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robert-Franck-Schule

Besondere Beziehung besteht 25 Jahre

Seit 25 Jahren besteht der Schüleraustausch zwischen der Anne-Frank-Schule im nordisraelischen Sasa und der Robert-Franck-Schule Ludwigsburg. Dass es sich dabei um eine ganz besondere Partnerschaft handelt, ist bei der Feierstunde deutlich geworden.

Deutsche und israelische Schüler, Lehrer und Ehrengäste haben die 25-jährige Schulpartnerschaft in der Aula der Robert-Franck-Schule gefeiert. Foto: Ramona Theiss
Deutsche und israelische Schüler, Lehrer und Ehrengäste haben die 25-jährige Schulpartnerschaft in der Aula der Robert-Franck-Schule gefeiert. Foto: Ramona Theiss

Ehemalige Schüler und pensionierte Lehrer erinnerten sich an die Anfänge dieses Schüleraustausches, bei dem es zunächst darauf ankam, bestehende Vorurteile zu beseitigen. Zu den Gästen gehörten aber auch 16 Schüler der Partnerschule, die für zehn Tage zu Besuch sind.

„Der Austausch mit Israel ist zu einem festen Bestandteil des Schullebens geworden“, betonte Wolfgang Ulshöfer, Leiter der Robert-Franck-Schule. Seinen Dank richtete er an den Landkreis Ludwigsburg, der dieses Projekt seit vielen Jahren finanziell unterstützt.

Mit einem „Shalom“ begrüßte Landrat Dr. Rainer Haas die Besucher in der Schulaula. Die Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen, bildet seiner Meinung nach die Basis für Toleranz und Verständnis. Keineswegs klammerte Haas aus, dass es in Deutschland Probleme mit Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus gibt. „Wir müssen mehr denn je Schulter an Schulter stehen“, appellierte er an seine Zuhörer.

Stephan Franczak gehört zu den Schülern, die im Jahr 1996 an einem Schüleraustausch teilgenommen haben. Trotz intensiver Vorbereitung sei ein Kulturschock angesichts der vielen Eindrücke in dem fremden Land unvermeidbar gewesen, sagte. Nachhaltig beeindruckt habe ihn der Besuch der Stelle in Tel Aviv, an der wenige Monate zuvor, im November 1995, der frühere israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin ermordet worden war. Der 43-Jährige schilderte auch eine Szene in einer Discothek in Jerusalem, in der ein Soldat mit einem Gewehr auf dem Rücken getanzt habe.

Christoph Köhler, ehemaliger Lehrer der Robert-Franck-Schule, berichtete von einem ersten Kontakt zu dem Israeli Nahum Brandes, der als pensionierter Lehrer das Malen für sich entdeckt hatte. Im Zusammenhang mit einer Ausstellung in Sersheim besuchte der Israeli Anfang der 90er Jahre auch eine Klasse an der kaufmännischen Berufsschule. „Machen wir“, antwortete Christoph Köhler damals spontan auf den Wunsch der Schüler, nach Israel zu reisen. In Kreisrätin Erika Raupp und später in Hanne Kreuziger fand er engagierte Begleitpersonen.

Und so habe kurze Zeit später die erste Reise ins Obere Galiläa nach Sasa stattgefunden. Nachdem die Gruppe vor allem das Land und seine historischen Stätten besucht hatte, standen Begegnungen mit Familien auf dem Programm. Dabei trafen die deutschen Schüler auf Menschen, die ihre Kindheit in Deutschland verbracht hatten und nach Israel emigriert waren. Viele Gastgeber hätten gerne deutsche Volkslieder, die sie als Kinder gelernt hatten, mit den Besuchern gesungen, erinnerte sich Köhler. Doch die Jugendlichen kannten diese einfach nicht.

Christoph Köhler berichtete aber auch von der Ablehnung auf israelischer Seite: „Wenn ihr die jungen Leute nicht einladet, hat Hitler gewonnen“, zitierte Christoph Köhler einen Zeitzeugen, der das Naziregime noch miterlebt hatte.

Erst 1996 fand der erste Gegenbesuch aus Sasa statt. Zippy Noy von der Anne-Frank-Schule gehört zusammen mit Yarda Yatom zu den Initiatoren auf israelischer Seite. Viele Anfragen deutscher Schulen, die an einem Austausch interessiert gewesen waren, seien vorher abgelehnt worden. „In den 25 Jahren sind viele Beziehungen und Freundschaften entstanden“, sagte sie. Xavier Perez-Casarez umrahmte die Feierstunde am Piano. Der Beginn des diesjährigen Austauschprogramms fand im Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge Freudental (PKC) statt. Die Jugendlichen lernten sich spielerisch kennen, unter anderem beim gemeinsamen Jonglieren.

Am nächsten Morgen schaute sich die Gruppe die ehemalige Synagoge an. Die Fundstücke animierten zwei Israelis dazu, ihre eigenen Gebetsriemen und den eigenen Gebetsschal aus dem Gepäck zu nehmen und den Deutschen zu zeigen, wie man das jüdische Morgengebet spricht. Anschließend ging es auf den jüdischen Friedhof, wo sich Deutsche und Israelis gemeinsam in Tandems die hebräischen und deutschen Grabinschriften erschlossen.

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