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Südstadt

Bombensuche mit gutem Ausgang

Rund sieben Stunden hat es gestern gedauert, dann kam die Entwarnung: Die vermeintliche Bombe im Erdreich an der Bahnlinie ist ein alter Eimer. Für die Einsatzkräfte war die Organisation der möglichen Evakuierung auch eine Nagelprobe – die offensichtlich mit Bravour bestanden wurde.

Seit Sonnenaufgang hat die Kampfmittelräumfirma mit dem Bagger eine Grube neben dem Holzheizkraftwerk gebuddelt. Um 11 Uhr, als dieses Bild entstand, waren die Experten schon vier Meter tief gekommen. Danach ging es mit der Schaufel weiter. Der letzt
Seit Sonnenaufgang hat die Kampfmittelräumfirma mit dem Bagger eine Grube neben dem Holzheizkraftwerk gebuddelt. Um 11 Uhr, als dieses Bild entstand, waren die Experten schon vier Meter tief gekommen. Danach ging es mit der Schaufel weiter. Der letzte Meter zum Fundstück war mühsam: Der nasse Lehmboden erschwerte die Freilegung. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Erleichterung prägte die Pressekonferenz von Stadt und Einsatzkräften gestern Nachmittag um 16 Uhr: Gerade einmal eine Stunde zuvor hatte sich herausgestellt, dass der Metallgegenstand in sechs Meter Tiefe in der Südstadt keineswegs eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist – sondern ein alter Blecheimer und Eisenschrottteile.

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Bombe

Am Morgen ist die Lage noch ganz anders. Seit Sonnenaufgang gräbt die Kampfmittelräumfirma Zimmermann aus Thüringen mit dem Bagger an der Stelle, wo sie schon vor Weihnachten mit Sonden einen Metallgegenstand im Lehmboden entdeckt hatte. Um 11 Uhr stellt der Bagger die Arbeit ein, denn die letzten zwei Meter werden mit der Schaufel gegraben. Davor wird den Medien Zugang gewährt. Während der Kollege vom Radio reichlich motiviert live vom „Fundort der Bombe“ spricht, steht der Experte Mathias Peterle entspannt vor der Grube und sagt: „Gegen 14 Uhr wollen wir fertig sein.“ Es ist eiskalt, der Schneefall wird stärker.

Katastrophen-App funktioniert: „Entwarnung: Kampfmittelverdacht nicht bestätigt“

Ein bisschen später wird es, doch die Zweifel von Peterle, Entschärfer beim Kampfmittelbeseitigungsdienst, ob da unten tatsächlich eine Bombe liegt, sie bestätigen sich. Gegen 15.Uhr meldet die NINA-App des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nach draußen: „Entwarnung: Kampfmittelverdacht nicht bestätigt“. Erleichterung in der Einsatzzentrale des Krisenstabs in der Feuerwache, ebenso bei Oberbürgermeister Werner Spec in der späteren Pressekonfenz deutlich spürbar. Es sei erfreulicherweise nicht zum Ernstfall gekommen, sagt er und lobt die exzellenten Vorbereitungen. Über drei Wochen war Zeit, die mögliche Evakuation des Sperrgebiets von knapp einem Quadratkilometer vorzubereiten. Spec spricht von „großer Professionalität“ und einer „hervorragenden Kooperation“ aller Beteiligten.

Koordiniert hat Ben Bockemühl, Feuerwehrkommandant und damit Fachbereichsleiter für Feuerwehr und Bevölkerungsschutz. Die Organisation der riesigen Evakuierungsaktion war ein Novum: Vor zehn Jahren hatte es laut Erstem Bürgermeister Konrad Seigfried einmal eine Stabsübung gegeben, „vom Schreibtisch aus“.

Umso erfreuter war Bockemühl, der sich in den Dank an alle einreihte, über den Praxistest. „Die Übungen haben alle gegriffen.“ Ob die Vernetzung von Haupt- und Ehrenamt in der Feuerwehr, mit den Rettungsdiensten, der Polizei oder der Stadt. „Es war bei dem jungen Fachbereich schön zu sehen, dass alle Rädchen gut funktionieren.“ Denn erst mit dem Antritt Bockemühls im September 2018 waren Feuerwehr und Bevölkerungsschutz im Fachbereich vereint worden. Der Nutzen sei groß, sagte er. „Wir lernen aus Erfahrung.“

Erstmals kam dabei die mit bester Technik ausgestattete und neu eingeweihte Einsatzzentrale der Feuerwehr zum Tragen, die sich laut Bockemühl hervorragend bewährt hat. Insgesamt 500 Einsatzkräfte – 400 von Feuerwehr, THW und Rettungsdiensten sowie 100 von der Polizei – waren eingetaktet, um am Samstag die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte Ludwigsburgs zu stemmen. Im Sperrgebiet 500 Meter um den Fundort herum wären ein Altenheim, Firmen, ein Asylbewerberheim sowie 1000 Wohnungen zu räumen gewesen, bei insgesamt 3000 betroffenen Menschen. „Wir hätten die Aktion ohne Probleme durchführen können.“

Notfallplan hätte die halbe Stadt stillgelegt und den regionalen Bahnverkehr beeinträchtigt

Eine Aktion, die massive Einschränkungen für ganz Ludwigsburg gebracht hätte: Ab 13 Uhr wäre der Bahnverkehr eingestellt, ab 12 Uhr der Busfahrplan aufgehoben worden. Straßen sollten gesperrt werden, ganze Mannschaften von Feuerwehr und Polizei hätten das Sperrgebiet vor der Entschärfung durchkämmt. Auch das von der Stadt organisierte Notquartier in den Beruflichen Schulen am Römerhügel kam nicht zum Einsatz.

Die Stadtwerke als Besitzer des Grundstücks am Holzheizkraftwerk müssen die Kosten für Bauarbeiten und Experten tragen, zum restlichen Aufwand wollte OB Spec nicht ins Detail gehen. „Wir werden jetzt feststellen, welche Kosten entstanden sind.“ Die Versicherung greife leider nicht. Preiswerter als im Ernstfall wird es allemal.

Mehr zum Thema in der Wochenendausgabe der Ludwigsburger Kreiszeitung

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