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Beton und Wassertanks zum Schutz

Seit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016 haben die Veranstalter in Sachen Terrorabwehr aufgerüstet. Zwei Jahre später ist die erste Panik jedoch längst der organisierten Routine gewichen. Hier Wassertanks, dort Betonpoller, inklusive Polizeipräsenz. Die latente Gefährdungslage ist sichtbar, sorgt aber kaum mehr für Aufregung.

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Die Wassertanks warten befüllt darauf, als Blockade auf die Eberhardstraße gesetzt und dekoriert zu werden. Ab der Bärenstraße wird die Eberhardstraße erstmals gesperrt.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. „An der Sicherheitslage hat sich nichts verändert“, sagt Heinz Meyer, bei der Stadt zuständig für Sicherheit und Ordnung. Im Klartext heißt dies: Ein Terroranschlag ist jederzeit möglich, Erkenntnisse über eine Gefährdung darüber hinaus gibt es aber keine. „Außer den üblichen Sicherheitsvorkehrungen gibt es nichts Bedrohliches, das zu berücksichtigen wäre“, bestätigt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums.

 

Alle vier Zufahrten sind mit großen Wassertanks gesichert

 

Wenn am Dienstag, 27. November, um 19 Uhr der Ludwigsburger Weihnachtsmarkt eröffnet wird, gehören die obligatorischen Wassertanks an den Zufahrtsstraßen dazu. Die Obere Marktstraße ist mit sechs Doppeltanks à drei Tonnen gesichert, die Untere mit zwei wie auch die Zufahrt zur Asperger Straße. Erstmals wird die Eberhardstraße in Teilen gesperrt und mit vier Doppeltanks und Schranken auf beiden Seiten versehen – die zudem wie bereits vergangenes Jahr weihnachtlich dekoriert werden.

Wie Melanie Mitna von Tourismus & Events sagt, können Einsatzfahrzeuge im Slalom zum Ziel kommen, der Lieferverkehr für die Marktbeschicker ist von 6 Uhr bis 11 Uhr erlaubt. „Es ist gewährleistet, dass kein Fahrzeug einfach geradeaus fahren kann“, sagt die Veranstaltungsleiterin. Gestern habe die Feuerwehr die Veranstaltungsfläche abgenommen, die Anwohner seien informiert worden und gingen „gut mit der Situation um“.

Vorschriften gibt es in Sachen Terrorabwehr keine, Gespräche mit der Polizei im Vorfeld schon. Wie das Polizeipräsidium Karlsruhe mitteilt, „besteht nach wie vor eine hohe abstrakte Gefährdungsrelevanz“. Das führt dazu, dass beim Stuttgarter Weihnachtsmarkt, der morgen beginnt, an den Eingängen bewaffnete Polizisten postiert sind, auch sind Streifen in Zivil unterwegs – alleine schon, um Taschendiebstähle zu verhindern. Auch in Ludwigsburg werden Beamte in Uniform und auch Zivil patrouillieren, allerdings in weitaus kleinerem Maßstab. Hinzu kommen laut Fachbereichsleiter Meyer ein privater Sicherheitsdienst sowie Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdiensts.

Was in Ludwigsburg das Wasser, ist in Bietigheim der Beton: Wie Pressesprecherin Anette Hochmuth sagt, stehen wie vergangenes Jahr Betonpoller an beiden Seiten der Fußgängerzone, die von Einsatzfahrzeugen langsam umfahren werden können. Maßnahmen abgesehen von einer gewissen Polizei- und Sicherheitspräsenz werde es nicht geben: „Das ist bei uns kein Thema, dafür sind wir zu klein.“ Offiziell eröffnet wird der Weihnachtsmarkt am Donnerstag um 17 Uhr.

Gelassene Achtsamkeit auch auf den anderen Weihnachtsmärkten. In den größeren Städten im Südwesten ähneln sich die Sicherungsvorkehrungen: In Ulm, wo gestern die Glühweinsaison begonnen hat, verhindern Betonblocks die Zufahrt zum Münsterplatz, in Tübingen hat man aufgrund des hügeligen Terrains aber darauf verzichtet. „Damit würden wir auch unsere eigenen Rettungswege blockieren“, sagte Ordnungsamtsleiter Rainer Kaltenmark.

 

Die offiziellen Sicherheitskonzepte kommen ohne Kameras aus

 

Videoüberwachung und Zugangskontrollen gibt es bisher bei keinem Weihnachtsmarkt. In Freiburg hat dieser bereits seit vergangenem Donnerstag geöffnet, in Karlsruhe eröffnet heute der Christkindlesmarkt. Vor dem Schloss ist erneut die Eislaufbahn aufgebaut, auf die 2017 ein Anschlag geplant gewesen sein soll. „Große Behältnisse“ dienen laut der Karlsruher Marketing und Event GmbH als Blockaden, außerdem seien „nicht sichtbare“ Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.

So hat sich die Lage nicht groß verändert, die Reaktion der Marktbesucher auf die erkennbaren Einsatzkräfte schon, sagt auch Marcus Christen von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. „In den ersten Jahren sind die Leute erschrocken, als sie Polizisten gesehen haben. Jetzt freuen sie sich.“