, doch das funktioniere laut Stadtwerke in diesem Bereich nicht.

Von den Fällarbeiten wusste der Gemeinderat nichts. Dabei pochen einige Stadträte darauf, über Rodungen aufgeklärt zu werden. Elga Burkhardt (Lubu) will nun anregen, ob der Gemeinderat nicht grundsätzlich darüber informiert werden muss, sobald mehr als einige Bäume weichen müssen. „Solche Themen müssen in die Öffentlichkeit“, fordert die Stadträtin und BUND-Vorsitzende.

„Wir wollen darüber diskutieren, ob es Alternativen gibt“, betont auch Knoß. Man hätte im Falle des Salonwaldes darüber sprechen können, ob eventuell kleinere Bagger zum Einsatz kommen oder Erde abgefahren und wieder hergebracht werden kann anstatt Platz für einen Erdhügel einzuplanen, so Knoß. „Man sollte die Mehrkosten dafür in Kauf nehmen. Die Frage ist: Was ist uns ein Baum wert.“

„Ich sage nicht, dass die Stadtwerke alle Kosten auf sich nehmen müssen“, so hingegen CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Herrmann. „Manches wird überhöht. Wir haben den Bau beschlossen und nicht alle Details müssen öffentlich beraten werden. Aber man hätte mehr Sensibilität an den Tag legen können.“

So wurden erst vor nicht allzu langer Zeit Bäume im Bereich des heutigen Kreisverkehrs (Aldinger Straße) gerodet. Hier wurden am Ende mehr Bäume entfernt als ursprünglich geplant. Weil man empfindlich auf Fällung im Salonwald reagiere, hätte man über den jetzigen Eingriff im Vorfeld sprechen können, sagt Reinhardt Weiss, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. „Dass man sensibler bei den Arbeiten vorgeht. Jetzt müssen wir uns darauf verlassen, dass das Ganze möglichst schonend abläuft“, so Weiss.

Die Stadträte können zwar nachvollziehen, dass man um einen Eingriff nicht drumherum komme und keiner wolle auf die Fernwärmeleitung verzichten. Dennoch legten die Kommunalpolitiker im nicht öffentlichen Teil der Sitzung des Gemeinderats am Mittwoch den Stadtwerken nahe, künftig besser über Baumfällungen zu informieren.

Stadtwerke lernen daraus

Auf Nachfrage bei den Stadtwerken heißt es, dass diese bereits Ende 2018 mit dem Landratsamt Kontakt aufgenommen hätten, um besagte Fläche nutzen zu können. Das Freischneiden der Fläche hätten die Stadtwerke nach Absprache mit dem Landratsamt übernommen, denn der Grünstreifen werde vom Landratsamt sowieso alle zwei bis drei Jahre frei geschnitten, auch um die Alleebäume in ihrem Wuchs nicht zu behindern.

Nach den Fällarbeiten seien die Stadtwerke gestern mit einem Baumschützer, einem unabhängigen Sachverständigen, die Allee abgeschritten, um Wurzelverläufe für den ersten Bauabschnitt zu sichten. Das Tiefbauunternehmen sei entsprechend sensibilisiert worden.

„Wir lernen daraus“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Bodo Skaletz zu der Kritik der Stadträte. „Das Wissen, das wir jetzt haben, lässt uns in Zukunft Baumaßnahmen noch konkreter planen und umsetzen. Zukünftig werden wir alle uns jetzt bekannten Schnittstellen involvieren, um bei Baumaßnahmen ein noch reibungsloseres Ineinandergreifen zu gewährleisten.“

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