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Wald

Borkenkäferbefall ist im Landkreis noch nicht dramatisch

Forstministerium warnt: Hohe Temperaturen schwächen Bäume – Im Landkreis gibt es wenig Fichten und deshalb (noch) wenig Probleme

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Fraßgang eines Borkenkäfers in einer Fichtenrinde. Fotos: Hans-Jürgen Wege/dpa
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Borkenkäfer: Sie sind nur rund fünf Millimeter lang, für eine Fichte aber können sie das Todesurteil sein.

Ludwigsburg. Die Warnung aus dem Forstministerium klingt alarmierend: Der Wald im Südwesten stehe möglicherweise vor einem extremen Borkenkäferjahr. Die hohen Temperaturen in der zweiten Maihälfte hätten die Abwehrkraft der Bäume geschwächt und die Entwicklung von Buchdrucker und Kupferstecher begünstigt. Die Fangzahlen seien in den vergangenen Tagen jedenfalls rasant gestiegen. Auch im Landkreis Ludwigsburg? Wir haben nachgefragt.

„Wir haben einzelne Fälle von Borkenkäferbefall im Landkreis“, sagt Gundula Gmelin, die Leiterin des Fachbereichs Forsten beim Landratsamt, „aber im Moment ist es nicht tragisch.“ Was auch daran liegt, dass der Fichtenbestand im Staatsforst und in den kommunalen Wäldern im Landkreis Ludwigsburg unter zehn Prozent beträgt – Kupferstecher und Buchdrucker befallen ausschließlich Fichten.

Bisher habe man nicht feststellen können, dass sich der Käfer-Befall irgendwo konzentriere, es wird aber regelmäßig kontrolliert. Das heißt, Forstwirte laufen durch den Wald und suchen Fichtenbestände auf Hinweise nach Käferbefall ab. Das können Bohrmehlhäufchen sein, die rund um den Stamm liegen – die man allerdings nur bei trockenem Wetter sieht. Bei Wind oder Regen wird das Bohrmehl weggeweht oder abgewaschen.

Das können aber auch Harztropfen sein, mit denen sich der Baum gegen die Eindringlinge wehrt. Spechte geben ebenfalls Hinweise, denn sie sind scharf auf die Larven und picken den Stamm auf. Wenn sich die Nadeln eines Baumes bereits rot verfärbt haben, ist der Baum tot und damit auch für Borkenkäfer uninteressant.

Was geschieht mit einem Baum, der vom Borkenkäfer befallen ist? „Sofort einschlagen und dann versuchen, das Holz so schnell wie möglich zu verkaufen“, sagt Gundula Gmelin. Auf jeden Fall müssen vom Borkenkäfer befallene Bäume außerhalb von Fichtenbeständen gelagert werden – das können zum Beispiel auch Laubholzbestände sein, denn an denen haben die Käfer kein Interesse. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Stämme sofort zu entrinden und die befallene Rinde zu vernichten. Man müsse immer von Fall zu Fall entscheiden; die einzig richtige Methode gebe es nicht.

Ob das Holz durch den Borkenkäfer Schaden nimmt und dann nur mit Verlust verkauft werden kann, hängt davon ab „wie weit sich der Käfer schon eingebohrt hat“, sagt Gundula Gmelin; werden befallene Bäume zu spät gefällt, ist das Holz rotstreifig und weniger wert.

Das kühle Wetter der vergangenen Tage hat den Bäumen jedenfalls gutgetan und die Käfer in Schach gehalten. „Wenn die Temperatur in den nächsten Tagen aber auf 25 bis 30 Grad steigt, müssen wir mit bis zu drei Generationen von Borkenkäfern in diesem Sommer rechnen“, sagt Gundula Gmelin.

Forstminister Peter Hauk (CDU) hat auch die Privatwaldbesitzer aufgerufen, ihre Bäume zu kontrollieren und befallenes Holz zügig zu entfernen.