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Natur

Baumstümpfe sollen als Nistplatz dienen

Die Baumfällungen entlang der Landesstraße zwischen Kleinbottwar und Steinheim sorgen für Unruhe: Hier wurden massiv Eschen gefällt. Stehengeblieben sind Baumstümpfe in Höhe von ungefähr 1,50 Meter. „Warum?“, wundern sich viele Autofahrer.

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An der Kreisstraße zwischen Steinheim und Kleinbottwar wurden massiv Eschen gefällt. Die Stümpfe blieben stehen.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Der Grund für die Fällungen ist die Verkehrssicherheit. Das sogenannte Eschentriebsterben hat auch zahlreichen Bäumen auf Steinheimer Markung so schwer zugesetzt, dass sie gefällt werden mussten. Die Eschen werden seit geraumer Zeit durch einen Pilz massiv in ihrer Verbreitung und Entwicklung beeinträchtigt.

Eric Hirsch, der Umweltbeauftragte der Stadt Steinheim, erklärt: „Ist ein Baum betroffen, ist er nicht mehr zu retten. Im Frühstadium der Erkrankung treten an den Blättern bräunliche Verfärbungen auf. Im Sommer beginnen die infizierten Eschen auffällig zu welken. Die Infektion arbeitet sich von den Triebspitzen immer weiter in die Äste und den Stamm der Bäume vor. Durch den Befall werden die Eschen geschwächt und anfälliger für weitere Schädlinge sowie gegen Trockenheit oder Sturm. Dies wird an Straßen, Wegen und Plätzen zunehmend ein Problem.“ Ganz massiv trat dieses Problem an der K 1702 zwischen Steinheim und Kleinbottwar auf. Das Landratsamt Ludwigsburg forderte deshalb die Stadt und private Grundstücksbesitzer auf, geschädigte Bäume zu entfernen. Das erfolgte, zurück blieben die Stümpfe.

Im Bereich zwischen Ortsschild Kleinbottwar und alter Mühle befinden sich die Flächen in Privatbesitz. Der Eigentümer beauftragte eine Firma mit der Fällung. Dort waren, so erläutert Hirsch, die Eschen in den Zäunen verwachsen, weshalb die Firma nicht weiter an sie herankam. Im weiteren Verlauf der Straße handelt es sich um städtische Flächen, der Bereich des alten Steinbruchs gilt als Naturdenkmal – auch wegen der stattlichen Eschen, die hier wachsen.

In Abstimmung mit dem Landratsamt Ludwigsburg – und zwar mit dem Straßenbauamt und der Naturschutzbehörde – wurden hier die Stümpfe aus Naturschutzgründen stehengelassen. „Wo sonst, wenn nicht in einem Naturdenkmal?“, fragt Hirsch. Diese Stümpfe hätten eine hohe ökologische Wertigkeit, da sich hier viele Insekten einnisteten, die wiederum Nahrungsgrundlage für viele Vögel sind. Auch Spechte nutzen alte ausgehöhlte Bäume als Brutstätten. „Es sieht zwar nicht schön aus, aber es ist ökologisch sinnvoll“, sagt Hirsch. Zudem würden die Stümpfe auch wieder austreiben, wodurch der Anblick abgemildert werde.

Im Feuchtbiotop am alten Steinbruch wachsen nur Eschen, die unteren 40 bis 50 Bäume wurden aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt, die oberen am Hang werden irgendwann von selbst absterben. Wenn sie umfallen, landen sie aber nicht auf der Straße.