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Medizinische Versorgung

Augennotfälle müssen nach Stuttgart

Zum 1. Juli wurde der augenärztliche Notfalldienst für den Kreis Ludwigsburg nach Stuttgart verlagert. Alle Patienten, die abends oder am Wochenende Probleme mit ihren Augen haben, müssen jetzt bis ins Katharinenhospital fahren. Einige Augenärzte haben dagegen Widerspruch eingelegt – vergebens.

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Bei Notfällen am Wochenende müssen Augenpatienten seit Juli ins Katharinenhospital.Foto: dpa

Ludwigsburg. Augenpatienten aus dem Landkreis – vor allem aus dem nördlichen – müssen sich bei Notfällen auf längere Fahrzeiten einstellen. War bisher am Wochenende und abends immer mindestens eine Augenarztpraxis im Kreis für Notfälle geöffnet, hat die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) den augenärztlichen Notfalldienst nun zum 1. Juli in Stuttgart zentralisiert. Die Augenklinik am Katharinenhospital ist jetzt für die gesamte Region Stuttgart und damit für über zwei Millionen Bürger zuständig.

Für den Ludwigsburger Augenarzt Dr. Thomas Lange ist das eine unhaltbare Situation. „Das gibt es in keiner Ballungsregion in Deutschland“, sagt er. Lange sieht eine wesentliche Verschlechterung für die Patienten. Nur unter optimalen Verkehrsbedingungen – also nur nachts oder an Feiertagen – könnten es Patienten aus allen Gebieten des Landkreises schaffen, in den vorgesehenen 20 bis höchstens 30 Minuten in der Notfallpraxis am Katharinenhospital zu sein. Im Normalfall müsse mit Fahrzeiten von bis zu einer Stunde gerechnet werden.

In seinem Widerspruch, der allerdings vor wenigen Tagen so wie die Widersprüche anderer Augenärzte von der KVBW zurückgewiesen wurde, führt Lange weitere Argumente gegen die Umstrukturierung auf. So sei es für die Augenärzte einfacher und effektiver, die Notfalldienste in ihren eigenen Praxisräumen auszuüben, anstatt in den für sie fremden Räumen in der Notfallpraxis am Katharinenhospital. Auch die langen Anfahrtswege für die Ärzte aus dem Kreis bemängelt Lange. Zudem ärgert er sich, dass ein seit Jahren funktionierendes Angebot einfach aufgelöst werde.

Seit 1999 hat sich die Praxis von Dr. Lange um die Organisation des Notfalldienstes im Kreis Ludwigsburg gekümmert. Etwa 26 Augenärzte haben sich im Wechsel die Aufgabe geteilt, auch nach 18 Uhr und vor allem am Wochenende für Patienten bei einem Augennotfall da zu sein. Laut Thomas Lange suchten zuletzt unter der Woche täglich etwa 20 bis 25 Patienten Hilfe, am Wochenende täglich zwischen 30 und 40 Patienten. Eigens für den Ludwigsburger Augennotdienst wurde eine eigene Internetseite aufgebaut. „Uns ging es darum, die Patienten möglichst gut zu versorgen“, sagt Lange. Der Ludwigsburger Augenarzt ist auch darüber empört, dass eine unlängst von der KVBW organisierte Befragung unter Ludwigsburger Augenärzten einfach ignoriert wurde. „Die Augenärzte haben sich bei dieser Befragung mehrheitlich für die Beibehaltung eines eigenen Notfalldienstbezirks für den Kreis Ludwigsburg ausgesprochen.“

Die KVBW betont gegenüber unserer Zeitung, dass es sich bei der Neuorganisation des augenärztlichen Notfalldienstes keinesfalls um ein Einsparprogramm handle. Der Sprecher der KVBW, Kai Sonntag, sieht gleich mehrere Vorteile in dem Umzug. Zum einen würden die Augenärzte deutlich entlastet. Waren sie bisher bis zu 17 Mal pro Jahr mit dem Notdienst dran, müssten sie künftig nur noch zwei bis drei Dienste im Jahr in der Notfallpraxis am Katharinenhospital ableisten. Laut Sonntag gebe es eben auch viele Ärzte, die keine Lust auf die Zusatzdienste hätten, und daher froh über die Neuorganisation seien. In der Vergangenheit ist es laut der KVBW auch schon vermehrt zu Ausfällen gekommen, weil Ärzte krank wurden oder sich um ihre Kinder kümmern mussten. „Bei einem weiteren Absinken der Teilnehmerzahl wäre die Durchführung des augenärztlichen Notfalldienstes Ludwigsburg nicht mehr sichergestellt“, heißt es bei der KVBW.

Die Patienten aus dem Kreis hätten auch schon zuvor teilweise eine lange Anfahrt gehabt – etwa, wenn die diensthabende Notfallpraxis in Vaihingen oder Besigheim lag, meint Sonntag. „Der Vorteil, den die Patienten jetzt haben, ist, dass sie nicht mehr recherchieren müssen, wer gerade Notfalldienst hat“, sagt Sonntag. Zudem werden in der Augenklinik alle Untersuchungen angeboten. Schwere Fälle wie gefährliche Augenverletzungen seien sowieso ein Fall für die Notaufnahme im Katharinenhospital und nicht für die Notfallpraxis. „Da sollte man dann aber einen Rettungswagen rufen.“

Laut Sonntag hat die Notfallpraxis, in der neben Ludwigsburg auch Stuttgart und alle anderen umliegenden Kreise versorgt werden, freitags von 16 bis 22 Uhr und am Wochenende von 9 bis 22 Uhr geöffnet. Unter der Woche sollen die Patienten die zentrale augenärztliche Notfallnummer wählen, der diensthabende Arzt werde mit ihnen dann besprechen, was zu tun ist.