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Workshop

Bürger nehmen Bahnhof in den Blick

Sicherheit und Sauberkeit sind die Themen, um die sich Bahnhofsmanager Axel Müller im Auftrag der Stadt maßgeblich kümmern soll. Jetzt hat er bei einem Workshop gemeinsam mit Bürgern den Ist-Zustand des Bahnhofs erfasst. Ort des Geschehens war sein künftiges Büro im Westportal des Bahnhofs. Dabei drehte sich vieles um altbekannte Probleme.

Defekte Aufzüge, fehlende Barrierefreiheit an den Gleisen, keine gefühlte Sicherheit: An den Wänden hängen die Kritikpunkte, die bereits per E-Mail eingegangen sind. Zwei Stunden lang haben Bürger und Funktionsträger über Verbesserungsmöglichkeiten d
Defekte Aufzüge, fehlende Barrierefreiheit an den Gleisen, keine gefühlte Sicherheit: An den Wänden hängen die Kritikpunkte, die bereits per E-Mail eingegangen sind. Zwei Stunden lang haben Bürger und Funktionsträger über Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Angesichts der vielen Bahnhofsnutzer war die Zahl der Teilnehmenden gering, doch diese erwiesen sich als sehr gut informiert und engagiert. Bereits vor der Veranstaltung hatte Bahnhofsmanager Axel Müller auf seine Aufforderung hin viele Fotos und Hinweise von Missständen am und um den Bahnhof bekommen. Die ergaben eine bunte Themensammlung an den Wänden seines künftigen Büros am Bahnhof. Unter den Teilnehmern des Workshops sind auch einige Mitglieder des Fahrgastbeirats, die sehr viel Fachwissen mitbringen – und auch einigen Frust. „Vieles ist im Sande verlaufen, nachdem der erste Bahnhofsmanager gegangen ist“, sagt Meike Riley. Sie ist Berufspendlerin, wohnt in der Weststadt und war damals im Fahrgastbeirat engagiert. Dass diese regelmäßigen Treffen wieder aufgenommen werden sollen, begrüßt sie sehr.

„Beim Thema Mobilität greifen viele Dinge ineinander“, sagt Jochen Kühn. Er leitet das betriebliche Mobilitätsmanagement des Ludwigsburger Klinikums. Sein Ziel ist es, die Mitarbeiter für andere Verkehrsmittel als das eigene Auto zu begeistern. Doch das ist nicht immer leicht. „Wir haben viele weibliche Beschäftigte, für die das Thema Sicherheit am Bahnhof wichtig ist.“ Er hofft, dass sich das Sicherheitsgefühl am Bahnhof verbessert und damit auch die Bereitschaft wächst, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Auch Roswitha Matschiner hat das Thema Mobilität im Kopf. Doch bei ihr dreht es sich um die Anbindung des Radverkehrs. „Es gibt keine klare Wegeführung“, beklagt sie. „Andere Städte kriegen das doch auch hin.“ Matschiner hat ganz konkrete Beispiele gesammelt und will die Zuständigen dazu bewegen, beispielsweise in der Bahnhofsstraße und Myliusstraße einen Radfahrstreifen einzurichten. „Die Ostseite des ZOB neu zu ordnen, wäre wichtig.“

Ulrike Stärk-Ritter fährt nur in Begleitung Bahn. „Alleine geht es nicht“, diese Erfahrung hat sie erst kürzlich gemacht. Nach einem fröhlichen Ausflug nach Stuttgart endete der Abend am Ludwigsburger Bahnhof ernüchternd. Der Aufzug funktionierte nicht. Zum Glück sei sie nicht mit ihrem schweren Elektrorollstuhl unterwegs gewesen, sondern mit einem leichteren Modell. „So konnten meine Freunde mir helfen.“ Den Hauptaufzug im Empfangsgebäude nutzt sie dagegen häufig, wenn sie den Bahnhof in Richtung Weststadt durchquert. „Er ist einfach viel zu stark frequentiert.“

Hubert Maurer ist Weststädter. Aus der naheliegenden Thunerstraße hat er die Entwicklung des Bahnhofs und seiner direkten Umgebung über Jahrzehnte beobachtet. „Es geht doch nicht um Kleinigkeiten, wie die falsche Musik in der Unterführung, sondern um das große Ganze“, sagt er. „Es gibt nicht einmal eine vernünftige Überdachung auf den Gleisen“, ärgert er sich. Dass man sich seit Jahren über die vielen Eigentümer ärgert und jetzt doch keine zweite Unterführung bauen will, nennt Hubert Maurer „ein Jammerspiel“.

Für Bäckermeister und Unternehmer Adolf Katz steht das Thema Sicherheit an erster Stelle. „Ich bin als Kind von Asperg nach Bietigheim zur Schule gefahren“, erinnert sich der Eigentümer des Westportals. Sicherheitsbedenken habe es damals nicht gegeben. Dieses „gute und sichere Gefühl von damals“ wünscht er sich auch für den Ludwigsburger Bahnhof.

Sicherheit ist auch das oberste Ziel von Heinz Mayer, im Rathaus Chef des Fachbereichs für Sicherheit und Ordnung. Sein Ziel ist eine gemeinsame Hausordnung für Gebäude und Unterführung, so dass der Sicherheitsdienst des Gebäudeeigentümers und der Ordnungsdienst der Stadt besser Hand in Hand arbeiten können. Dass Bahnhofsmanager Axel Müller im neuen Jahr montags bis donnerstags von 16 bis 18 Uhr am Bahnhof präsent sein wird sei wichtig. Die Stadt lässt sich den Bahnhofsmanager samt Büro am Bahnhof 64.000 Euro im Jahr kosten. Müller selbst hat sich viel vorgenommen: „Wir können die Themen nur lösen, wenn wir das gesamte Areal betrachten.“

Info: Der Kontakt zum städtischen Bahnhofsmanager ist möglich über die E-Mail-Adresse bahnhofsmanagement@ludwigsburg.de.

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