Logo

Protest

Aufstand der Dieselfahrer

Über 200 Ludwigsburger demonstrieren gegen Fahrverbote – OB Werner Spec kündigt Überprüfung der Messstelle an

„Wir lassen uns nicht unterkriegen“ – der Initiator des Protests, Dieter Seipler (gelbe Jacke vorne), bei der Kundgebung an der Kreuzung Hohenzollern-/Friedrichstraße.Fotos: Ramona Theiss
„Wir lassen uns nicht unterkriegen“ – der Initiator des Protests, Dieter Seipler (gelbe Jacke vorne), bei der Kundgebung an der Kreuzung Hohenzollern-/Friedrichstraße. Foto: Ramona Theiss
Die umstrittene Messstation an der Friedrichstraße und die Ludwigsburger Pro-Diesel-Demonstranten.Archivfotos: Holm Wolschendorf/Ramona Theiss
Die umstrittene Messstation an der Friedrichstraße und die Ludwigsburger Pro-Diesel-Demonstranten. Foto: Holm Wolschendorf/Ramona Theiss
Oberbürgermeister Werner Spec im Gespräch mit den Demonstranten.
Oberbürgermeister Werner Spec im Gespräch mit den Demonstranten.

Ludwigsburg. Gelbe Westen, Trillerpfeifen und Plakate. Mehr als 200 Menschen stehen gestern pünktlich um 16 Uhr zum Abmarsch auf dem Rathaushof bereit. Es soll Ludwigsburgs erste Pro-Diesel-Demo werden. Auf den Plakaten steht: „Keine Dieselfahrverbote in Ludwigsburg“ oder „Keine Fein-staub-/NO-DUH-Lügentote.“

Initiator der Demonstration ist der 72-jährige Dieter Seipler. Der promovierte Physiker war acht Jahre Vorsitzender des Autozulieferers Mann+Hummel. Er ärgert sich vor allem über den Standort der Messstation in der Friedrichstraße. Der entspreche nicht den Vorschriften.

Über die Seestraße setzt sich der Demonstrationszug in Richtung Friedrichstraße in Bewegung. Immer wieder hört man Trillerpfeifen. Manchmal skandiert die Menge kurz und fast schüchtern: „Keine Dieselfahrverbote in Ludwigsburg.“ Die Karlstraße und die Leonberger Straße werden abgesperrt. Auch über die Friedrichstraße geht es nur unter Polizeischutz.

Kundgebung an der Friedrichstraße

Seipler hat für den Protest sein ehemaliges geschäftliches Umfeld mobilisiert und Vertreter von Autoindustrie, IHK und Südwestmetall angeschrieben. Auf der Demonstration sind viele Handwerker in voller Montur zu sehen und auch einige Politiker von FDP und CDU. Der Rest sind normale Bürger, die ein Dieselauto fahren und dies auch weiterhin tun wollen.

Die Kundgebung findet direkt an der Kreuzung Hohenzollern-/Friedrichstraße statt. Allerdings auf der Hohenzollernstraße, damit der Verkehr auf der Friedrichstraße weiterfließen kann. Die umstrittene Messstelle ist von hier aus in Sichtweite. „Wir wollen nicht weiter hinnehmen, dass grüne Umweltaktivisten willkürlich Grenzwerte festlegen“, sagt Seipler. „Weg mit den unsinnigen Grenzwerten für Feinstaub und Stickoxid“, skandiert er. Der Ort für die Messstation sei nicht richtig ausgewählt. Da er an eine Hausecke liege, sei keine Durchlüftung möglich. Seipler erwähnt auch die 100 Lungenfachärzte, die sich jetzt zu Wort gemeldet haben und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) widersprechen. Die Behauptung von Tausenden Toten durch Feinstaub und NO (Stickstoffdioxid) sei Quatsch. „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“

Zur Kundgebung gesellt sich auch Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec. Er verspricht: „Wir versuchen alles, um Fahrverbote in Ludwigsburg zu verhindern.“ Zudem gebe es Zweifel, ob die Messungen an der Station Friedrichstraße repräsentativ sind. Man werde daher Gespräche mit der Landesanstalt für Umwelt führen, die für die Messungen zuständig ist. Die Messstationen im Umfeld würden nämlich alle die Grenzwerte nur leicht überschreiten oder sogar unterschreiten.

Linksextreme fotografieren die Demo

Dieter Seipler und seiner Initiative ProDiesel bietet Spec eine breite Zusammenarbeit an. „Wir dürfen die Autofahrer nicht verteufeln.“ Die Region lebe von der Autobranche, jetzt gelte es auf neue Technologien zu setzen, den Öffentlichen Nahverkehr und den Radverkehr auszubauen, um die Luftqualität weiter zu verbessern. Spätestens Ende 2020 werde Ludwigsburg auch an den am stärksten belasteten Stellen die Grenzwerte unterschreiten, verspricht der Oberbürgermeister.

Unter den Demonstranten ist auch Ulrich Kraft, Inhaber des Handwerksunternehmens Arta. „Das ist meine erste Demo im Leben.“ Seiner Meinung nach haben es Sachargumente in der Diskussion derzeit schwer. Daher sei dieses Zeichen des Bürgertums auch so gewichtig. Jahrelang habe man Dieselautos als umweltfreundlicher angepriesen, ärgert er sich. Seine Haltung zu den überschrittenen Grenzwerten an der Friedrichstraße lautet: „Die Messstation steht an der schlechtesten Stelle der Stadt.“ Offenbar gehe es dem Land derzeit zu gut. Denn immer, wenn es ihm zu gut gehe, „dann drehen wir durch“.

Am Ende geht es zurück zum Rathaushof. Seipler ist zufrieden mit seiner ersten Pro-Diesel-Demo. „Ich bin überrascht über die vielen Teilnehmer, die ihrer Empörung Ausdruck gegeben haben.“ Ab sofort sollen jetzt jeden Freitag im Februar und März Demonstrationen stattfinden.

Parteien halten sich, wie von Seipler gefordert, auf der Kundgebung zurück. Trotzdem mischt sich ein Trupp von Linksextremen unter die Demonstranten und „überwacht“ das Geschehen. Mindestens vier von ihnen haben Fotoapparate dabei, mit denen sie unentwegt alle Teilnehmer – offenbar auf der Suche nach AfD-Mitgliedern – abfotografieren. Bei den Demonstranten sorgt das für Verunsicherung aber auch Ärger. Am Ende muss sogar die Polizei einschreiten.

Autor: