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Gewalttätige Konflikte

Banden-Gewalt: Polizei verschärft Gangart

Die Polizei beobachtet ein erneutes Aufflammen von gewalttätigen Konflikten zwischen Migrantengruppierungen – und will mit verstärkter Präsenz dagegenhalten.

Ludwigsburg. Mit einer deutlichen Verstärkung der polizeilichen Präsenz reagiert das Polizeipräsidium Ludwigsburg auf eine erneut zu beobachtende Verschärfung gruppenbezogener und gewalttätig ausgetragener Konflikte in der Ludwigsburger Innenstadt und weiteren Kommunen im Kreis Ludwigsburg.

„Wir werden es auf keinen Fall hinnehmen, dass Gruppierungen gleich welcher Färbung ihre Konflikte öffentlich austragen und dabei auch eine Gefährdung oder gar Schädigung unbeteiligter Dritter in Kauf nehmen“, erklärt Polizeipräsident Frank Rebholz. Zum Einsatz kommen eigene Kräfte mit Unterstützung des Polizeipräsidiums Einsatz sowie der intensiv geführten Aufklärungs- und Ermittlungsmaßnahmen von Schutz- und Kriminalpolizei.

„Wir mussten leider feststellen, dass auch eine ganze Reihe aus den bisherigen Ermittlungen resultierender Festnahmen nicht zu einer vollständigen Beendigung des Konflikts geführt haben“, ergänzt Rebholz. „Darum werden wir mit aller Entschiedenheit nachlegen, um diese gewaltbereite Szene möglichst nachhaltig auszutrocknen.“

Diese weiter verschärfte Gangart ist nicht unbegründet. Seit Anfang des Jahres registrierte das Polizeipräsidium allein in der Ludwigsburger Innenstadt fünf gewalttätige Auseinandersetzungen und drei weitere in Bietigheim-Bissingen, Kornwestheim und Stuttgart-Feuerbach. So war es am 16. April gegen 19 Uhr in der Ludwigsburger Fußgängerzone zu einem Zusammenstoß gekommen, an dem die türkisch-nationalistische Szene im Umfeld der Osmanen-Rockerbande beteiligt war. Es soll ein Schuss abgefeuert worden seien (wir berichteten). Bereits am Donnerstag, 19. April, war es gegen 22.20 Uhr in einem Imbiss am Schillerplatz zu einer weiteren gewalttätigen Auseinandersetzung gekommen. Ein 36-Jähriger wurde dabei von einem 27-Jährigen verletzt, der das Lokal zusammen mit mehreren Begleitern aufgesucht hatte. Bei der Auseinandersetzung soll neben einem Schlagstock möglicherweise auch Reizgas eingesetzt worden sein.

Der Tatverdächtige wurde zusammen mit vier Begleitern noch in Tatortnähe vorläufig festgenommen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurde er am Freitag dem zuständigen Haftrichter vorgeführt, der Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung erlassen und den 27-Jährigen in eine Justizvollzugsanstalt eingewiesen hat.

„Nach unseren Erkenntnissen liegen den feindseligen Auftritten unterschiedliche Motivlagen, mitunter auch gruppeninterne Streitigkeiten zugrunde, bei denen unterschiedliche, auch kriminelle Aktivitäten eine Rolle spielen können“, sagt Kriminaldirektor Frank Spitzmüller, der Leiter der Kriminalpolizeidirektion. „Wir werden unsere Ermittlungen bei derartigen Gewaltdelikten mit allem Nachdruck vorantreiben. Egal, ob sie innerhalb einer Gruppe stattfinden oder gegen andere Gruppierungen gerichtet sind.“

Bei den Migrantengruppen handele es sich vorwiegend, aber nicht ausschließlich um Türken und Kurden, so die Polizei. Die Straftaten seien nicht nur politisch motiviert. Bei den kriminellen Aktivitäten, möglicher Grund für die Auseinandersetzungen, ermittle die Polizei derzeit wegen Eigentumsdelikten und Rauschgifthandel, hieß es auf Nachfrage unserer Zeitung. (red/sts)