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Bürgermeisterinnen
Bürgermeisterinnen im Landkreis Ludwigsburg: Was Frauen im Chefsessel erleben

.Das Ludwigsburger Rathaus: Die Initiative Ludwigsburg Zero möchte dort Einfluss nehmen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
.Das Ludwigsburger Rathaus: Die Initiative Ludwigsburg Zero möchte dort Einfluss nehmen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Nach ganz oben wollen nur die Jungs? Das wiesen drei Frauen auf dem Chefsessel von sich. Sie rieten Studentinnen, es ihnen nachzutun. Denn: Bürgermeisterinnen braucht das Land. So lautete auch der Titel eines Fachtages der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen sowie der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Ludwigsburg. Die Baubürgermeisterin der Stadt Ludwigsburg Andrea Schwarz, die Bürgermeisterin der Stadt Schwaikheim, Dr. Astrid Loff, und die frühere Bürgermeisterin von Erdmannhausen, Birgit Hannemann, berichteten bei einer Diskussionsrunde aus ihrem Berufsleben. Der Tenor: Bürgermeisterin ist ein abwechslungsreicher, interessanter Job. Die drei Frauen machten aber auch deutlich, dass ihnen die Trennung von Beruf und Privatem wichtig ist. Das alte Bild vom allseits präsenten Schultes scheint nicht mehr zu greifen.

Die Ludwigsburger Baubürgermeisterin Andrea Schwarz wurde vor zwei Jahren vom Gemeinderat in das Amt gewählt. Sie überzeugte das Gremium und setzte sich mit überragender Mehrheit gegen zwei Mitbewerber durch. „Da habe ich dann auch die Frage gestellt bekommen, wo meine drei Kinder jetzt sind“, berichtete die 47-jährige. „Frauen werden häufig mit Familienthemen in Verbindung gebracht“, so ihre Erfahrung.

Frauen werden andere Fragen gestellt

Sie führt nach eigenem Bekunden eine Ehe auf Augenhöhe, Erziehung ist gemeinsame Sache und die Großeltern in der Nähe ihres Wohnortes sind ein wichtiger Rückhalt. „Das Private ist ein Ruhepol und bietet die Möglichkeit, Kraft zu schöpfen“, so Andrea Schwarz, laut deren Einschätzung der Anspruch der Bevölkerung, dass die Bürgermeisterin auch in der Kommune in der sie tätig ist, wohnen muss, zurückgeht. Die SPD bezeichnete sie als ihre politische Heimat, aber ihrer Einschätzung nach hat das keine Rolle bei ihrer Bewerbung gespielt. „Gewählt wird die Persönlichkeit und nicht das Parteibuch“, betonte Andrea Schwarz.

Mit Glaubwürdigkeit punktete die frühere Dozentin an der Pädagogische Hochschule in Ludwigsburg und Wirtschaftswissenschaftlerin Dr. Astrid Loff beim Bürgermeisterwahlkampf im Schwaikheim. Kommunalpolitik war ihr vertraut, immerhin saß sie im Gemeinderat der Nachbarkommune Leutenbach.

Detaillierte Fragen zur Person

Im Wahlkampf vor einem Jahr gab es ebenfalls Fragen zu ihrer Familiensituation. Die 51-Jährige hat zwei erwachsene Söhne und einen Partner, mit dem sie nicht zusammenlebt. Sie hielt mit nichts hinter dem Berg. „Ich habe alle Fragen ehrlich beantwortet“, sagte Loff. Die Bürger belohnten das, sie setzte sich im ersten Wahlgang mit großer Mehrheit gegen ihre Mitbewerber durch.

„Ich habe für mich selbst entschieden“, sagte Astrid Loff zu ihrer Bewerbung. „Es ist der anspruchsvollste Beruf, den man sich vorstellen kann und ich habe noch keinen Tag bereut“, betonte sie. „Dass ich kein Mann bin, ist auch hilfreich“, so Loff, die auf regelmäßigen Austausch mit den Fraktionsvorsitzenden und dem Ältestenrat setzt. Und ansonsten so bleibt, wie sie ist.

Ein Tipp: Mehr Privatheit

Mut hat die 42-jährige Birgit Hannemann bewiesen, als sie sich vor zehn Jahren in Erdmannhausen als Bürgermeisterin bewarb und sich gegen den Amtsinhaber durchsetzte. Sie wurde die jüngste Bürgermeisterin in Baden-Württemberg und setzte ebenfalls auf Authentizität. „Sich im Wahlkampf verstellen bringt nichts, es muss für die nächsten acht Jahre passen“, so ihre Erfahrung.

Mehr Privatheit für die Familie

Für sie passte es in Erdmannhausen und die Bürger hatten wohl auch mit einer erneuten Kandidatur gerechnet, doch Hannemann teilte im Herbst 2019 mit, dass sie nicht mehr zur Verfügung steht. Sie tat es zum Schutz ihrer Familie.

Den inzwischen geborenen drei kleinen Söhnen wollte sie ein Aufwachsen unter öffentlicher Beobachtung ersparen. „Mehr Privatheit ist besser für die Familie“, so die Erfahrung der Wirtschaftspädagogin, die heute Geschäftsführerin beim Fachverband „Zukunft Familie“ im Haus der Caritas in Stuttgart ist. Im Klartext: Der Lebensmittelpunkt einer Bürgermeisterin müsse nicht in dem Ort sein, in dem sie tätig sei.