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Güterschuppen

Aus für Bürgerprojekt

Die Bürgerinitiative „Güterschuppen Gleis 1“ in Freiberg ist mit ihrem Projekt gescheitert, in dem historischen Gebäude am Bahnhof eine Gastronomie samt kultureller Begegnungsstätte einzurichten. Die eigenen finanziellen Mittel reichen nicht aus. Jetzt hat auch der Gemeinderat eine weitere finanzielle Unterstützung in sechsstelliger Höhe abgelehnt.

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Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Bereits im Dezember hat die Bürgerinitiative die Stadträte auf eine Finanzierungslücke in Höhe von rund 500 000 Euro aufmerksam gemacht. Wie bereits mehrfach berichtet, sollte die Finanzierung über ein Genossenschaftsmodell erfolgen. Die Initiative hat die Räte darum gebeten, dass sich die Stadt zusätzlich zu den bereits zugesagten Fördermitteln von 250 000 Euro mit einem weiteren sechsstelligen Betrag an dem Projekt beteiligt. Doch dazu ließen sich weder die Verwaltung noch die Mehrheit des Gremiums hinreißen. „Die Stadt Freiberg bedauert außerordentlich, dass die angestrebte Genossenschaftslösung mangels Anteilzeichnern – und somit aufgrund der fehlenden Finanzmittel – nicht umgesetzt werden kann“, heißt es in einem Brief von Bürgermeister Dirk Schaible an Ulrich Müller, Projektleiter bei der Bürgerinitiative. Von Anfang an hätten Verwaltung und Gemeinderat signalisiert, dass sich die Stadt nicht über das angekündigte Maß finanziell an den Kosten beteiligen kann. Fast drei Jahre habe die Verwaltung den Güterschuppen für die Initiative freigehalten, damit sie das Vorhaben planen und finanzieren kann. Bis zum Ablauf der Reservierungsfrist am 31. Dezember 2016 habe die Stadt auf Mieteinnahmen in Höhe von mehr als 33 500 Euro verzichtet, um die Veranstaltungen der Reihe „Güterschuppen ungeschminkt“ zu ermöglichen. Auch die Kosten für Strom und Wasser – rund 2100 Euro – habe die Stadt getragen. In diesem „verhältnismäßig langen Zeitraum“ sei es der Initiative nicht gelungen, ausreichend Anteilszeichner zu gewinnen. Deshalb habe sich der Gemeinderat dazu entschlossen, „einem anderen Projektentwickler die Chance zu geben, das Vorhaben einer gastronomischen Nutzung des Güterschuppens zu realisieren“, so Schaible. Bereits vor zwei Wochen signalisierte der Bürgermeister unserer Zeitung gegenüber, dass es Mitbewerber für den Güterschuppen gebe.

Bei Ulrich Müller ist die Enttäuschung über das Aus des Güterschuppen-Projekts groß. „Wenn die Stadt als Leuchtturm eingestiegen wäre, hätten das weitere Anteilszeichner auch gemacht“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Teil des sechsstelligen Betrags hätte in Anteilsscheine für die geplante Bürgergenossenschaft umgewandelt werden können. Diese Anteilsscheine hätten im Laufe der Zeit an weitere Anteilszeichner abgegeben werden können. „Damit wäre eine Refinanzierung für die Stadt Freiberg sichergestellt gewesen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Initiative zum Gemeinderatsbeschluss. Die Entscheidungsträger hätten im Güterschuppen-Projekt weder eine Stärkung des Gemeinwohls noch einen ideellen Zugewinn „an Gemeinschaftssinn, Kultur, Kleinkunst und bürgernaher Gastronomie“ gesehen. Vielmehr hätten Verwaltung und Stadträte das Vorhaben „nur fiskalisch“ bewertet.

Für die Sanierung des Schuppens und seinen Umbau zu einer Ganztagsgastronomie hätte die Bürgerinitiative rund 1,35 Millionen Euro benötigt. Mit 500 Anteilen zu je 1000 Euro wurde allerdings nur die Hälfte von dem gezeichnet, was die Initiative anvisiert hatte. Da reichten auch die 250 000 Euro an Fördergeldern nicht aus. Waren die 1000 Euro pro Anteil zu hoch angesetzt? Laut Ulrich Müller definitiv nicht: „Beim Bürgerbahnhof Leutkirch im Allgäu hat das schließlich auch funktioniert.“ Das Geld werde den Anteilszeichnern „zeitnah inklusive Zinsen“ zurückbezahlt.

Mit dem Aus des Güterschuppen-Projekts steht auch die Reihe „Güterschuppen ungeschminkt“ auf der Kippe. Nach 35 Veranstaltungen mit rund 4200 Besuchern sucht der Kulturverein Freiberg, dem sich die Initiative angeschlossen hat, jetzt dringend nach einem neuen Veranstaltungsort. Nur wenn der gefunden wird, können auch weiterhin Bands aus der Region in Freiberg auftreten. Wie es um die Zukunft des Güterschuppens bestellt ist, bleibt ebenfalls abzuwarten. Der Gemeinderat hat entschieden, einem privaten Investorenteam eine Reservierungsfrist von einem halben Jahr für die Entwicklung eines alternativen Nutzungskonzepts für das historische Gebäude einzuräumen.