Logo

frostschäden

Ausfälle gehen in die Millionen

Große Ernteeinbußen im Obst- und Weinbau — Minister Hauk: Jahrhundertfrost führt zu Katastrophe bei Landwirten

350_0900_15732_CONEne_fs2x.jpg
Erfroren: Viele junge Triebe an den Rebstöcken haben die Nachtfröste nicht heil überstanden.Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. „Der Frosteinbruch in den Nächten vom 19. bis 21. April 2017 hat den Wein- und Obstbau im Land und die Landwirtschaft schwer getroffen. Im Vergleich zum Frostjahr 2011 ist landesweit von einem drei- bis viermal höheren Schaden auszugehen.“ Dies sagte gestern der Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, MdL, in Stuttgart. Zwar wird der gesamte Schaden erst in einigen Wochen sichtbar und bezifferbar sein. „Wir müssen aber heute bereits von einem dreistelligen Millionenbetrag ausgehen.“ Bei diesem Ausmaß können wir von einem Jahrhundertfrost sprechen, der zu einer Katastrophe für unsere Winzer und Landwirte geführt hat“, sagte er. Damit seien viele Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Ähnlich massive Schäden habe es zuletzt im Jahr 1981 gegeben.

„Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand ist die erst Bilanz verheerend. Landesweit sind rund 7000 Hektar Reben sehr stark geschädigt. Hinzu kommen 6000 Hektar obstbauliche Flächen und Ackerkulturen mit starken Schäden“, so der Minister.

Derzeit werden Möglichkeiten geprüft, um die betroffenen Bauern finanziell zu unterstützen. Wie eine Ministeriumssprecherin sagte, hält Hauk neben steuerlichen Erleichterungen weiterhin Ausgleichszahlungen für möglich. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte in Stuttgart, dass sich das Kabinett mit der Frage befassen und seine Entscheidung aufgrund der Gegebenheiten treffen werde. Das Ausmaß der Schäden müsse noch geprüft werden, meinte er.

Rund 7000 Hektar der insgesamt 28 000 Hektar Weinbauflächen im Land weisen starke Schäden bis hin zu Totalschäden auf. Von den 11 000 Hektar Kernobst (Apfel, Birne) im Land gelten 2500 Hektar als sehr stark geschädigt. Darüber hinaus weisen nahezu alle Flächen im Land Teilschäden auf. Bei den teilgeschädigten Flächen ist eine Ertragsverlustprognose zurzeit noch nicht möglich. Von den rund 4000 Hektar Steinobst (Kirsche, Zwetschge) sind rund 3000 Hektar sehr stark beschädigt. Von den rund 1700 Hektar Strauchbeeren (Johannisbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren) sind rund 50 Prozent stark geschädigt.

„Zurzeit prüfen wir alle Möglichkeiten zur Hilfestellung auf Landes- und Bundesebene. Ich habe deshalb bereits ein Schreiben an die Finanzministerin übermittelt mit der Bitte, steuerliche Erleichterungen für die vom Frost geschädigten Betriebe zu ermöglichen“, so Hauk.

Ebenso wurde die Landwirtschaftliche Rentenbank gebeten, das dortige Liquiditätshilfeprogramm für alle frostgeschädigten Betriebe zu öffnen. Die Weinbaubetriebe können außerdem im Jahr 2017 noch einmal Anträge auf die Umstrukturierung ihrer Rebflächen stellen und total geschädigte Weinberge roden und im Rahmen des bestehenden EU-Förderprogramms neu anpflanzen.

Bereits am Montag hatte der Präsident des Weinbauverbands Württemberg, Hermann Hohl, auf weitaus höhere Schäden als 2011 spekuliert. Laut Agrarministerium sind in diesem Jahr landesweit rund 7000 von 28 000 Hektar Weinreben sowie 6000 von 11 000 Hektar Obstbauflächen stark geschädigt. In vielen Gebieten gebe es Totalausfälle, sagte der Präsident des Badischen Weinbauverbands, Kilian Schneider: „Nur wenige haben keine Schäden gemeldet.“(red/lsw)