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Jubiläum

Aus Liebe zu Ludwigsburg ist sie für immer geblieben

Am 2. November 1980 ist Diana Kölz mit einem Austauschprogramm von England nach Ludwigsburg gekommen. Sie hat sich in die Barockstadt verliebt und wollte nie wieder weg. Heute feiert sie 40 Jahre als Ludwigsburgerin. Zu diesem Anlass hat sie der Stadtverwaltung und allen, die sie auf ihrem Weg bisher begleitet haben, einen Dankesbrief geschickt.

Diana Kölz bezeichnet sich selbst als „Britin im Schwobaländle“. Foto: privat
Diana Kölz bezeichnet sich selbst als „Britin im Schwobaländle“. Foto: privat

Ludwigsburg. Das Wort „Danke“ ist für Diana Kölz wichtig. Sie benutzt es häufig gegenüber der Kassiererin im Supermarkt. Der Müllabfuhr, die an ihrem Haus vorbei fährt, zeigt die Oßweilerin ihre Dankbarkeit mit Handzeichen. Und wenn sie am Kreisverkehr in Oßweil vorbeikommt und dort Stadtgärtner beim Gießen der vielen Blumen sieht, ruft sie ihnen zu: „Wir in Oßweil haben den schönsten Kreisverkehr von ganz Ludwigsburg!“

Diana Kölz ist ein lebensfroher Mensch, es macht sie glücklich, sich mit anderen auszutauschen und Menschen zum Lächeln zu bringen. Sie ist erst kürzlich 60 Jahre alt geworden, lacht laut und gerne. Ihren Schwarztee trinkt sie mit Milch und Zucker – wie es sich für eine Britin gehört. Wenn sie spricht, hört man ihrem Deutsch einen leichten britischen Akzent an, immer wieder mischt sie englische Sätze in das Gespräch, ab und zu spricht sie auch in astreinem Schwäbisch.

Ihre jüdischen Eltern mussten 1938 aus Deutschland fliehen

Diana Kölz ist in Leicestershire, einer Grafschaft im Herzen Englands aufgewachsen. Ihre Eltern, beide jüdischen Glaubens, mussten 1938 aus Deutschland fliehen und haben ihre Kinder in England zur Welt gebracht. Sie erzogen ihre Kinder weltoffen, Diana Kölz, ihre Schwester und ihr Bruder nahmen schon früh an verschiedenen Austauschprogrammen teil. Obwohl ihre Eltern untereinander kaum Deutsch sprachen, brachten sie den Kindern etliche Phrasen und kleine Unterhaltungen bei.

Ein Austausch war es auch, der Diana Kölz nach Ludwigsburg führte. 1980, mit 20Jahren, kam sie für einen sechsmonatigen Aufenthalt nach Deutschland. Teil des Programms war ein Sprachkurs in Stuttgart, den Rest der Zeit konnten die jungen Menschen aus Italien, Frankreich und England Arbeitserfahrungen sammeln.

Diana Kölz wohnte bei einer Gastfamilie in Pflugfelden. Eines der ersten Dinge, an die sie sich in Ludwigsburg erinnert, ist der Geruch nach Caro-Kaffee am Bahnhof. Arbeiten wollte sie unbedingt in einem Reisebüro. Also sei sie einfach in ein Reisebüro in der Innenstadt marschiert und habe nach Arbeit gefragt. Der Inhaber habe ihr gesagt, sie soll in zehn Tagen nochmals kommen. „Er dachte wahrscheinlich, dass ich nicht noch einmal kommen würde.“ Doch falsch gedacht, zehn Tage später stand Diana Kölz wieder dort – und wurde eingestellt.

Zu Beginn habe es immer wieder Missverständnisse mit der deutschen Sprache gegeben. Einmal seien sehr viele Menschen im Reisebüro gewesen, am Telefon habe sie jemanden gehabt, der weiterverbunden werden wollte. Als Erklärung rief Diana Kölz ins Telefon: „Entschuldigung, hier sind gerade alle ganz voll.“ Während sie die Geschichte erzählt, lacht die 60-Jährige laut. „Da hat mir der Inhaber aber ganz schnell das Telefon aus der Hand gerissen.“

Nicht einmal ein halbes Jahr hat es bei Diana Kölz gebraucht, sich in Ludwigsburg zu verlieben. „Ich kam hier an und fühlte mich sofort wohl“, sagt sie. Es war Winter bei ihrer Ankunft und sehr kalt. Diana Kölz erinnert sich genau an den Moment, an dem sie merkte, dass sie in Ludwigsburg bleiben möchte: Von ihrem Onkel hatte sie ihren ersten Walkman geschenkt bekommen. Damit lief sie durch die Stadt, Pink Floyd auf den Ohren, der Himmel blau, obwohl es Minustemperaturen hatte. „Mir war klar, hier möchte ich nie wieder weg“, sagt sie.

