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Verkehr

Bald schöne digitale Weststadt?

Mit 1,15 Millionen Euro aus Berlin will die Stadt in die digitale Parksteuerung in der Weststadt einsteigen. Für das verkehrsbelastete Quartier bietet die Förderung für saubere Luft die Chance, in Sachen Parkraumkonzept für die Anwohner endlich einen Schritt weiterzukommen.

Die Weststadt: Ein dichtes Nebeneinander von Wohngebieten und einem Gewerbestandort, der täglich von Hunderten Mitarbeitern angesteuert wird.Foto: Werner Kuhnle
Die Weststadt: Ein dichtes Nebeneinander von Wohngebieten und einem Gewerbestandort, der täglich von Hunderten Mitarbeitern angesteuert wird. Foto: Werner Kuhnle

Ludwigsburg. Sensoren an Laternenmasten erkennen, wo Parkplätze im öffentlichen Raum frei und wo sie belegt sind. Zusammen mit denselben Infos aus Parkhäusern wandern die Daten in einen zentralen Rechner, neudeutsch auch Smart-City-Cloud genannt. Dort werden die Belegt-Frei-Informationen verarbeitet und an die Autofahrer weitergeleitet: Die sollen dann nur noch dorthin fahren, wo es freie Parkplätze hat – also wird der Suchverkehr weniger und damit der Ausstoß von Schadstoffen. Das ist die Idee hinter einem digitalen Parktraummanagement, wie es die Stadt Ludwigsburg in der Weststadt aufbauen will.

Dafür hat die Bundesregierung aus ihrem „Sofortprogramm Saubere Luft“ jetzt 1,15 Millionen Euro gewährt (siehe auch Infobox). Mindestens genau so viel muss die Stadt als Eigenanteil selbst beisteuern. Ein Kernpunkt dieser Verkehrslenkung ist der Aufbau von 50 digitalen Hinweisschildern an den Straßen. Denn bisher sind nur wenige Autos technisch so ausgestattet, dass sie derartige Daten direkt im Bordcomputer empfangen können. Und bis es so weit ist, dass alle Autos über diese von den Fachleuten Car2X-Kommunikation genannte Technologie verfügen, wird es noch Jahre dauern. Deshalb also noch die digitalen Hinweistafeln am Straßenrand, deshalb ist auch eine App für das Mobiltelefon geplant.

Aus dem öffentlichen Straßenraum gefüttert wird das System von Sensoren an Laternenmasten. Baubürgermeister Michael Ilk, der den Förderbescheid am vergangenen Freitag in Berlin abgeholt hat, spricht von „intelligenten Straßenleuchten“. Diese unterscheiden hell und dunkel und sollen in einem gewissen Radius erkennen, wenn ein Parkplatz belegt ist.

In der Weststadt gibt es knapp 1000 Parkplätze in Parkhäusern, darunter etwa die Arena-Tiefgarage. Dazu kommen rund 2500 Parkplätze im öffentlichen Straßenraum. Für die einerseits mit immer neuen Arbeitsplätzen boomende, andererseits unter Parkdruck ächzende Weststadt ist die Lenkung auf freie Parkplätze im öffentlichen Straßenraum ein zweischneidiges Schwert. Denn von einer Parkraumbewirtschaftung mit Anwohnerparken ist sie weit entfernt. Das dynamische Park- und Verkehrslenkungssystem könnte aber auch die Chance bieten, einem eigenen Parkraumkonzept endlich einen Schritt näher zu kommen.

Denn die Hinweisschilder, mit denen die Autofahrer zu freien Parkplätzen geleitet werden sollen, müssen nach Ansicht von Ilk mit einem Bewirtschaftungskonzept samt Anwohnerparken gekoppelt werden. Die Autofahrer zu den letzten kostenfreien Parkplätzen zu leiten, sei jedenfalls widersinnig. „Wir müssen unsere Wohngebiete schützen.“

Langfristig werde es wohl in keinem Gebiet der Stadt mehr kostenfreie Parkplätze geben können, so Ilk. Wie berichtet, fordert die verkehrsgeplagte Südstadt seit längerem großflächig Anwohnerparken, in der Oststadt ist die Bewirtschaftungszone ausgeweitet worden. Das Problem Ausweichverkehr ist bekannt. Ilk: „Der Druck ist sehr groß.“ Die Oststadt habe gezeigt, dass die Jagd nach einem freien Parkplatz zu großem Ausweichverkehr führe. Aktuell sorgt die Parkplatzfrage beim geplanten Neubaugebiet Fuchshof für heiße Diskussionen.

Ein konkretes Datum für die Umsetzung des digitalen Systems in der Weststadt gibt es noch nicht, aber im Frühjahr 2019 soll laut Baubürgermeister Ilk der Aufbau der technischen Ausstattung beginnen. Noch im Januar wolle man mit einem Parkraumkonzept Weststadt in den Gemeinderat gehen. Seit drei Jahren wird an einem solchen Konzept inklusive Befragungen der Autofahrer und Umfragen bei Firmen und Anwohnern getüftelt.

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