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Veranstaltung

Akrobatik und chinesisches Ambiente

Chinesischer Nationalcircus begeistert mit seinem Jubiläumsprogramm – Gruppen mit atemberaubenden Darbietungen in der MHP-Arena

Ein vielfältiges Programm, das auch auf Atmosphäre Wert legt: Die Tänzerinnen mit ihren Diabolos, die sie bis unter die Decke schleudern (Bild links), die Löwen- und Drachenkostüme (Bild rechts) umrahmen die Show. Fotos: Oliver Bürkle
Ein vielfältiges Programm, das auch auf Atmosphäre Wert legt: Die Tänzerinnen mit ihren Diabolos, die sie bis unter die Decke schleudern (Bild links), die Löwen- und Drachenkostüme (Bild rechts) umrahmen die Show. Foto: Oliver Bürkle
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Liebhabern vollendeter Akrobatik ist am Wochenende ein mehrgängiges Sternemenü serviert worden: Der chinesische Nationalcircus feierte seinen 30. Geburtstag mit fünf Vorstellungen in der MHP-Arena.

Ein ungewohnter Anblick: Dort wo sonst die Basketballer ihre Dreier werfen, ist eine Manege aufgebaut. Drumherum vier Reihen für die Logengäste. Aber auch von der Tribüne aus haben alle, auch die Kinder, beste Sicht. Die Musik ist unaufdringlich und begleitet die mehr als 60 Artisten bei ihren Auftritten. Es ist eine Mischung aus traditionellen Liedern, Pop und Ethnopop, die sich zu keiner Zeit dröhnend in den Vordergrund spielt. Sie ist angenehme Untermalung. „Tradition trifft Moderne“ ist der Abend denn auch überschrieben, der den Titel „The Great Wall“ – die große Mauer trug.

Etwa 1500 Premierengäste kamen am Freitagabend über zwei Stunden lang aus dem Staunen nicht heraus. Nur von einer kurzen Pause unterbrochen, ging eine Nummer nahtlos in die andere über. Die Schwerkraft schien außer Kraft ebenso wie die menschliche Anatomie. Die Körper wie ohne Knochen, die sich in unvorstellbare Positionen verrenken und verbiegen. Die Gruppen sind eingespielt, verlassen sich blind aufeinander, wenn sie sechsstöckige menschliche Pyramiden bauen oder auch noch den fünften Mann durch die Luft auf die Schultern des vierten schleudern. Oder wenn sie Hüte in langer Reihe jonglieren und Kisten mit den Füßen. Bei einer Gruppe fliegen fluoreszierende Diabolos wie leuchtend grüne Kolibris bis knapp unter die Decke. Bis sie ihr in die Luft geschleudertes Spielgerät wieder auffangen, werden ganze Elemente der rhythmischen Bodengymnastik eingebaut.

Balletttanz auf den Oberarmendes Partners

Es ist aber nicht nur die pure, kraftstrotzende Athletik. Das Pogramm hat ebenfalls poetische Momente. Wie eine Ballerina Spitze auf den kräftigen Oberarmen des Partners tanzt, oder das Pas de Deux am Reifen in luftiger Höhe. Witz ist auch dabei, wenn sich zwei extrem gelenkige Mädchen mit ihren Röhren gegenseitig foppen. Freches und Romantisches ist eingebaut.

Chinas alte Kultur wurde ebenfalls mit nach Ludwigsburg gebracht. Etwa mit den überlieferten Löwenkostümen und dem sich durch die Halle schlängelnden und Feuer schluckenden Drachen. Dazu noch die für europäische Augen exotischen Trachten aus vielen Regionen vom Reich der Mitte.

Die Rahmengeschichte passte ebenfalls: Schüler eines Akrobatik-Internats werden eingeschneit und können über die Feiertage nicht zu ihren Familien. Um die Traurigkeit zu vertreiben, verkleiden sie sich und führen sich in einem kleinen Wettstreit gegenseitig vor, was sie mittlerweile alles gelernt haben.

Tatsächlich muss hinter diesen Auftritten jahrelanges, sehr hartes Training liegen, um zu solch präziser Perfektion bei gleichzeitiger Leichtigkeit zu reifen. Das Publikum war aus dem Häuschen, das Sinnesspektakel, das der Eventstifter Michael Scholz nach Ludwigsburg in die MHP-Arena holte, begeisterte restlos.

Trotzdem: Man hätte sich ein bebildertes Programmheft gewünscht, um vieles durch Nachlesen einfach besser zu verstehen. Die Kostüme, die Geschichte des chinesischen Nationalcircus an sich, wer hinter dieser herausragenden Gala steckt und welche Hintergründe es hat. Auch die herausragenden Meisterkünstler, die auf der Bühne zu sehen waren, und deren Lebensläufe blieben in der Masse leider anonym.

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