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Ampel-Test Teil 2
Ampel-Test in Ludwigsburg: Zu Fuß über die Stuttgarter Straße birgt seine Risiken

Bei der Fußgängerampel zwischen dem Forum und der Bärenwiese kann es zur Behinderung durch querende Autos kommen. Foto: Andreas Becker
Bei der Fußgängerampel zwischen dem Forum und der Bärenwiese kann es zur Behinderung durch querende Autos kommen. Foto: Andreas Becker
Die B27 teilt die Stadt Ludwigsburg in zwei Teile. Wer in der Südstadt von der einen auf die andere Seite will, hat neben einer Unterführung nur die Möglichkeit, die Bundesstraße an einer Fußgängerampel zu überqueren. Das ist nicht immer einfach.

Ludwigsburg. Fußgänger, die von der Oststadt in die Innenstadt oder zurück wollen, nutzen häufig die Fußgängerüberwege. Doch viele bergen Risiken. Südlich der Sternkreuzung gibt es lediglich drei Fußgängerüberwege über die B 27. Für entspannte Flaneure sind sie allesamt nicht geeignet.

So auch die Übergangsstelle auf Höhe des Forums. Hier hat man sowohl an der Bärenwiese als auch direkt beim Forum 20 Sekunden, um die Bundesstraße zu überqueren. An sich eine angemessene Zeit, doch wenn man die Grünphase zum Teil verpasst, ist man rund 80 Sekunden auf der Verkehrsinsel in der Mitte gefangen. Aber auch wenn man das Signal nicht verpasst, kann es für Fußgänger gefährlich werden.

Wer die Straße auf der Seite des Forums quert, muss nämlich auf die Autofahrer aufpassen. Denn die Abbieger aus der Friedrich-Ebert-Straße und der Alleenstraße dürfen gleichzeitig, dank blinkendem orangefarbenem Abbiegepfeil, losfahren. Zwar haben die Fußgänger Vorrang und die Autofahrer müssen jeden Passanten durchlassen, aber bei Dunkelheit oder Unaufmerksamkeit des Fahrers kann es im schlimmsten Fall zum Unfall kommen.

An manchen Orten ist auch Schnelligkeit gefragt

Abbiegende Autos gibt es direkt unterhalb des Karlsplatzes nicht. Hier ist die kurze Dauer der Grünphasen das Problem. Gerade einmal 15 Sekunden hat man Zeit, um die B27 zu überqueren. Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, dürfte das schwerfallen.

Lesen Sie hier unseren Ampeltest zur Wilhelmstraße

Wer hier zu langsam ist, muss wieder auf dem Mittelstreifen ausharren. Auch hier dauern die Rotphasen wieder knapp eineinhalb Minuten, ähnlich wie bei den Ampeln am Forum. Wer langsam läuft, muss im schlimmsten Fall über 150 Sekunden warten. Eine Minute und 20 Sekunden auf der einen Seite und nochmals die gleiche Zeit in der Mitte. Wenn man die Grünphasen mit einberechnet, braucht man dann fast drei Minuten, um hier über die Bundesstraße zu kommen.

Der Extremfall an der Zufahrt der Richard-Wagner-Straße

Die Kreuzung Stuttgarter Straße/Richard-Wagner-Straße/Robert-Franck-Allee vereint die beiden schlechten Aspekte der Vorgänger. Erstens gibt es nur eine Ampel, um die Bundesstraße zu überqueren, nicht wie auf Höhe der Bärenwiese zwei. Das führt dazu, dass die Fußgänger teilweise erst noch die Richard-Wagner-Straße oder die Robert-Franck-Allee überqueren müssen, um zur Ampel zu kommen.

Die Wartezeit an beiden ist aber ausnahmsweise mal kein Problem, mit 30-sekündigen Grün- und 55-sekündigen Rotphasen steht man sich nicht die Beine in den Bauch. Die Problematik hier sind auch wieder die Abbieger. Während der Grünphase dürfen nämlich die Rechtsabbieger der B27 wieder fahren. Das gleiche Spiel wie bei der Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße/Alleenstraße, nur noch schlimmer. Denn die Autofahrer, die in Richtung Kornwestheim unterwegs sind, heizen gerne mal mit einer höheren Geschwindigkeit als den erlaubten 40 Stundenkilometern. Hinzu kommt, dass die Kurve in die Richard-Wagner-Straße recht unübersichtlich ist, da vor dem Kurvenbereich in der Ausfahrt der Tankstelle gerne das ein oder andere Auto steht.

Das viel größere Problem erschließt sich allerdings erst, wenn man dann über die Stuttgarter Straße muss. Ganz getreu nach dem Motto „die Mischung macht’s“ sind auch hier nur 15 Sekunden für die Überquerung der vierspurigen Straße das Maximum an Zeit. Sollte man eine Phase verpassen, darf man satte 90 Sekunden auf das nächste grüne Lichtzeichen warten. Und gleich wie bei der Kreuzung zwischen dem Forum und der Bärenwiese hat man hier wieder mit Abbiegern aus den Querstraßen zu kämpfen.

Der Autoverkehr hat hier Vorrang

Die langen Wartezeiten an den roten Ampeln und die verkürzten Grünphasen sind dem Autoverkehr geschuldet. Es ist schließlich immer noch eine Bundesstraße mit viel Verkehrsbetrieb. Dieser soll fließen. Deshalb werden hier mit den Abbiegern aus den Nebenstraßen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sowohl die Autofahrer aus den Seitenstraßen können fahren, aber auch die Fußgänger dürfen weiterlaufen. Beide müssen in dieser Situation Rücksicht aufeinander nehmen.

Stadt sieht keine Probleme

Die Stadt sieht an den Ampelschaltungen keine Probleme. „Die Schaltungen auf der B27 orientieren sich am Verkehrsaufkommen“, erklärt Ulrike Schmidtgen vom Fachbereich Tiefbau der Stadt Ludwigsburg auf Nachfrage. Wenn sich also das Verkehrsaufkommen ändert, reagiert der Verkehrsrechner. Bei der zeitlichen Schaltung der Grünphasen sei laut Stadt jede Phase lang genug. Die Fußgänger hätten bei normaler Gehgeschwindigkeit von 1,2 Metern pro Sekunde genug Zeit, um die Straße zu überqueren. Selbst wenn es mal eng werden würde, sei genug Pufferzeit eingeplant. Außerdem nennt die Stadt noch die Fußgängerunterführungen als weitere Querungsmöglichkeit für die vielbefahrenen Straßen.