Logo

Zukunftsprojekt
Aktionen für ein verlassenes Areal

Riesige Lagerhallen, einst mit Zichorie als Rohstoff für den Caro-Kaffee gefüllt, heute leer: Sie sind Teil des verlassenen Nestlé-Areals und es stellt sich die Frage nach der künftigen Nutzung. Das Foto zeigt unten Oberbürgermeister Matthias Knecht
Riesige Lagerhallen, einst mit Zichorie als Rohstoff für den Caro-Kaffee gefüllt, heute leer: Sie sind Teil des verlassenen Nestlé-Areals und es stellt sich die Frage nach der künftigen Nutzung. Das Foto zeigt unten Oberbürgermeister Matthias Knecht
Nächstes Jahr feiert die Ludwigsburger Wüstenrot-Stiftung ihren 100. Geburtstag. Das soll in der Stadt Spuren hinterlassen, die Stiftung hat einen großen Spendenbetrag zugesagt. Im Rathaus will man das Geld in eine Bürger- und Kulturaktion als Auftakt zur Reaktivierung des brachliegenden Nestlé-Areals investieren.

Ludwigsburg. Die Pläne wurden in den vergangenen Monaten hinter den Kulissen und federführend vom städtischen Fachbereich für Kunst und Kultur ausgearbeitet und sind inzwischen auch vom Kuratorium der Stiftung abgesegnet. In Rede steht vonseiten der Stiftung der stattliche finanzielle Beitrag von 200 000 Euro.

Das Vorhaben will die Stadtverwaltung in der kommenden Woche erstmals öffentlich präsentieren, dies bei einer Sitzung des Gemeinderatsausschusses für Wirtschaft und Kultur. Eine Sitzungsvorlage, in der die Eckpunkte des Projekts beschrieben werden, ist schon jetzt zugänglich. Wobei die Stadtverwaltung nicht mehr den Begriff Nestlé-Areal verwendet, sondern mit Blick auf die Ursprünge des Firmenstandorts und die Unternehmerfamilie Franck vom Franck-Areal spricht.

In dem Eckpunktepapier heißt es zu den grundsätzlichen Überlegungen: „Das Franck-Areal wurde im Oktober 2020 von der Stadt angekauft und soll in der Zukunft in ein noch zu definierendes urbanes Quartier transformiert werden. Zu Beginn der Übergangsphase und bis zur tatsächlichen Planung öffnet sich die Möglichkeit, Ideen und Eindrücke im Areal zu sammeln, zu generieren und sie für den tatsächlichen Planungsprozess produktiv zu nutzen.“

Das Projekt trägt den Namen Neuland. Es soll voraussichtlich Ende Juni an einem langen Wochenende von Donnerstag bis Sonntag stattfinden. Das einstige Industriegelände soll dann erstmals für die Menschen in der Stadt frei zugänglich sein. Zu erleben gibt es dann einen Mix aus „vorübergehenden, zeitlich begrenzten, experimentellen, gestalterischen und künstlerischen Projekten“, so die Ankündigung.

Ein Beispiel dafür, was das konkret bedeuten kann: Studierende der Ludwigsburger Theaterakademie erarbeiten einen inszenierten Rundgang, bei dem die Besucher gemeinsam mit Schauspielern das Areal samt der verlassenen Gebäude erkunden und dabei Themen entdecken sollen, die sich aus dem Areal heraus ergeben: Wie wird aus einem Fabrikgelände ein urbaner Ort? Was braucht ein urbanes Zentrum der Zukunft?

Teilnehmen sollen auch Künstler und Kreative aus dem Raum Ludwigsburg. Sie sollen laut städtischem Konzept die „Gelegenheit bekommen, einen gestalterisch künstlerischen Beitrag zur Öffnung des Orts und zum Ausloten seines kreativen Potenzials zu leisten. Eine Jury wird dabei die besten Vorschläge bewerten, die auch als temporäre Aktionen im Areal umgesetzt werden“.

Teil der Neuland-Tage im Juni 2021 soll auch die Berliner Fotografin Loredana Nemes werden, mit ihren in Ludwigsburg entstanden Porträtreihen. Die Schwarz-Weiß-Fotos sollen auf die zum Teil riesigen Wände, die das Areal bietet, projiziert werden. Geplant sind zudem Angebote für Kinder und Jugendliche, dies in Zusammenarbeit mit der Kunstschule Labyrinth und mit Schulen.

Parallel zu Neuland will das Ludwigsburg Museum über die Aktionstage hinaus gemeinsam mit Experten und Zeitzeugen eine Reihe mit Diskussions- und Workshops anbieten. Welche Geschichte erzählt mir der Ort? Was habe ich dort erlebt? Welche Zukunft hat dieser Stadt-Raum? Fragen wie diese sollen dabei in den Blick rücken. „Ziel ist es, gemeinsam Geschichte zu entdecken und möglicherweise neue Ideen für das Areal in der Stadt zu suchen“, so das Eckpunktepapier. Die Überlegungen für das Neuland-Projekt reichen laut Stadtverwaltung in die Zeit vor der Coronapandemie zurück, das Programm soll auch noch coronagerecht angepasst werden.