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Schadstoffe

B 27 als überregionaler Problemfall

Dramatische Zahlen für Ludwigsburg: Die Stickstoffdioxid-Werte in der Schlossstraße sind nicht wie in allen anderen Städten gesunken. Damit droht weiterhin ein Fahrverbot. Freuen können sich Stuttgart, Heilbronn und Reutlingen.

In der Schlossstraße gibt’s mehr Verkehr als auf mancher Autobahn. Archivfoto: Holm Wolschendorf
In der Schlossstraße gibt’s mehr Verkehr als auf mancher Autobahn. Foto: Holm Wolschendorf

Wie berichtet, konnten in den baden-württembergischen Städten die Schadstoffbelastungen deutlich gesenkt werden. Allein Ludwigsburg liegt an der Schlossstraße noch über dem zulässigen Grenzwert – trotz Tempo 40 und einer neuen Busspur, die dazu beitragen sollten, die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO) zu verringern. Ein Schlag ins Kontor der Ludwigsburger Verkehrspolitik.

Der Mobilitätsbürgermeister ist im Urlaub, der OB hat andere wichtige Termine, wie die Presseabteilung mitteilt – später meldet er sich doch noch, geht es doch nach wie vor um ein drohendes Fahrverbot, wenn der Grenzwert weiterhin überschritten wird. Matthias Knecht betont, dass der Wert ein Ansporn ist, weiter an der Mobilitätswende zu arbeiten, auch wenn es keine Deadline für die Einhaltung des Grenzwertes gibt. Im Laufe des Jahres 2022 soll dies erreicht werden, „sonst bekommen wir rechtliche Probleme“.

Dabei setzt die Stadt vor allem auf die Filtersäulen, die die Belastung deutlich senken sollen. Mit ihnen soll der Jahreswert, der erst im Frühjahr 2022 vorliegen wird, auf die Höhe des Grenzwertes von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter gedrückt werden. „Ein Dieselfahrverbot wäre dann unverhältnismäßig“, teilt die Verwaltung mit. Das Problem, dass die Grenzwerte bislang nicht unterschritten werden, sei „kein Thema des Ludwigsburger Stadtverkehrs allein“, stellt Knecht fest. Die B27 sei eine überregionale Zufahrtsstraße nach Stuttgart mit einer Verkehrsbelastung von über 60000 Fahrzeugen pro Tag.

„Wir tragen damit eine große Last für die ganze Region“, betont Knecht. Dieser überregionale Charakter der B27 unterscheide Ludwigsburg von anderen Städten. Das mache die Luftreinhaltung schwierig, und wenn Menschen aus der Region wegen Corona verstärkt aufs Auto setzten, wirke sich dies auf die Schadstoffbelastung aus, so die Verwaltung.

Diese Straße durch die Innenstadt habe eine Verkehrsbelastung, die viele Autobahnabschnitte nicht haben, teilt die Pressestelle mit. Womit ein wunder Punkt getroffen ist, denn andere Städte haben bereits Umgehungsstraßen vom Bund finanziert bekommen, wenn sie viel weniger Verkehr hatten.

Für Knecht ist dies Anlass, den B27-Tunnel erneut auf den Schirm zu heben. Er sei zwar kein Allheilmittel, würde aber die Schadstoffbelastung an der Schlossstraße verringern und wäre auch ein Gewinn für den Radweg zwischen Innenstadtcampus und Oststadt. Dieser ist der am stärksten frequentierte Radweg, der von der B27 durchschnitten wird. „Wir müssen mit Bund und Land über die Untertunnelung reden, und zwar von der Schlossstraße bis hoch zum Forum.“

Um die NO-Belastung zu senken, müsse auch die B27 entlastet werden, beispielsweise indem der Verkehr aus Nordwesten vermehrt über die A81 und die B10 geleitet wird. Knecht denkt an eine Pförtnerampel am Stadteingang bei Eglosheim, die es jetzt schon gibt und deren Taktung „verschärft“ werden müsse. Auch andere Städte versuchen, mit solchen Mitteln die Verkehrsbelastung zu reduzieren.

Nach wie vor wird ein Lkw-Durchfahrtsverbot diskutiert, auch hier sei man mit dem Regierungspräsidium im Gespräch. Als Beispiel dient ihm Ulm, wo es längst ein solches Durchfahrtsverbot gibt. Man dürfe jetzt nicht nur auf Ludwigsburg schauen, sondern müsse auch andere Kommunen, ebenso wie Landkreis, Region Stuttgart und das Land in die Diskussion einbeziehen. „Denn drastische Maßnahmen in Ludwigsburg haben Auswirkungen auf die Kommunen um Ludwigsburg herum und den Verkehrsfluss in der Region.“

Die Stadt will trotz allem an ihrem Ziel festhalten, schrittweise die Luftqualität zu verbessern. „Auch wenn die bisher getroffenen Maßnahmen alleine nicht ausreichen, ist jede Maßnahme – ob Busspur oder Parkraumbewirtschaftung – ein Beitrag für saubere Luft“, teilt die Stadt mit. Diese Maßnahmen seien zudem ein Baustein der Mobilitätswende.

Die Stadt werde alle Maßnahmen treffen, um die Luftqualität zu verbessern, und die Lebensqualität der Menschen in der Stadt erhöhen, lässt OB Knecht mitteilen. „Wir werden weiterhin auf Elektromobilität setzen, wir werden die Rad-Infrastruktur weiter ausbauen und wir werden uns für eine lebenswerte Innenstadt mit weniger Autos einsetzen.“

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