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Ampel-Test Teil 1

Ampel-Test in der Ludwigsburger Wilhelmstraße: Hier brauchen Fußgänger Geduld

Die Wilhelmstraße zerschneidet die Innenstadt und damit auch die Fußgängerzone in zwei Hälften. Zwar gibt es viele Übergänge, doch an denen kommt man ohne längere Wartezeiten nicht hinüber.

Knapp eine Minute ist es hier rot: die Kreuzung der Fußgängerzone (Kirch- und Seestraße) mit der Wilhelmstraße. Foto: Andreas Becker
Knapp eine Minute ist es hier rot: die Kreuzung der Fußgängerzone (Kirch- und Seestraße) mit der Wilhelmstraße. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Was die B27 für die komplette Stadt ist, das ist die Wilhelmstraße für die Innenstadt im Kleinen: Eine breite Straßenschlucht, die den Autoverkehr anzieht und dadurch die Stadt zerteilt.

Schon seit Jahren wird in Ludwigsburg darüber diskutiert, ob die Straße für Autos gesperrt werden könnte, um das Zentrum für Fußgänger attraktiver zu machen. Auch Tempo 30 ist im Gespräch. Vergangenen Sommer war die Straße sogar schon für ein paar Stunden gesperrt und wurde vorübergehend zur Freizeitfläche. Davon kann man derzeit nur träumen. Zwar gibt es direkt im Stadtzentrum sechs Ampelübergänge an der Wilhelmstraße. Schnell hinüber kommt man aber nirgendwo.

Fast eine Minute lang rot

Gut 56 Sekunden und damit fast eine Minute dauert die Rotphase vor der Wilhelmgalerie. Doch nicht nur die lange Wartezeit ist dort ein Problem. Diese zentrale Achse vom Bahnhof in die Wilhelmgalerie nutzen sehr viele Fußgänger. Auf dem Gehweg in der Arsenalstraße und direkt vor der Wilhelmgalerie geht es ziemlich eng zu. Der Platz reicht kaum für die vielen Fußgänger aus. Die haben übrigens gut 16 Sekunden grün, um die Wilhelmstraße zu überqueren. Das ist nicht üppig, reicht aber dafür, gemächlichen Schritts über die Straße zu kommen.

Ärgerlich ist bei dieser Überquerung die Tatsache, dass wenn man von der Wilhelmgalerie kommend die Wilhelmstraße überquert und dann zur Bushaltestelle am Arsenalplatz will, man nochmals gut 30 Sekunden an der Ampel warten muss, bis man die Straße überqueren kann. Wer schnell zum Bus will, hat schlechte Karten.

Auch an den anderen Ampeln über die Wilhelmstraße, auf Höhe der Körner- und der Kirchstraße sowie am Marktplatz dauert die komplette Rotphase 56 Sekunden und wechselt sich mit einer 16-sekündigen Grünphase ab. An all diesen Übergängen müssen die Fußgänger, wenn sie Pech haben, also knapp eine Minute warten. Laut Stadtverwaltung werden die Ampelphasen den Tag über auch nicht verändert.

Noch ungünstiger ist es lediglich am Fußgängerüberweg an der Sternkreuzung. Dort müssen die Fußgänger mit dem komplizierten Auto-Abbiegeverkehr koordiniert werden. Wer zu Fuß über die Wilhelmstraße will, muss daher im ungünstigsten Fall eine Minute und 15 Sekunden warten. So lange dauert die komplette Rotphase. Grün ist es dagegen nur 12 Sekunden. Man muss sich also sputen.

Ampeln orientieren sich am Busverkehr

Würde sich die Situation für Fußgänger wesentlich verbessern, wenn die Wilhelmstraße für Pkws gesperrt wäre? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Die Ampelschaltungen orientieren sich nämlich überwiegend am Busverkehr. Neben 16000 Autos kommen 1700 Busse jeden Tag durch die Wilhelmstraße. Laut Ivan Rasic von der Verwaltung sind nach ihnen die Ampelphasen ausgerichtet. Die Rot- und Grünphasen seien so ausgelegt, dass die Busse vom Bahnhof zügig durchkommen und ihren Zeitplan einhalten können. Daher seien die Ampelphasen von West nach Ost (von der Wilhelmgalerie zur Sternkreuzung) leicht versetzt. An der Wilhelmgalerie wird es für den Autoverkehr zuerst grün und für die Fußgänger damit rot. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Autos und Busse, die von der Sternkreuzung kommen, ausgebremst werden. Das soll die Wilhelmstraße für Durchgangsverkehr von der B27 unattraktiv machen.

Den Fußgängern hilft das bisher wenig. Laut Rasic gibt es für die Wilhelmstraße aber weitere Ampelszenarien, die bald mithilfe des Verkehrsrechners ausprobiert und durchgespielt werden sollen.

Info: Unsere Zeitung testet in diesen Tagen einige Ampeln, wobei zunächst die Fußgängerampeln im Bereich der Innenstadt und entlang der B27 angeschaut werden. Wie ist es mit der Grünphase? Gibt es Unterschiede, ob man während des Berufsverkehrs unterwegs ist oder am Nachmittag? Sind die Ampeln untereinander abgestimmt? In einem zweiten Schritt werden die Ampeln aus Sicht der Autofahrer getestet.

Leseraktion: Wie geht es Ihnen? Wo sind die Ampeln, die nicht so gut funktionieren? Schreiben Sie uns unter dem Stichwort „Ampeln“ an die Adresse stadtredaktion@lkz.de. Wir werden versuchen, Antworten auf Ihre Fragen zu bekommen.

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