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Neckarweihingen

Anwohner lassen sich nicht besänftigen

Die Situation rund um die geplante Buslinienführung in Neckarweihingen ist verfahren. Daran konnten auch die Kompromissvorschläge der Stadtverwaltung bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend nichts ändern. Die Stimmung vor Ort war aufgeheizt.

Carry Buchholz, Geschäftsführerin der Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL), und Bürgermeister Michael Ilk stellten sich in Neckarweihingen der Diskussion mit den Anwohnern, die mitunter sehr hitzig wurde. Nach zweieinhalb Stunden Rundgang an den kritis
Carry Buchholz, Geschäftsführerin der Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL), und Bürgermeister Michael Ilk stellten sich in Neckarweihingen der Diskussion mit den Anwohnern, die mitunter sehr hitzig wurde. Nach zweieinhalb Stunden Rundgang an den kritis
Variante 3: Anders als im Plan der Stadt dargestellt, ist die Verwaltung bereit, die Einbahnregelung in der Schwarzwaldstraße beizubehalten. Der Bus führe dann durchs Neubaugebiet Scholppenäcker hinunter zur Immanuel-Dornfeld-Straße und die Schwarzwa
Variante 3: Anders als im Plan der Stadt dargestellt, ist die Verwaltung bereit, die Einbahnregelung in der Schwarzwaldstraße beizubehalten. Der Bus führe dann durchs Neubaugebiet Scholppenäcker hinunter zur Immanuel-Dornfeld-Straße und die Schwarzwa

„Wir werden uns wie immer intensiv unterhalten und anschließend zu einer guten Lösung kommen“, so klangen die optimistischen Worte von Bürgermeister Michael Ilk beim Ortstermin in Neckarweihingen noch zu Beginn. Es ist nicht das erste Mal, dass Ilk in der Frage der Buslinienführung in Neckarweihingen ist – und womöglich wird ihn dieses Thema noch deutlich länger beschäftigen als jemals gedacht.

Dabei, und das betont der Bürgermeister immer wieder, habe man ja eigentlich nur das aufgegriffen, was seit Jahren in Stadtteilsitzungen und Terminen vor Ort gefordert wird: die Bushaltestelle im Neubaugebiet in eine Ludwigsburger Busline aufzunehmen. Bisher wird die Haltestelle nur wenige Male am Tag von einem Bus aus Marbach angesteuert.

Doch über das Wie der neuen Linienführung im Stadtteil wird nunmehr seit Monaten heftig gestritten. Drei Varianten wurden dem Stadtteilausschuss zur Abstimmung vorgelegt, die Mehrheit votierte im März für Variante drei – den Favoriten der Stadtverwaltung. Nach der Berichterstattung unserer Zeitung darüber regte sich Protest im Stadtteil. Die Gegner formierten sich, wetterten in den sozialen Netzwerken gegen Variante 3 und die Stadtverwaltung, Unterschriften wurden gesammelt. „Wir wohnen in Neckarweihingen und haben nachher einen Busverkehr wie in der Großstadt und alles nur wegen eines Stadtteilausschusses, den wir nicht gewählt haben“, machte einer der Teilnehmer seinem Ärger beim Rundgang Luft.

Doch warum wurde überhaupt abgestimmt? Das kann heute niemand mehr verstehen und auch im Rathaus soll es den ein oder anderen Mitarbeiter geben, der diese Abstimmung gerne rückgängig machen würde. Denn eigentlich hätte sie gar nicht stattfinden dürfen. Die Ludwigsburger Verkehrslinien haben nämlich die Ausschreibung des Busverkehrs mit einem sogenannten eigenwirtschaftlichen Angebot gewonnen. Die LVL werden ab 1. Januar 2020 in der gesamten Stadt mit einem verbesserten Angebot fahren. Und an diesem Angebot darf aus rechtlichen Gründen nicht mehr gerüttelt werden. „Wenn wir zu sehr eingreifen, können wir die Ausschreibung zu den Akten legen.“ Dann könnte der gescheiterte Mitbewerber nämlich klagen. Zu den Knackpunkten gehört die Landäckerstraße. Dort sollen die Busse der Linie 421 ab Januar in beide Richtungen fahren. Diesen Begegnungsverkehr in der schmalen Straße, in der viele Ladenlokale und Parkplätze sind, können sich viele der Anwesenden nicht vorstellen. Auch die Beteuerungen von LVL-Geschäftsführerin Carry Buchholz, dass selbst in der Kurve zwei Busse aneinander vorbeikommen, will man keinen Glauben schenken.

Bei anderen strittigen Fragen lenkt die Stadt während des Rundgangs ein. Die Bushaltestelle Hohenrainstraße wird beibehalten – so wie von vielen Bürgern gefordert. Die Zahl der Parkplätze, die wegen der neuen Buslinienführung wegfallen, soll Ilk zufolge einstellig bleiben. Doch auch die Aussicht auf zusätzliche Parkbuchten an der bisherigen Wendeplatte in der Hauptstraße sorgte nicht für Begeisterung. Die Versuche des Bürgermeisters, eine Brücke zu schlagen, schlugen fehl – auch bei den Stadträten. Obgleich in der Sommerpause, nahmen zahlreiche Stadträte am Rundgang teil. „CDU und SPD wollen keinen Begegnungsverkehr in der Landäckerstraße“, postulierte SPD-Fraktionschefin Margit Liepins. Die CDU-Fraktion im Gemeinderat hat bereits einen Antrag gestellt, den die SPD unterstützen werde.

Die Gegner der Variante drei wollen nicht lockerlassen und sehen sich durch die Haltung von CDU und SPD gestärkt. Rückenwind erhoffen sie sich vom neuen Rathauschef, der in wenigen Tagen sein Amt antritt. Denn, so erzählt man es sich im Stadtteil, soll Matthias Knecht sich während seiner Wahlkampftour ebenfalls auf einer der Unterschriftenlisten gegen die Linienführung verewigt haben.

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