Nach Ende des Austauschprogramms mietete sie sich eine kleine Wohnung im Schlösslesfeld und hat Arbeit bei der amerikanischen Armee gefunden. Inzwischen arbeitet Diana Kölz als Englischlehrerin bei der Volkshochschule und bei Firmen sowie als Übersetzerin und wohnt in Oßweil.

2008 hat sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Sie habe unbedingt wählen wollen, erklärt sie. „In gewissem Sinn habe ich meine Familie wieder nach Hause gebracht“, sagt die 60-Jährige, in Gedanken bei ihren Eltern, die vor den Nazis aus Berlin und Mannheim fliehen mussten. „Ich wäre nicht hier, wenn ich irgendeinen Groll hätte“, sagt sie. „Aber es darf nie vergessen werden, was passiert ist.“

Irgendwann hat auch der Kartoffelsalat von Diana Kölz „gschwätzt“

Kurz nach ihrer Ankunft in Ludwigsburg lernte sie ihren späteren Mann kennen, die erste Verabredung ging ins Blühende Barock. Die beiden heirateten, bekamen zwei Töchter und Diana Kölz lernte jeden Tag Neues über das Leben im Schwabenland. „Meine Schwiegermutter hat immer davon geredet, dass der Kartoffelsalat schwätzen muss“, erzählt sie. Verstanden hat die Britin das nicht: Ein Salat könne doch nicht reden. Jahre später habe die Schwiegermutter gesagt: „Jetzt endlich schwätzt dein Kartoffelsalat.“ Da habe Diana Kölz verstanden, dass damit das schmatzende Geräusch gemeint ist, das ein „echt schwäbischer Kartoffelsalat“ machen muss. „Und bloß keine Mayonnaise rein“, erinnert sie sich an einen anderen Tipp ihrer Schwiegermutter.

Inzwischen ist Diana Kölz geschieden, doch die Liebe zu Ludwigsburg ist geblieben. „Es gibt wirklich nichts, was mir hier nicht gefällt“, sagt sie. Es gebe viel Kultur, viele Vereine, sie lebe in einer tollen Nachbarschaft, zum Einkaufen gehe sie gerne in die Wilhelmgalerie. Außerdem kümmere sich die Verwaltung um die Stadt. „Mal ist man damit einverstanden, mal eben nicht“, fügt sie hinzu. Wenn Diana Kölz über die Weihnachtszeit in Ludwigsburg und die beleuchteten Engel spricht, fangen ihre Augen an zu strahlen.

Sprache und Mentalität der Schwaben faszinieren die gebürtige Britin

Nicht nur Ludwigsburg, die Schwaben an sich haben es ihr angetan. „Das ganze Land lacht über die Schwaben und ihre Kehrwoche“, sagt sie. Aber das bedeute doch nur, dass man sich „im Ländle“ kümmere. Um den Flur oder den Gehweg genauso wie um die Mitmenschen. Erstaunlich war für sie zu sehen, wie hart und produktiv die Schwaben arbeiten. „Gleichzeitig feiern sie so gerne“, sagt Diana Kölz. Immerzu gebe es in Ludwigsburg Feste – zumindest in Jahren, in denen keine Pandemie Veranstaltungen unmöglich macht. „Worte wie Hocketse begeistern mich total“, sagt die 60-Jährige.

Doch mit einer Sache kann sie sich nach 40 Jahren in Baden-Württemberg noch immer nicht anfreunden. Mit der schwäbischen Aussage: „Net bruddeld isch globt gnuag“. Diana Kölz ist der Meinung, dass man nie genug loben und danken kann. Das zeige die Wertschätzung dem anderen gegenüber.

Deshalb hat sie anlässlich ihres Jubiläums in Ludwigsburg einen Dankesbrief geschrieben. Dieser ging nicht nur an die Stadtverwaltung, sondern an alle, die sie bisher hier begleitet haben. Doch mit dem Brief möchte sich Diana Kölz nicht nur bei Wegbegleitern bedanken. „Ich möchte damit alle inspirieren, die auch aus fremden Ländern nach Ludwigsburg kommen“, sagt sie. Ja, man müsse die Sprache lernen und hart arbeiten. Ja, es gebe einige Regeln zu beachten. Ja, es seien hohe Steuern zu bezahlen. Aber dafür kriege man auch etwas zurück. „Auch wenn es nur die schönen Blumen am Oßweiler Kreisverkehr sind.“

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