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Akademiehof

Akademiehof Ludwigsburg: Polizei setzt zum ersten Mal Verweilverbot durch

Die Polizei hat am Freitagabend zum ersten Mal das Verweilverbot auf dem Akademiehof durchgesetzt. Die Räumung des Platzes um 23 Uhr verläuft ohne große Probleme. Doch nicht alle haben Verständnis für die neuen Regeln.

Eindrücke vom Akademiehof: Um 23 Uhr setzt die Polizei das Verweilverbot durch. Zu diesem Zeitpunkt sind noch etwa 150 Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Platz. Foto: Holm Wolschendorf
Eindrücke vom Akademiehof: Um 23 Uhr setzt die Polizei das Verweilverbot durch. Zu diesem Zeitpunkt sind noch etwa 150 Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Platz. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Auf dem Akademiehof haben junge Leute in diesem Sommer wieder ausgiebig gefeiert. Mitunter hielten sich an Wochenenden Hunderte Besucher auf dem Areal zwischen Film- und Theaterakademie auf. Die allermeisten verhielten sich friedlich, doch zu später Stunde kippte die Stimmung immer wieder – die Polizei musste den Platz in den vergangenen Monaten mehrfach räumen, weil einzelne Besucher über die Stränge geschlagen hatten.

Nachdem sich die Probleme zuletzt häuften, hat man nun im Rathaus die Faxen dicke: Die Stadt Ludwigsburg hat, erstmals in ihrer Geschichte, ein sogenanntes Verweilverbot erlassen. Das heißt: An Wochenenden ist es – zunächst bis zum 7. November – zwischen 23 und 6 Uhr verboten, sich auf dem Akademiehof aufzuhalten.

Als das Verweilverbot am Freitagabend erstmals durchgesetzt wird, halten sich rund 150 Nachtschwärmer auf dem Platz auf. Wie immer fließt reichlich Alkohol. Die Polizei zeigt schon vor 23 Uhr mit einem beachtlichem Aufgebot Präsenz, das Polizeirevier hat Zusatzkräfte der Bereitschaftspolizei angefordert. Die Einsatzkräfte weisen die jungen Leute in Gesprächen auf die neuen Spielregeln hin. Das kommt natürlich nicht in allen Fällen gut an, mitunter müssen die Beamten Überzeugungsarbeit leisten. Ein Besucher etwa beschwert sich auf der Plattform vor dem Theaterturm bei einer Polizistin, dass er seine Musikbox herunterfahren musste.

Er fühle sich unfair behandelt, sagt der junge Mann, der nach eigenen Angaben seit fünf oder sechs Jahren regelmäßig mit Freunden aus dem Ludwigsburger Umland auf den Akademiehof kommt. Er könne die Polizei verstehen, die mache nur ihren Job. Er habe auch Verständnis für genervte Anwohner und den Betreiber des benachbarten Hotels, das wegen der regelmäßigen Partys an Wochenenden keine Zimmer mehr vermietet. „Aber die Jugendlichen müssen halt auch irgendwo hin“, meint der 21-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. In der Vergangenheit, meistens ab Mitternacht, sei die Stimmung gelegentlich schon ein wenig aggressiv gewesen, „mal so, mal so“. Für ihn ist die Party auf dem Akademiehof erst mal vorbei, er werde jetzt mit seinen Kollegen nach Stuttgart fahren.

Das Publikum fügt sich den Anweisungen der Polizei. Mitunter widerwillig, zu Auseinandersetzungen kommt es aber nicht. Gegen 23 Uhr zeigt der ohne Komplikationen verlaufene Kehraus Wirkung, der Akademiehof ist menschenleer. Zwei Beamte bleiben vor Ort, vergewissern sich, dass niemand das Verweilverbot unterläuft und auf den Platz zurückkehrt.

Auch ein junger Mann, der sich als Sascha vorstellt, verlässt mit seiner Gruppe das Areal. Er findet das Verweilverbot übertrieben, ebenso wie die Berichterstattung über Gewalt, Kriminalität und sexuelle Übergriffe. Er sei gebürtiger Ludwigsburger und feiere schon seit seinem zwölften Lebensjahr auf dem Akademiehof. Es komme hin und wieder zu Gewalt, räumt Sascha ein. „Aber das passiert überall. Die Leute hier sind friedlich, auch als der Platz immer wieder geräumt wurde.“ Sexuelle Übergriffe seien noch nie vorgekommen. „Wenn wir so etwas sehen, regeln wir das selbst. Es ist unsere Aufgabe, Frauen zu beschützen.“

Der Akademiehof sei Kult und der beste Platz, um zu chillen, betont Sascha. „Wir werden hier weiter feiern, auch wenn es nur bis 23 Uhr möglich ist.“ Anschließend werde man dann zur Bärenwiese, auf den Rathausplatz oder – so wie heute Abend – nach Stuttgart weiterziehen. So machen es am Freitagabend viele junge Leute, eine etwa 20-köpfige Gruppe beispielsweise schlendert um 23 Uhr nach nebenan auf den Rathausplatz und lässt sich am Blumenbeet zwischen den Tiefgaragenzugängen nieder.

Auch dort taucht schon bald die Polizei mit einem Einsatzwagen und mehreren Beamten auf. Es ist nicht verboten, sich auf dem Rathausplatz aufzuhalten. Doch offensichtlich wollen die Einsatzkräfte den Jugendlichen vermitteln, dass sie auch hier nicht willkommen sind. Solche Katz-und-Maus-Spiele im näheren und weiteren Umfeld des Akademiehofs dürften an den kommenden Wochenenden häufiger zu beobachten sein – die jungen Leute können sich um 23 Uhr schließlich nicht in Luft auflösen.

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